Vorgänger der Dreier-Reihe war eine der ersten kompakten Sportlimousinen

In dritter Hand beglückte er jugendliche Heißsporne, vom Neuwagen träumten Familienväter – und spätere Rennprofis wie Niki Lauda lernten mit ihm driften. Die Rede ist vom BMW 2002, der vor vierzig Jahren als 1600-2 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Anfangs sollte das neue Modell schlicht ein kleiner, erschwinglicher BMW sein. Der Aufsichtsrat empfahl 1963, einen Zweitürer mit 775 Kilogramm Trockengewicht zu entwickeln, der auf der IAA 1965 debütieren sollte. Mit einem wassergekühlten Vierzylinder zwischen 1,2 und 1,5 Liter Hubraum sollte der neue Wagen nicht mehr als 6.500 Mark kosten.

Kleines Auto, große Technik
Doch es sollte etwas anders kommen: Als der BMW 1600-2 auf dem Genfer Salon 1966 Premiere hat, steht dort eine schlanke Limousine mit der Technik aus der nächstgrößeren ,Neuen Klasse", der gerade auslaufenden, viertürigen Limousine von BMW. Die Ziffer 2 in der Modellbezeichnung soll den Zwei- zum größeren Viertürer hin abgrenzen. Der Vierzylinder-Motor sorgt mit oben liegender Nockenwelle und Fallstromvergaser für 85 PS und glatte 160 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Räder sind rundum einzeln aufgehängt, das Fahrwerk mit vorderen Federbeinen an Dreieckslenkern und Schräglenker-Hinterachse stammt aus der ,Neuen Klasse". Zusammen mit Scheibenbremsen an der Vorderachse gute Voraussetzungen für die ,Freude am Fahren".

Familientauglicher Porsche-Schreck
Dank dem aufwendigen Fahrwerk gehört der Hecktriebler zu den fahraktiven Autos seiner Zeit. Für mehr Leistung sorgt ab 1968 der Zweilitermotor im 2002 ti. Mit 120 PS beschleunigt der ti auf 185 km/h Spitzendgeschwindigkeit. Eine Ansage, bei der seinerzeit Porsche-Fahrer aufhorchen. 1971 geht es noch einen Tick schneller: BMW bringt den 2002 tii mit einer Kugelfischer-Einspritzanlage auf 130 PS und Porsche-Fahrer ins Schwitzen. Denn ein 911 T – das Porsche-Einstiegsmodell – hat ebenfalls genau 130 PS unter der Motorklappe. Der 2002 wird so zum Erfolg, bis 1975 rollen 330.212 Einheiten vom Band. Zwanzig Prozent davon gehen in die USA.



Gut im Rennen
Von Anfang an hat der 02er gute Anlagen für den Rennsport. 1966 holt der BMW-Motoreningenieur Ludwig Apfelbeck über 200 PS aus dem Vierzylinder, der dann in der Formel 2 eingesetzt wird. Dieser Motor dient 1980 als Basis für den bis zu 1.300 PS starken Turbomotor, mit dem Nelson Piquet auf Brabham BMW 1983 den Weltmeistertitel in der Formel 1 herausfuhr.

Das vorerst letzte Cabrio
BMW ergänzt die Reihe 1967 um ein Cabriolet. Es sollte für fast zwanzig Jahre das letzte richtig offene Cabrio von BMW bleiben, bis 1985 das Dreier-Cabrio wieder vollkommen offen ist. Denn 1971 bekommt das Cabrio einen massiven Überrollbügel und ist damit eigentlich ein Targa. Offiziell wird das von Baur gebaute Cabrio unter dem Namen ,Cabriolet mit Überrollbügel" verkauft, denn den Begriff ,targa" darf nur Porsche verwenden.

Der erste Touring
Mit der dritten 02er-Variante stellt BMW den ersten Touring seiner Firmengeschichte vor. Der Touring ist zwölf Zentimeter kürzer als die Limousine, hat eine Heckklappe statt des konventionellen Stufenhecks und umlegbare Rücksitze. Das Heck stammt von Designer Paul Bracq, während der Vorderwagen identisch ist mit der Limousine. Die meisten 2002-Käufer bevorzugen jedoch die Limousine: Nur 30.000 Touring rollen von den Bändern.

Schneller Aufreger
Bekannter als der Touring ist der 2002 Turbo, den BMW auf der IAA 1973 zeigt. Prospekte und Vorserienmodelle zeigen einen 2002 mit spiegelverkehrtem ,turbo"-Schriftzug auf dem ausladenden Frontspoiler. Fast zur gleichen Zeit führen steigende Unfallzahlen und die Ölkrise zu Tempolimits und einem geschärften Bewusstsein für Sicherheit im Straßenverkehr. Offiziell ist der 170 PS starke Turbo nur in Chamonixweiß und Polarsilber zu haben. In zehn Monaten baut BMW genau 1.672 Stück, heute sind nur noch eine Hand voll Turbo in Deutschland zugelassen.


Sparmodell zum Schluss
Zeitgleich mit dem Turbo bekommt die 02er-Reihe ein Facelift. Kopfstützen und Sicherheitsgurte vorn sind nun Serie. Neu sind auch das aufpralloptimierte Vierspeichen-Lenkrad und die rechteckigen Rückleuchten als markantestes Merkmal der Modelle ab 1973. Zwei Jahre nach dem Facelift löst die erste Dreier-Reihe (E 21) den 2002 ab. Gleichzeitig führt BMW den 1502 ein – als Einstiegsmodell mit dem Motor des 1602, niedriger Verdichtung und weniger Leistung. Bis 1977 bleibt der 02 noch erhalten.

Einer geht noch: Zum Jubiläum neu aufgebaut
Einer besonderen Aufgabe stellt sich BMW im Mai 2005: Neunzig Prozent aller Ersatzteile für den 2002 sind noch lieferbar, warum also nicht einen davon neu aufbauen? In einer gläsernen Werkstatt auf dem BMW-Museumsgelände arbeiten Meister Arthur Heimann und Klaus Kutscher, Leiter der Werkstatt der BMW Group Mobile Tradition, zehn Monate am Neuaufbau eines Inka-orangenen 2002 tii. Auf Basis einer Originalkarosse und aus rund 4.000 Ersatzteilen entsteht der 70er-Jahre BMW noch einmal. Genau wie das Ursprungsmodell von 1973 hat auch der ,Neue" den 2,0-Liter-Vierzylinder mit 130 PS. Das reicht, um 1.030 Kilogramm Fahrzeuggewicht in 9,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu beschleunigen. 14.400 DM kostete der 2002 tii vor 30 Jahren, heute kostet ein gut erhaltenes Exemplar rund 10.000 Euro.
(ao)

Bildergalerie: 40 Jahre BMW 02