Der Vizepräsident von General Motors stellt sich den Fragen zum Cadillac BLS

Anlässlich der Premiere des neuen Europa-Cadillacs BLS traf sich Automobil-Management-Legende Bob Lutz mit AUTO-NEWS. Der 74jährige passionierte Jagdflieger erklärt, wie Cadillac mit dem neuen BLS in Europa Fuß fassen möchte.

AUTO-NEWS: Mit dem Cadillac BLS haben wir nun ein Auto, was auf dem Saab 9-3 basiert und welches mit einem europäischen Dieselmotor zu haben ist. Was ist daran noch ein Cadillac?

Bob Lutz: Cadillac soll eine globale Marke werden. Cadillac, wie man Cadillac noch in Europa sieht, als Straßenkreuzer, das wäre auch in den USA schon seit 20 Jahren nicht mehr verkäuflich. Wir wollen den Charakter der Marke insofern behalten, als dass Cadillacs nicht wie Autos von Mercedes oder BMW aussehen sollen. Sie sollen dieses kantige, aggressive Design behalten. Aber die Ausführung muss aus Qualitätsgründen europäisch-japanisch sein.

AUTO-NEWS: Was hat Cadillac bei der Entwicklung des BLS anders gemacht?

Bob Lutz: GM hat über die letzten 20 Jahre die Fähigkeit zur guten, detaillierten Ausführung vergessen, sodass die Innenausstattungen zum Teil beschämend waren. Die Verarbeitung war schlecht. Die Leute kaufen ja keinen Toyota Camry, weil das Auto aus 20 Metern besonders schön aussieht. Aber aus 20 Zentimetern sieht es viel besser aus. Das ist eben für den ersten Qualitätseindruck, den der Kunde im Laden bekommt, wichtig. Deshalb habe ich mich bei GM sehr intensiv um Detailfragen gekümmert. Ich will den japanisch-deutsch-schweizerischen Sinn für Präzision in die amerikanische Kultur integrieren. Wir können den Drang zur Perfektion mit Disziplin einführen. Man muss ständig dabei sein, ich sehe mich da als Lehrer.

AUTO-NEWS: Können wir vom BLS auch einen Kombi erwarten?

Bob Lutz: Ich sage es mal so: Der Europachef von General Motors, Fritz Henderson, hat den Kombi angekündigt. Carl-Peter Forster, ebenfalls aus dem Europavorstand von GM, hat den Kombi angekündigt. Aber offiziell ist das Projekt vom Aufsichtsrat noch nicht genehmigt worden. Es gibt ihn, aber wir dürften es eigentlich noch nicht bestätigen. Es ist ein super Kombi mit eigenständigem Design. Die V-förmige Heckscheibe zum Beispiel setzt sich in einer V-förmigen Heckklappe fort. Es gibt nichts, was ähnlich aussieht.

AUTO-NEWS: Mr. Lutz, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte Peter Hoffmann, Chefredakteur AUTO-NEWS

Bob Lutz – Kurzbiografie
  • als Robert A. Lutz am 12. Februar 1932 in Zürich, Schweiz, geboren
  • seit 1949 amerikanischer Staatsbürger
  • 1961 Abschluss in Production Science an der University of California-Berkeley
  • ab 1963 verschiedene Führungspositionen bei GM-Europa
  • dann drei Jahre lang bei BMW als Vertriebsvorstand
  • 1974 – 1986 bei Ford
  • 1986 Wechsel zu Chrysler
  • 1998 – 2001 Arbeit bei Excide Technologies, dem Weltmarktführer für Bleibatterien
  • im Jahre 2001 wird Bob Lutz zum kriselnden GM-Konzern zurück geholt, um dort das Ruder rumzureißen
  • in seiner Freizeit fliegt Bob Lutz bis heute sein privates Jagdflugzeug
  • (gh)

Bildergalerie: Bob Lutz im Interview