Studie trägt die Züge des legendären Rennwagens

Die Geschichte der Mille Miglia und die Geschichte von BMW sind seit Jahrzehnten miteinander eng verworben. Die Wurzeln dieser Beziehung wurden bei den klassischen Straßenrennen zwischen 1927 und 1957 gelegt, die Tradition lebt heute bei den alljährlichen Wettfahrten für historische Fahrzeuge fort.

Einzelstück für die Mille Miglia
Bei der diesjährigen Mille Miglia vom 11. bis 14. Mai 2006 kommen nicht nur historische BMWs zum Einsatz. Blickfang ist ein eigens für das Rennen gefertigtes Einzelstück, das eine Hommage an die Rennsport-Begeisterung vergangener Tage sein soll. Das Karosseriedesign orientiert sich am BMW 328 Mille Miglia Touring Coupé, einem legendären Zweisitzer, mit dem Fritz Huschke von Hanstein und Walter Bäumer den Sieg bei der Mille Miglia 1940 einfuhren. Ihr Geschwindigkeitsrekord mit einem Durchschnittstempo von 166,7 km/h hat bis heute Gültigkeit.

Studie als Hommage
Mit dem BMW Concept Coupé wollen die Entwickler dem 328 ein Denkmal setzen. Das schöne Mobil ist weder die Kopie eines Rennwagens, noch dient es als Vorbote für künftige Serienmodelle. Die Studie ist vielmehr eine Hommage an die Leistungen der Ingenieure, die BMW den Erfolg im Motorsport und im Automobilbau brachten. Dem Concept Car sieht man die Verwandtschaft mit dem Veteranen an: Es gibt ebenso wie beim 328 eine lange Motorhaube, großzügig geschwungene vordere Radhäuser, ein weit zurückversetztes ,Greenhouse" mit geteilter Frontscheibe und Kotflügel, die sich über die hinteren Räder wölben.

Aerodynamik optimiert
Bei der Optimierung der Aerodynamik konzentrieren sich die Karosseriegestalter heute besonders auf den Seiten- und den Heckbereich des Fahrzeugs. Ziel ist es, die Luftströmung harmonisch und verwirbelungsfrei bis zum Heck zu führen. Erst dort wird ein definierter Strömungsabriss erzeugt. Dabei wird nicht nur der Luftwiderstand effektiv reduziert, sondern zugleich ein hoher Abtrieb generiert, der die Straßenlage und damit die Fahrdynamik des Coupés fördert.

Fünf Lufteinlässe
Mit jeweils fünf schicken Lufteinlässen im Bereich der A-Säulen werden Strömungsbewegungen im Vorderwagen reguliert. An der Studie erfüllen die Schlitze eine doppelte Funktion. Sie führen zum einen die zur Motorkühlung durch die BMW-Niere einströmende Luft wieder ab. Zugleich entsteht aber auch ein Unterdruck in den vorderen Radhäusern. Dieser Effekt reduziert die Verwirbelungen an den Radhäusern, und verstärkt gleichzeitig den Anpressdruck des Fahrzeugs auf die Straße.

Kanzel schwingt nach oben
Ins Bild der kraftvollen Proportionen fügen sich auch die speziell für das Concept Coupé entworfenen 20 Zoll großen Leichtmetallfelgen. Auf ihnen sind Reifen der Dimension 245/40 R 20 montiert. Anstelle von Türen trägt die Studie fest integrierte Seitenwände, die einerseits zur Gewichtsreduzierung und andererseits zur Erhöhung der Torsionssteifigkeit beitragen. Zum Einsteigen schwingt die gesamte Kanzel nach oben. Auch die Heckpartie der Konzeptstudie ist geprägt durch Designelemente, deren Ästhetik eng an ihre Funktion geknüpft ist. Ein aus LED-Einheiten bestehendes Leuchtenband wird horizontal über das Heck geführt.

Karosserie aus CFK
Die gesamte Karosserie des Konzeptfahrzeugs besteht aus karbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK). Die Außenhaut ist in Feinsilber lackiert, einem Hochglanzfarbton mit extrem feinen Pigmenten. Ein interessantes Detail an der Frontpartie ist die Lichttechnik: Auf den ersten Blick erscheint das Gesicht der Studie vertraut, ihre Augen erinnern an die Rundscheinwerfer des BMW 328. Allerdings sind sie nicht in die Karosserie integriert sondern als flache Elemente aufgesetzt worden. Moderne LED-Technik ermöglicht es, leistungsstarke Lichtquellen in vergleichsweise kleinen Aggregaten unterzubringen.

Technik vom Z4 M Coupé
Unter der Hülle der Studie stecken Fahrwerk und der 343-PS-Sechszylinder-Motor des BMW Z4 M Coupé. In den Abmessungen unterscheiden sich die beiden allerdings: Das BMW Concept Coupé überragt das BMW Z4 M Coupé in der Länge um 23 Zentimeter. Zudem ist es 14 Zentimeter breiter, dafür aber vier Zentimeter flacher als das für den Straßenverkehr zugelassene Pendant.

Stahl, Leder und Lycra
Im Interieur übernehmen Fugen und Konturen eine eigene Funktionalität, in Handarbeit gefaltetes Metall bringt die Eigenschaften des Materials wirkungsvoll zur Geltung. Sämtliche Flächen kommen ungebrochen und unverziert zur Geltung. Es gibt weder Dekorleisten, noch Ringe oder Rahmungen. Auch Beschriftungen, Logos und Symbole werden nicht etwa zusätzlich aufgebracht, sondern per Lasertechnik ins jeweilige Metall-Bauteil geprägt. Mit extrem flach gewalztem Edelstahl, naturbelassenem Rindsleder und Lycra-Gewebe kommen exakt drei Werkstoffe im Interieur des BMW Concept Coupé zum Einsatz.

Genäht oder geklammert
Sämtliche Komponenten wurden entweder miteinander vernäht oder mittels einer Spezialtechnik aneinander geklammert. Bei der Metallverarbeitung ließen sich die Innenraum-Designer von traditioneller Papierfalttechnik inspirieren. Die Verknüpfung von Tradition und Innovation führt auch bei der Verarbeitung von Leder im Interieur des BMW Concept Coupés zu einer neuen Ästhetik. Mehrere Schichten der lediglich gegerbten, ansonsten aber naturbelassenen Rindshäute werden miteinander verpresst. Auf diese Weise entstehen dreidimensionale Lederformteile, die unter anderem im Bereich der Sitze und der Mittelkonsole ein neuartiges haptisches Erlebnis vermitteln sollen.
(hd)

Bildergalerie: Hommage an den 328