Durch die geltende Steuerlage ist Autogas preiswert – und bleibt es noch lange

Ohne Verwechslungen geht es nicht ab, wenn man sich mit dem Thema Autogas beschäftigt. Noch immer ist der alternative Treibstoff nicht jedem geläufig, noch immer sind die Unterschiede zum Erdgas nicht bekannt. In diesem Artikel erläutern wir deshalb alles Wichtige zum Thema und zeigen, wann sich eine Umrüstung lohnt.

Nicht mit Erdgas verwechseln
Wie Erdgas, Benzin und Diesel stellt Autogas eine Mischung von Kohlenwasserstoffen dar. Anders als das gasförmige Erdgas (Compressed Natural Gas, CNG), das hauptsächlich aus Methan besteht, sind die Hauptbestandteile von Autogas die längerkettigen Moleküle Propan und Butan. Daher kann es durch Druck leicht verflüssigt werden, während Erdgas auch unter Druck gasförmig bleibt. Die für Autos verwendete Form wird als LPG (Liquified Petroleum Gas) oder als Flüssiggas bezeichnet. Noch bekannter ist es als das Gas aus den blauen Flaschen von Campingkochern. Es ist zu unterscheiden vom Flüssigerdgas (LNG), das durch Abkühlen verflüssigt wird.

Steuerbegünstigt bis 2018
Als Kraftstoff wird Autogas bereits seit langem verwendet – in Italien schon seit den 70er-Jahren. Dort ist der Treibstoff nach wie vor sehr populär. In Deutschland ist der Alternativkraftstoff bisher weniger beliebt. Dies könnte sich jetzt ändern, denn die steuerlichen Perspektiven für Autogas haben sich verbessert: 2006 hat der Bundestag beschlossen, dass Autogas bis Ende 2018 steuerlich begünstigt wird. Damit werden Erdgas und Flüssiggas nun vom Finanzminister gleich behandelt.

Niedrigerer Schadstoffausstoß
Die ökologischen Vorteile von Autogas gegenüber Benzin liegen unter anderem im niedrigeren Schadstoffausstoß: Es entstehen nur 20 Prozent der Stickoxide, und auch die Kohlendioxidemissionen verringern sich. Wie sauber Autogas-Abgase sind, zeigt auch die Tatsache, dass flüssiggasbetriebene Gabelstapler in geschlossenen Räumen betrieben werden dürfen – als einzige Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.

Veraltete Verbotsschilder
Auch in puncto Explosionsgefahr stellen Autogas-Fahrzeuge kein höheres Risiko als benzinbetriebene Autos dar. Deshalb gibt es auch keine gesetzliche Grundlage für Einfahrtverbote bei Tiefgaragen. Dies war bis in die 90er-Jahre hinein noch anders. Und noch immer verwehren veraltete Verbotsschilder das Abstellen ,druckgasbetriebener Fahrzeuge" in vielen Tiefgaragen – ein Ärgernis nicht nur für Autogas-, sondern auch für Erdgasfahrer.

Tankstellennetz wächst
Die Zahl der Autogas-Tankstellen wächst: Das Netz umfasst heute etwa 2.500 Einrichtungen. Zum Vergleich: Erdgas gibt es bisher erst an rund 750 Tankstellen. Dennoch: Noch ist es nicht immer ganz einfach, eine Gastankstelle zu finden. Eine Erweiterung stünde auch dem Fahrzeugangebot gut an. Während es recht viele Erdgasmodelle auf dem Markt gibt, sind Fahrzeugmodelle mit Autogasantrieb immer noch Mangelware.

Problemlose Umrüstung
Dabei ist die Umrüstung technisch kein großes Problem. Meist wird der Autogas-Tank in die Reserveradmulde eingebaut. Da der Benzintank erhalten bleibt, vergrößert sich nebenbei auch noch die Reichweite. Außerdem müssen eine Umschalteinrichtung, ein Zuleitungssystem zum Motor sowie ein Verdampfer eingebaut werden. Getankt wird über einen zusätzlichen Stutzen mit Schraubgewinde. Der Umbau ist in der Regel günstiger als bei Erdgas; dafür sind die spezifischen Treibstoffkosten etwas höher.

Tanken für die Hälfte
Für Autogas bezahlt man derzeit rund 0,64 Euro je Liter, also nur etwa die Hälfte von Super. Der Verbrauch liegt allerdings in der Regel etwas höher als beim Benzinmodell. Genaue Verbrauchsdaten werden von den Herstellern nicht ermittelt. Ohnehin sind nur vier Automarken mit Autogas-Modellen auf dem Markt: Chevrolet, Lada, Subaru und VW. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige Modelle vor.

Chevrolet: Autogas für alle Modelle
Chevrolet bietet eine Umrüstung auf Autogas für alle seine Modelle. Nehmen wir als Beispiel den Matiz 0.8 S. Er ist in der Anschaffung um rund 2.000 Euro teurer als das normale Benzinermodell. Bei fünf Jahren Haltedauer und 20.000 Kilometern Laufleistung jährlich ist das Autogasmodell bereits günstiger: Die Gesamtkosten liegen dann um etwa acht Prozent niedriger. Dieses Ergebnis liefert die Autokostenberechnung des ADAC (CD-ROM ADAC Autokosten und www.adac-autokosten.de).

Auch bei Lada viele Autos mit Gas
Eine weitere Marke mit traditionell gutem Autogas-Angebot ist Lada. Technisch und optisch ansonsten nicht immer auf dem neuesten Stand, bietet das russische Fabrikat alle Modelle außer dem Kalina auch mit Autogas-Antrieb an. Ein Beispiel ist der 2110 1.6 16V LPG mit 81 PS für 10.966 Euro. Der Aufpreis gegenüber dem Benziner für 8.761 Euro beträgt hier rund 2.200 Euro. Der Spritverbrauch liegt laut Hersteller etwa ein Drittel höher als beim Benzinmodell, das 6,8 Liter benötigt. Hier hat das Autogas-Fahrzeug etwa neun Prozent niedrigere Gesamtkosten (bei fünf Jahren Haltedauer und 20.000 Kilometer jährlich).

Subaru mit drei Autogas-Modellen
Subaru ist ein weiterer Hersteller, der zahlreiche Modelle mit Autogas-Antrieb anbietet: Impreza, Legacy, Outback und Forester. Die Autogasversion kostet zum Beispiel beim Subaru Impreza 2.0R Active 3.180 Euro mehr als die Normalversion. Die Rentabilitätsrechnung geht auch hier zugunsten der Autogas-Ver­sion aus: Beim Subaru Impreza 2.0R Active beispielsweise ist die Autogas-Version bei fünf Jahren Haltedauer und 20.000 Kilometern jährlich um etwa sieben Prozent günstiger.

VW Sharan LPG
Volkswagen hat neben Erdgasversionen des Touran und des Caddy auch ein Autogas-Fahrzeug im Programm. Der Sharan 2.0 LPG wird von einem 115 PS starken Zweiliter-Ottomotor angetrieben. Die Autogasversion kostet rund 2.500 Euro mehr als die Normalvariante. In der Trendline-Ausstattung kostet der LPG-Van 30.955 Euro. Hier liegen die jährlichen Gesamtkosten im Autogasbetrieb etwa sieben Prozent niedriger.

Fazit: Autogas als reale Alternative
Als Fazit ist festzuhalten: Autogas ist eine reale Alternative zu Benzinmodellen. Die Umrüstungskosten halten sich im Rahmen, der Sprit ist deutlich günstiger. Zumindest Vielfahrer profitieren. Die vergrößerte Reichweite ist ein weiterer Vorteil. Der Knackpunkt bei der weiteren Entwicklung wird wohl das Fahrzeugangebot sein. Hier wäre mehr Auswahl wünschenswert.
(sl)

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