Bis zu 13 Prozent weniger Verbrauch bei Teillast durch einstellbare Nockenwelle

Nissan hat eine Ventilsteuerung entwickelt, die Ottomotoren stärker und zugleich sparsamer machen soll. Das so genannte Variable Valve Event & Lift System (VEL) sorgt für eine bessere Drehmomententfaltung und ermöglicht niedrigere Emissionen. Es handelt sich um eine Einlassnockenwellenverstellung mit variablem Ventilhub. Bei BMW ist ein ähnliches System als Vanos bekannt – während bei Bivanos sowohl Einlass- als auch Auslassnockenwelle verstellt werden.

Drosselverluste bei normalen Ottomotoren
Bei herkömmlichen Motoren regelt eine Drosselklappe die Füllung der Zylinder und damit die Leistungsentfaltung des Motors. Wird weniger Motorkraft benötigt, dann verringert diese Klappe den Einlassquerschnitt und es strömt eine kleinere Menge brennbares Gemisch in den Brennraum. Nachteil: Durch das Drosseln wird für das Triebwerk das Atmen schwer – so, als schnüre man ihm die Kehle zu. Solch beschwerliches Luftholen kostet Kraft, was sich im Mehrverbrauch niederschlägt.

Aufwendige Zusatztechnik nötig
Beim neuen Nissan-Verfahren werden diese Drosselverluste ausgeschaltet. Statt der Drosselklappe regelt hier ein unterschiedlich weit geöffnetes Einlassventil die Brennraumfüllung. Dazu ist allerdings eine aufwendige Zusatztechnik nötig: Ein Elektromotor bewegt eine Steuerwelle, die einen Kipphebel mit Zwischengelenk betätigt. Je nach Drehwinkel der Steuerwelle schiebt sich die keilförmige Kante des Zwischengelenks zwischen Nocken und Ventilstößel.

Ventilhub für die Füllung verantwortlich
Während der normalen Nockenwellenumdrehung variiert so der Ventilhub in Abhängigkeit von der jeweiligen Position des Zwischengelenkes. Für die Zylinderfüllung sind dann die Öffnungsdauer und der Hub des Ventils und nicht die Drosselwirkung verantwortlich.

Nebeneffekt: Weniger Kohlenwasserstoffe
Was hier recht kompliziert klingt, hat eine simple Wirkung: Braucht der Motor viel Luft, dann atmet er lang und tief durch, braucht er weniger Luft, dann atmet er einfach flacher. Nebeneffekt: Gibt das Einlassventil bei niedrigen Drehzahlen nur einen schmalen Spalt frei, dann erhöht sich die Strömungsgeschwindigkeit und verwirbelt die Brennraumgase so stark, dass eine vollständigere Verbrennung stattfindet und weniger unverbrannte Kohlenwasserstoffe den Motor verlassen.

Neun Prozent mehr Drehmoment
Diese Technik kann bei modernen Benzinmotoren durch situationsgerechte Brennraumfüllung für eine spürbar größere Leistungsausbeute und eine satte Steigerung der Durchzugskraft führen. Die Entwickler stellen neun Prozent mehr Drehmoment in Aussicht. In welchen Motoren und ab wann Nissan die neue Ventilsteuerung einsetzt, ist noch nicht bekannt.
(sl)

Bildergalerie: Sparsamer durch VEL