Das leichte Spritsparauto kommt voran

Der hintere Bereich der Halle 4 der IAA (13. bis 23. September 2007 in Frankfurt am Main), ist verwinkelt und dunkel. Hier ist die Ecke für die eher unglamourösen Auftritte. Gleich in der Nähe von Lada ist ein Stand, der sich im Wesentlichen aus einer kleinen Theke vor einer riesigen Säule und einer grauen Wand zusammensetzt. Aber was sich dazwischen abspielt, macht Hoffnung auf eine saubere Zukunft. Loremo ist hier und hat das erste fahrbare Fahrzeug der Marke mitgebracht.

Unterm Netz
Vor der IAA ließ Loremo mitteilen, dass man mit einem Testfahrzeug nach Frankfurt fahren würde. Wer dieses Fahrzeug fahren dürfe, sei geheim. Und auch Bilder des angeblich eine Millionen Euro teuren Prototyps L1 blieben unter Verschluss. Auf der Messe dann die Ernüchterung: Der L1 kam ganz unspektakulär ohne Promieinsatz auf dem Rücken eines Transporters zur Messe. Der Erprobungsträger hat noch keine Straßenzulassung und gerade mal kurze Testfahrten auf einer Rennstrecke hinter sich. Zu sehen ist der Wagen nur hinter einer Strumpfmaske, erst auf dem Automobilsalon 2008 in Genf wird der Wagen ungetarnt zu sehen sein. Allerdings ist die Außengestaltung beinahe identisch mit den bisher bekannten Studien.

Verbrauch macht Hoffnung
Anscheinend stehen die Leute von Loremo unter enormem Kosten- und Termindruck. Dabei liest sich bis jetzt alles ganz hoffnungsvoll: Der Erprobungswagen soll mit 1,9 Liter Diesel auf 100 Kilometer ausgekommen sein – und das nach deutlich härteren Tests, als es der geschönte EU-Normverbrauch vorschreibt. Im Wagen ist ein geheim gehaltenes Dieselaggregat eines unbekannten Motorenherstellers verbaut worden, welches im Wirkungsgrad deutlich schlechter sein soll, als das endgültige Triebwerk. In der Serie sollen Zwei- und Dreizylinder-Dieselmotoren zum Einsatz kommen. Wer diese Motoren liefern wird, ist ebenfalls noch unter Verschluss. Neu ist, dass ab dem geplanten Produktionsstart 2010 der Loremo auch mit einem Elektroantrieb zu haben sein wird. Dabei legt der Hersteller Wert auf die Feststellung, dass er nach wie vor den Diesel für den energetisch sinnvollsten Antrieb hält.

Wenig Widerstand
Beim Loremo (Abkürzung für: Low Resistance Mobile) ist alles auf Widerstandsverringerung ausgelegt. Durch die leichte Grundkonstruktion soll ein Gewicht von weniger als 600 Kilogramm möglich sein. Dies sind Regionen, in denen sich die Seven-Style-Cars vom Schlage eines Caterham oder Westfield tummeln – und deren Agilität ist in der Serien-Autowelt beinahe unübertroffen. Hinzu kommt ein geringer Cw-Wert von 0,22. Das so zustande gekommene Zwei-Liter-Auto stößt laut Loremo weniger als 50 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus.

Schon bei Komfortabstimmungen
Auf der Teststrecke wurden insbesondere das Chassis und die neu entwickelte Differenzial-Lenkerache getestet. Vom Loremo wird es zwei Auslegungen geben: Für den LS wird eine komfortable, für den GT eine sportlich harte Abstimmung entwickelt. Die Tests verliefen ausgesprochen erfolgreich, so Loremo.

Optimistischer Zukunftsblick
An Loremos IAA-Auftritt ist es deutlich zu sehen: Die ambitionierten Entwickler hängen ein wenig hinter ihrem Zeitplan hinterher und müssen mit knappen Geldmitteln kämpfen. Umso erstaunlicher ist es, was Loremo bisher geschafft hat. Und für die Zukunft sieht es gar nicht schlecht aus. So konnten wichtige Partner für die Serienentwicklung gewonnen werden. Der im Design dann deutlich veränderte Prototyp wird fahrbereit in Genf stehen. 50.000 selbst- und verantwortungsbewusste Käufer haben sich bereits registrieren lassen. Und so passt auch der Messeauftritt zum Konzept: Die wertvollen Finanzmittel fließen ins Produkt, nicht in die Show.

Bildergalerie: Loremos Zweiliter-Auto