David Richards holt Aston Martin nach England zurück

Endlich ist es soweit: Nach Jahrzehnten der Schmach, in denen eine englische Autoschmiede nach der anderen entweder pleite ging oder in feindliche, sprich ausländische Hände fiel, kehrt eine britische Ikone eigentümermäßig zurück auf die Insel. David Richards, britischer Motorsport-Enthusiast von echtem Schrot und Korn, hat genug Geld zusammengekratzt, um seinen Traum und den vieler seiner Landsleute zu erfüllen.

702 Millionen Euro für den Luxus
Für vergleichsweise günstige 702 Millionen Euro reißt sich Richards ein wirtschaftlich gesundes Stück Auto-Geschichte aus dem maroden Ford-Gebälk. Die Amerikaner haben mit immensen Verlusten zu kämpfen, im letzten Jahr allein 12,7 Milliarden Dollar, und können jeden Cent für ihr Sanierungsprogramm gebrauchen. Aus diesem Grunde denken sie auch über den Verkauf weiterer Luxus-Marken wie Jaguar und Land Rover nach.

Geld aus Nahnost
Seit dem Sommer 2006 steht Aston Martin zum Verkauf. Ex-Rennsportler David Richards, 1981 Ralley-Weltmeister in einem Ford Escort, rotierte seit diesem Zeitpunkt kräftig, um die nötige Kohle zusammen zu bekommen. Dies gelang ihm jetzt mithilfe der kuwaitischen Finanzinvestoren Investment KSC und Investment Dar, die insgesamt 78,5 Prozent der Aston-Martin-Anteile halten, sowie der ägyptischen Naeem Capital – von wegen britische Eigentümer. Ford behält weiterhin 15 Prozent der Anteile (Wert: 40 Millionen Pfund) und liefert Teile und Motoren. So bleibt auch die Aston-Martin-Triebwerksproduktion im Kölner Ford-Werk erhalten.

Ein schneller Typ
Richards ist längst als Rennsport-Macher bekannt. Der gelernte Buchprüfer raste schon früh mit einem getunten Ford durch die Gegend und machte sich bei zahlreichen Ralleymeisterschaften einen Namen. 1984 war der heute 54-jährige Mitbegründer der auf Renntechnologie spezialisierten Ingenieursfirma prodrive (1.000 Mitarbeiter), welche auch Aston Martin 2005 zu einem Comeback im Rennsportzirkus verhalf. 1997 übernahm er dann die Führung des Benneton-Formel-1-Teams vom gefeuerten Flavio Briatore. Nach nur einem Jahr schmiss er diesen Job aber auf Grund von Differenzen mit der Benetton-Familie wieder hin. 1999 ging es für Richards in der Formel 1 weiter: er wurde Chef des BAR-Teams. Dort straffte er die Strukturen und senkte die Kosten. Eins wurde dem Formel-1-Völkchen schnell klar: Der Macher Richards kann überhaupt nicht mit Renn-Diven. Darunter musste vor allen Dingen Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve leiden.

Noch ein schneller Typ
Während David Richards Chef des Verwaltungsrats wird und somit für die langfristigen Strategien zuständig ist, bleibt der deutsche Dr. Ulrich Bez weiterhin Geschäftsführer des englischen Heiligtums und erledigt somit die taktischen Finessen des Tagesgeschäfts. Der 63-jährige kam im Jahre 2000 zu dem 1914 von Lionel Martin und Robert Bamford gegründeten Unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt war Aston Martin schon an x Pleiten vorbeigeschrammt, war für potthässliche Autos aus der Frühzeit und zunehmend schickere James-Bond-Autos in strittiger Verarbeitungsqualität bekannt. 1992 konnten gerade mal 46 Autos verkauft werden. Doc Bez, wie ihn die Briten liebevoll nennen, brachte den Laden wieder hoch. Jetzt verlassen über 6.000 Autos pro Jahr die Werkshallen in Gaydon. Bez, der vorher bei BMW, Porsche und Daewoo (heute Chevrolet) arbeitete, scheint in Aston Martin seine passende Aufgabe gefunden zu haben. Und er ist genauso rennbegeistert wie sein neuer Chef, was den Gerüchten Nahrung gibt, dass ein Fromel-1-Engagement von Aston Martin in greifbare Nähe rückt. Finanziell könnte Aston Martin dieses Projekt aber nicht alleine stemmen.

Steht gut da
David Richards hat sich einen Laden geschnappt, der richtig gut dasteht. Die Bänder sind ausgelastet und die Autoschmiede schreibt gute Gewinne. 1.800 Beschäftigte sind für den Fortbestand der Marke zuständig. Und wie die Briten Aston Martin lieben, merkt man allein schon daran, wie die Jungs vom englischen Automagazin ,TopGear" abgehen, wenn sie über ihre Lieblingsmarke berichten. Schließlich ist die Zahl der Demütigungen lang: Bentley gehört VW, Rolls Royce BMW, TVR dem Russen Nikolai Smolenski und Vauxhall dem GM-Konzern. Experten gehen davon aus, dass Aston Martin zirka 10.000 Fahrzeuge pro Jahr absetzten muss, um langfristig überleben zu können. Schließlich gibt es einen englischen Konkurrenten, der in der gleichen Liga spielt: Die bei uns kaum bekannte Marke Bristol stellt ebenfalls exklusive Sportwagen her. 2007 soll zum Beispiel der Bristol Fighter T mit 1.026 PS und 1.405 Newtonmeter Drehmoment auf den Markt kommen. Dr. Ulrich Bez möchte aber lieber eine kleine feine Firma mit dem jetzigen Produktionsvolumen betreiben. Mal sehen, was David Richards dazu sagt.

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