Drei- bis Sechszylinder-Dieselmotoren in der Entwicklung. Vorstellung des Grandeur 2.2 CRDi

Auf einer Presseveranstaltung unter dem Titel ,Dieselkompetenz" machte Hyundai-Deutschland klar, wie wichtig man den europäischen Markt für dieselgetriebene Autos nimmt. Wir berichten von der Veranstaltung, auf der auch Hyundais Topmodell Grandeur mit neuer 2,2-Liter-Dieselmotorisierung vorgestellt wurde.

Sechstgrößter Autoproduzent der Welt
Sevilay Gökkaya, Kommunikations-Chefin bei Hyundai, stellte zunächst klar, dass der Hyundai-Konzern seit einiger Zeit das Ziel verfolgt, bis zum Jahr 2010 in die Riege der Global Top Five, also der fünf größten Autohersteller der Welt, vorzustoßen. In 2006 konnte Hyundai sich mit mehr als vier Millionen weltweit verkauften Fahrzeugen erstmals auf dem sechsten Platz etablieren. Um das ambitionierte Ziel zu erreichen, wird die Hyundai Motor Company gemeinsam mit der Konzerntochter Kia zwischen fünfeinhalb und sechs Millionen Fahrzeuge verkaufen müssen. In Deutschland konnte im Jahr 2006 bei den Zulassungen mit immerhin etwa 53.700 Zulassungen und die Erhöhung der Markenbekanntheit durch das Sponsoring der FIFA WM vermeldet werden.

Der i30 soll Zuwachs bringen
Für das laufende Jahr geht Gökkaya erneut von einer Steigerung bei den Zulassungen aus. Für 2007 sind 55.000 bis 58.000 Einheiten geplant, je nach Verfügbarkeit des neuen i30, der sich in die Riege der Hyundai-Erfolgsmodelle einreihen soll. Das neue Kompaktmodell wird zwar erst im Spätsommer seinen Marktstart haben, aber trotzdem einiges zu den Zulassungen beitragen. Nach dem Fünftürer wird sehr schnell die Kombivariante folgen, die auf der IAA im September erstmals als Weltpremiere präsentiert wird.

Alle Namen beginnen künftig mit ,i"
Alle neuen Modelle von Hyundai werden künftig mit einer Zahlen-/Buchstabenkombination als Name versehen. Die neue Nomenklatur beginnt mit dem Atos-Nachfolger, der sich als i10 präsentieren wird und endet zunächst in der Oberklasse beim Grandeur-Nachfolger i50. Das ,i" steht hierbei übrigens für "Inspiration".

Groß-SUV Veracruz im Anmarsch
Hyundai geht mit dem neuen i30 also in der Golf-Klasse in die Offensive, aber auch die recht starke Position im SUV-Sektor soll weiter ausgebaut werden. So erwartet Gökkaya, im Jahr 2008 den neuen Hyundai Veracruz, einen oberhalb des Santa Fe positionierten SUV, auch in Deutschland einführen zu können. Die Resonanz auf dieses Fahrzeug sei Anfang des Jahres 2007 auf der Autoshow in Detroit so gut gewesen, dass man in Korea derzeit mit Hochdampf daran arbeitet, den Veracruz auch auf die europäischen Anforderungen abzustimmen. Das Jahr 2008 wird mit dem i30-Kombi starten. Im Februar und März folgen dann der neue Hyundai H1 und der neue Atos. Der neue Getz wird dann das Jahr 2008 im. Spätherbst abschließen.

Grandeur 2.2 CRDi startet
Jochen Schneider, Leiter Produktmanagement der Hyundai Deutschland GmbH, stellte den Grandeur mit Dieselmotor vor. Der Grandeur 2.2 CRDi ergänzt das Angebot im oberen Segment um eine wichtige Motorisierung. Hyundai richtet sich damit an die Bedürfnisse der Fahrer von vernunftorientierten Reiselimousinen der oberen Mittelklasse. Der Grandeur ist im so genannten E1-Segment angesiedelt. Dieses Segment hatte in Deutschland in 2006 einen Rückgang um etwa sechs Prozent auf 200.000 Fahrzeuge zu verzeichnen. Trotzdem konnten die Dieselzulassungen im Segment um zwei Prozent gesteigert werden. Der Diesel-Anteil in dieser Fahrzeugklasse betrug im vergangenen Jahr 76 Prozent. Davon entfiel wiederum ein gutes Viertel oder 27 Prozent auf Motoren mit bis zu 2,2 Liter Hubraum. Interessant ist, dass dieser Anteil im vergangenen Jahr um 28 Prozent wuchs. Der Grandeur 2.2 CRDi ist Schneider zufolge präzise in einem der wachstumsstärksten Subsegmente des Marktes positioniert.

Umfangreiche Serienausstattung
Mit einer umfangreichen Serienausstattung bietet Hyundai den Grandeur in der Dieselvariante für 41.640 Euro an. Dieser Preis beinhaltet beispielsweise ein Navigationssystem, eine Zweizonen-Klimaautomatik, eine Lederausstattung und ein Automatikgetriebe mit manueller Schaltebene. Hinzu kommen eine hohe aktive und passive Sicherheit – unter anderem mit acht Airbags. Zum Gesamtpaket gehört außerdem der serienmäßige Rußpartikelfilter. Optional erhältlich sind lediglich ein elektrisches Hub-/Schiebedach für 930 Euro sowie eine Mineraleffekt-/Metalliclackierung für 690 Euro in den drei Wahlfarben ,Sleek Silver", ,Charming Gray" und ,Prestige Dark Red". Standardmäßig kommt der Grandeur in Schwarz zu den Kunden.

Diesel teurer als V6-Benziner
Den Aufschlag in Höhe von 2.850 Euro im Vergleich zum 3,3-Liter-V6-Benziner begründet Hyundai übrigens damit, dass der Sechszylinder aufgrund seiner hohen Verkaufszahlen in Asien und den USA preiswerter produziert wird und daher auch von Hyundai entsprechend günstiger an den deutschen Partner abgegeben wird.

200 Fachleute in Rüsselsheim
Zu guter Letzt erläuterte Dr. Ing. Michael Fischer als Leiter Powertrain des europäischen Entwicklungszentrums von Hyundai die kommenden Dieselentwicklungen. Nicht nur in Europa gibt es übrigens ein Entwicklungszentrums, sondern auch in Asien und den USA. Das europäische Zentrum entstand 2003 in Rüsselsheim mit den Schwerpunkten Design und Powertrain. Heute arbeiten dort mehr als 200 europäische Fachleute an den Fahrzeugen, die auch in Europa in drei Werken produziert werden.

Diesel auch in Korea beliebt
Die Entwicklung von Dieselmotoren wurde erst im Jahr 1999 bei Hyundai in Korea begonnen, als der koreanische Staat die Zulassung von PKW auch mit Dieselmotor beschloss – vorher waren Diesel wegen ihrer Rußfahnen verpönt. Da weltweit die Kompetenz für Dieselmotoren in Europa sitzt, entschied man, ein Diesel-Kompetenzzentrum in Rüsselsheim zu gründen. Fischers Aufgabe ist es, die entscheidenden Diesel-Trends frühzeitig zu erkennen sowie die Diesel-Fahrzeuge an den europäischen Geschmack anzupassen. Heute sind hier mehr als 50 Mitarbeiter in diesem Zentrum tätig.

Grandeur macht 202 Sachen
Derzeit stehen drei EU4-Motorenfamilien für die Fahrzeuge vom B- bis zum E-Segment zur Verfügung. Der Grandeur sei das jüngste Mitglied mit Dieselmotor. Bei ihm kommt der Vierzylindermotor der D-Familie mit 2,2 Liter Hubraum in Verbindung mit einem Fünfstufen-Automatikgetriebe zum Einsatz, wie er bereits seit 2006 im Santa Fe angeboten wird. Mit nunmehr 155 PS und 343 Newtonmeter beschleunigt er den Grandeur von 0 auf 100 km/h in 11,4 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 202 km/h. Das Fahrzeug verbrauche im europäischen Testzyklus nur 7,9 Liter auf 100 km. Die CO2-Emissionen liegen bei 208 g/km.

1.600 bar Einspritzdruck
Mit einem Vierventil-Zylinderkopf samt Einlass-Kanalabschaltung, einer Common-Rail-Einspritzung mit 1.600 bar, einem Turbolader mit variabler Turbinengeometrie, einem wassergekühlten EGR-Kühler und zwei Ausgleichswellen verfügt der Motor über moderne Komponenten. Für die Reduzierung von Rußpartikeln kommt ein geschlossener Dieselpartikelfilter mit Keramik-Trägermaterial und -Beschichtung zum Einsatz. Der Rußabbrand wird durch die Motorsteuerung mithilfe einer Nacheinspritzung kontrolliert. Dieses System wurde über fünf Millionen Kilometer in Europa erprobt und ist wartungsfrei.

Drei- bis Sechszylinderdiesel in Arbeit
Dr. Fischer ergänzte seine Ausführungen mit der Ankündigung künftiger Dieselmotoren, die für Europa in der Entwicklung seien. Denn zur Reduzierung der CO2-Emissionen will Hyundai verstärkt Dieselfahrzeuge mit Drei- bis Sechszylindermotoren anbieten. Auch die Entwicklung von EU5-Motoren sei in Rüsselsheim bereits in vollem Gange. Im A-Segment ist zurzeit ein Dreizylindermotor mit 1,1 Liter Hubraum und 75 PS geplant. Für das B-Segment arbeite man an einem Vierzylindermotor mit 1,6 Liter Hubraum und 115 PS. Für das C- und E-Segment sei ein Vierzylindermotor mit 2,2 Liter Hubraum und 170 PS in der Entwicklung und letztlich kommt noch ein Sechszylinder-V-Motor mit 3,0 Liter Hubraum und 240 PS im gehobenen E-Segment. Damit stünden dann Dieselmotoren von 75 bis 240 PS für die Fahrzeug-Flotte von Hyundai (und auch Kia) zur Verfügung.

V6-Diesel für Veracruz
Der neue V6 wird der erste Sechszylinder-Diesel von Hyundai. Mit dem Top-SUV Veracruz soll er den Einstieg in eine neue Epoche darstellen. Die Maschine verfügt über ein Piezo-Common-Rail-System. Im Zusammenspiel mit EGR-Cooler, Einlass-Kanalabschaltung und elektrisch betätigtem VTG-Turbolader sollen niedrigste Emissionen erzielt werden. Die Leichtbauweise der Kurbelgehäuse durch Grafitguss ermögliche eine Gewichtsreduzierung von zehn Prozent bei gleichzeitig verbesserter Steifigkeit.

CO2-Ziel: 120g/km
Im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum wird mit Hilfe von Simulation, Motorprüfständen und Abgasrollen an weiteren High-Performance-Fahrzeugen für Europa gearbeitet. Ein aktuelles Beispiel ist der 1,6-Liter-Motor im neuen i30 mit einem Kraftstoffverbrauch von 4,7 Litern auf 100 km, was CO2-Emissionen von 125 g/km entspricht. Mit kostenneutralen Maßnahmen will man bei einer künftigen 90-PS-Variante sogar auf 120 g/km CO2 kommen.

Qarmaq beweist Kompetenz
Nicht zuletzt verwies Dr. Fischer auf das Concept-Car Qarmaq, das im März 2007 auf dem Auto-Salon in Genf vorgestellt wurde. Dieses Show-Car war eines der Highlights des diesjährigen Salons und zeigt, wie sich die Hyundai-Entwickler ein Crossover-Modell vorstellen. Der Qarmaq beeindruckt nicht nur durch seine Aufsehen erregende Konstruktion aus neuen, Gewicht sparenden Kunststoffen und seine markante, sportliche Form. Er soll auch einmal mehr die Kompetenz des europäischen Technik- und Designzentrums von Hyundai in Rüsselsheim unter Beweis stellen, das maßgeblich an seiner Entwicklung beteiligt war.

Bildergalerie: Hyundai macht Dampf