Mit dem tii nimmt der Münchener Autobauer Anleihen bei seinen Sportwagen aus den 60er- und 70er-Jahren

Als fünfte Studie, die BMW im Lauf des Jahres 2007 präsentiert, soll das Concept 1 Series tii die hohe Bandbreite des Münchener Premiumherstellers demonstrieren. Nach dem M3 Concept Car, dem Concept CS und dem Concept X6/Concept X6 ActiveHybrid steht das Concept 1 Series tii für maximale Freude am Fahren auch im Kompaktsegment. Die Designstudie auf Basis des neuen 1er Coupé wird erstmals auf der Tokyo Motor Show 2007 vom 27. Oktober bis zum 11. November 2007 der Weltöffentlichkeit präsentiert.

Designmerkmale früherer BMW-Coupés
In seinem Design greift der tii die Merkmale früherer Coupés aus den 1960er- und 70er-Jahren auf, die bis heute den sportlichen Ruf von BMW prägen. Kompakte Abmessungen, geringes Gewicht, starke Motoren und Hinterradantrieb kennzeichneten diese Fahrzeuge. Vor allem der 1966 erstmals angebotene BMW 02 wurde dank dieser Faktoren zum Inbegriff für sportliche Fahreigenschaften.

Viel Karbon im Einsatz
Um das Gewicht zu optimieren und eine harmonische Achslastverteilung zu gewährleisten, wurden ausgewählte Bauteile beim Concept 1 Series tii aus karbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK) gefertigt. Neben der Motorhaube und den Spiegelkappen bestehen auch die Inlays der seitlichen Lufteinlässe an der Frontschürze, der Gurney auf dem Heckdeckel (Gurney = Klappe oder Blechwinkel am Ende eines Spoilers) und der Einsatz des Heckstoßfängers aus dem leichten und zugleich festen Werkstoff.

Matt transparente Lackierung
Aus größerer Distanz erscheinen die aus CFK gefertigten Bauteile schwarz, erst bei näherer Betrachtung wird die Kohlefaserstruktur der mit einer transparenten, matten Lackierung überzogenen Oberfläche sichtbar. Die dunkle Fläche der CFK-Motorhaube reduziert die Lichtreflexe bei Sonneneinstrahlung und soll die Konzentration des Fahrers fördern. Dem gleichen Zweck dient der in weiß gehaltene Sonnenschutzstreifen am oberen Rand der Windschutzscheibe. Er verhindert die Blendwirkung bei tief stehender Sonne.

Schwarz, weiß und blau
Das Fahrzeug trägt Dekorstreifen, die sich von der rechten Scheinwerfereinheit bis zur Luftabrisskante auf dem Heckdeckel, dem großen Gurney, über den gesamten Karosseriekörper hinweg ziehen. Auf der Motorhaube sind die Streifen weiß gehalten, auf Dach und Heckdeckel werden sie in schwarzer Lackierung fortgesetzt. Um einen weiteren optischen Akzent zu setzen, kommt an wenigen besonders exponierten Stellen eine dritte Farbe ins Spiel: Blau lackiert zeigen sich die Bremssättel, jeweils eine der fünf Radsicherungsschrauben auf jeder Felge sowie die Abschleppöse in der Frontschürze, die – wie bei Rennsportfahrzeugen üblich – nicht von einer Verschlusskappe bedeckt wird. Dieser farbliche Dreiklang wird auch im Interieur aufgenommen.

Frontdesign: Aerodynamische Optimierung
Neben den aus CFK gefertigten Bauteilen wurden die Frontschürze, die Seitenschweller sowie der hintere Stoßfänger und der Heckdeckel neu entworfen. Im Mittelpunkt stand dabei die Optimierung der aerodynamischen Eigenschaften. Die kraftvoll ausgeformten seitlichen Lufteinlässe sind in Inneren mit CFK beschichtet. Darüber hinaus weist die Frontschürze auf beiden Seiten so genannte Air-Splitter auf. Diese leicht nach vorn ragenden Luftführungselemente sorgen für eine gezielte Ableitung. Ein Teil des Luftstroms gelangt in die seitlichen Einlässe, der Übrige wird unter dem Fahrzeug hindurchgeführt.

Haubenfinnen geben Stabilität
Ein weiteres aus dem Rennsport entlehntes Element, das der Optimierung der Luftführung dient, stellen die so genannten Haubenfinnen dar. Die an den äußeren Rändern der Motorhaube platzierten Luftleiter fördern die aerodynamischen Eigenschaften und damit auch die Stabilität im Fahrverhalten bei hohen Geschwindigkeiten. Ihre Wirksamkeit wurde bereits Mitte der 1970er-Jahre beim BMW 3.0 CSL unter Beweis gestellt.

Ohne Stäbchen in Tokio
Auch die BMW-Niere wird beim tii individuell ausgeführt. Die bei BMW üblichen Nierenstäbe entfallen. Stattdessen wird die einströmende Kühlluft durch ein aufgefächertes Wabengitter geführt. Ein weiteres Erkennungsmerkmal sind die dunklen Blenden der Scheinwerfereinheiten. Durch sie werden die Doppelrundscheinwerfer hinter Klarglas zusätzlich betont.

Seitenansicht: Klassische Silhouette
Eine sportliche Note gewinnt die Seitenansicht der Designstudie durch den speziell entwickelten Seitenschweller. Er ist kraftvoll ausgeformt, seine nach hinten hin ansteigende Lichtkante unterstützt die Keilform der Silhouette und lässt das Fahrzeug noch tiefer auf der Straße kauern. Sportlichkeit vermittelt auch die unmittelbar vor dem Hinterrad im Schweller angeordnete runde Aussparung. Sie optimiert den Luftstrom und lenkt den Blick auf den Bereich der Hinterräder, über die die Motorleistung auf die Straße übertragen wird. Der Concept 1 steht auf 18 Zoll großen Leichtmetallfelgen im Fünf-Speichen-Design mit einer speziellen dunklen Chromfarbgebung.

Heck: Perfekte Luftströmung
Auch am Heck wurde die Karosserie des tii hinsichtlich ihrer Strömungseigenschaften und der speziellen Anforderungen bei besonders dynamischer Fahrweise individuell konzipiert. Die Luftabrisskante auf dem Heckdeckel, der so genannte Gurney, fällt deutlich größer aus als beim 1er Coupé. Aufgrund seiner Formgebung und Dimensionierung erfüllt dieses aus CFK gefertigte Bauteil ideale Voraussetzungen, um in allen Geschwindigkeitsbereichen größtmöglichen Abtrieb auf der Hinterachse zu erzeugen und damit ein noch stabileres Fahrverhalten zu fördern. Ebenfalls aus kohlefaserverstärktem Kunststoff besteht der Einsatz des Heckstoßfängers. Seine dreigeteilte Struktur greift die Grafik der Lufteinlässe an der Fahrzeugfront auf. Der von zwei Streben gegliederte Diffusor sorgt auch im unteren Bereich des Fahrzeugs für eine kontrollierte Luftführung, mit der die Verwirbelungen am Heck auf ein Minimum reduziert werden.

Interieur mit sportlicher Linie
Der Schwarz-Weiß-Kontrast des äußeren Erscheinungsbildes wird bei der Gestaltung des Innenraums aufgegriffen, jedoch mit umgekehrter Gewichtung. Ähnlich wie die dunklen CFK-Elemente im Exterieur kommen weiß lackierte Flächen im Interieur an wenigen ausgewählten Stellen zum Einsatz. Die in Weiß gehaltenen Flächen beschränken sich auf die Zuziehgriffe der Türen und die Speichen des Sportlenkrads.

Blau setzt den Fahrer in Szene
Auffällig wird im Interieur die Fokussierung auf den Fahrer durch die Farbe Blau in Szene gesetzt. Blaue Sitznähte und ein blauer Zierring am Fuß des Schalthebelknaufs sorgen für markengemäße Akzente. Darüber hinaus ist nur das Gurtband für den Fahrersitz ebenfalls in diesem Farbton gehalten. Auf den drei weiteren Sitzplätzen stehen silberfarbene Gurtbänder zur Verfügung, auch die Sitznähte sind dort in diesem Farbton gehalten. Diese Differenzierung ist ein Augen zwinkender Hinweis darauf, welcher der vier Sitzplätze in einem derartigen Fahrzeug wohl der reizvollste wäre.

Auf den Fahrer zugeschnitten
Die Dominanz dunkler Farben im Interieur soll dem Fahrer erleichtern, seine Aufmerksamkeit ganz dem Geschehen auf der Straße zu widmen. Die Verkleidung von A-Säulen und Dachhimmel in Anthrazit bildet dabei eine Einheit mit der Armaturentafel sowie den Tür- und Seitenverkleidungen. Die mit schwarzem Alcantara bezogene Armaturentafel trägt ähnlich wie die dunkle Motorhaube dazu bei, Lichtreflexe zu vermeiden.

Weißer Drehzahlmesser, schwarzer Tacho
Auch die Gestaltung des Instrumentenkombis entspricht der im Motorsport üblichen Schwerpunktsetzung. Das weiße Ziffernblatt des Drehzahlmessers mit roten Zeigern zieht die Aufmerksamkeit stärker auf sich als die dunkle Skala der Geschwindigkeitsanzeige. Das griffige Sportlenkrad ist mit Alcantara umhüllt. Die Sportschalensitze sind mit Alcantara und Leder bezogen und sollen einen guten Seitenhalt bieten. Außerdem verfügen sie über integrierte Kopfstützen und Seitenairbags. Auch die Fondpassagiere sitzen sportlich tief. Der Fußraum ist mit einem neu entwickelten Textilgewebe strapazierfähig verkleidet. Seine Musterung erinnert an die Oberflächenstruktur der CFK-Bauteile. Ein modellspezifischer Schriftzug auf den Einstiegsleisten rundet das individuelle Ambiente für das Interieur des Concept 1 Series tii ab.

Motorisierung noch offen
Über mögliche Motorisierungen der Studie schweigt sich BMW allerdings aus. So ist anzunehmen, dass das 306 PS starke Triebwerk aus dem 135i Coupé zum Einsatz kommen könnte. Einer Leistungssteigerung steht aber sicherlich nichts im Wege, denn nicht zuletzt zeichneten sich frühere ti-Modelle durch PS-Stärke aus. "Die Studie ist kompromisslos auf den Rennsport ausgerichtet". sagte Stefan Krause, Vertriebs- und Marketingvorstand der BMW AG, anläßlich der Vorstellung in Tokio. Krause weiter: "Einige Ideen und Elemente aus dieser Konzept-Studie könnten sich durchaus in zukünftigen Serienfahrzeugen wieder finden."

Bildergalerie: BMW Concept 1 Series tii