Japanische Sportwagenflunder mit erstaunlich wenig Bumms

Freunde harmonischer Formen müssen ganz tapfer sein, wenn der Mitsuoka Orochi anrollt. Bereits 2001 stellte der japanische Replikahersteller seine Vision eines supersportlichen Spaßmobils auf die Räder. Was damals noch als Studie auf der Tokyo Motor Show stand, kann seit 2006 im Land der aufgehenden Sonne geordert und über öffentliche Straßen bewegt werden.

Kamikaze-Angriff auf den guten Geschmack
Ja: Die fleißigen Autobauer bei Mitsuoka suchen auf ihrer chaotischen Website Vertriebspartner in Europa. Angesichts des zerklüfteten, unruhigen Äußeren des Orochi – irgendwo zwischen Lamborghini Miura, McLaren SLR, Lotus Elise und einem toten Drückerfisch – dürften die Marktchancen der Flunder hierzulande aber verschwindend gering sein. Hiroshi tickt nun einmal anders als Hans, wenn es ums Thema Ästhetik geht. Vom amerikanischen Markt ganz zu schweigen. Denn dort könnte der offensichtlich von der weiblichen Intim-Anatomie inspirierte Kühlergrill den heiligen Zorn puritanischer Sittenwächter erwecken. Man denke nur an das Desaster, das Ford in den fünfziger Jahren mit dem angeblich kontroversen Kühler des Edsel erlebte.

Außen pfui, innen hui?
Außen reicht's also nicht zur Liebe auf den ersten Blick. Aber vielleicht kann der Orochi ja durch innere Werte glänzen. Auf dem Papier jedenfalls werden auch diese Hoffnungen enttäuscht. Der als Mittelmotor installierte V6-Treibsatz stammt von Toyota, hat 3,3 Liter Hubraum und leistet relativ bescheidene 233 PS. Dummerweise bringt der Orochi auch noch 1.533 Kilogramm auf die Waage – ganz schön fett für einen Sport-Zweisitzer. Mit 6,5 Kilogramm pro PS erreicht der japanische Hingucker also ein deutlich schlechteres Leistungsgewicht als etwa ein Opel Astra OPC mit 5,8 Kilogramm pro PS.

Für geduldige Liebhaber
Was also bleibt unterm Strich für rund 73.000 Euro Listenpreis? Ein Zweisitzer mit offensichtlich sportlichen Ambitionen und (etwas weniger offensichtlichen) Gewichtsproblemen. Dazu noch ein unspektakulärer Motor und ein Gesicht wie Helga Feddersen nach einer dreitägigen Sauftour. Ein Mensch mit westlich geprägtem Schönheitssinn sollte also über sehr viel Geld, Selbstsicherheit und einen gesunden Sinn für Humor verfügen, um den Kauf des schrulligen Mitsuoka ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Dann allerdings könnte der japanische Plattfisch durchaus Sinn machen – als eine Art Anti-Fashion-Statement und kurioser Hingucker auf abendländischen Boulevards. Denn ganz egal wie hässlich man den Orochi auch finden mag: ein extrastarker Blickmagnet ist der abgedrehte Japaner allemal.

Schrill: Mitsuoka Orochi