Mercedes rückt mit aufwendiger Technik den Geräuschen der CL-Klasse zu Leibe

Mercedes lässt verlauten, mit dem neuen CL das leiseste Auto der Luxusklasse geschaffen zu haben. Da gibt es zwar noch den Lexus LS 600h, aber der spielt noch ein paar Liegen höher im Luxussegment. Ob der Mercedes wirklich der leiseste ist, wird die Praxis zeigen.

Isolationshaft
Als ersten Schritt stimmten die Ingenieure Motor, Fahrwerk und Abgasanlage hinsichtlich ihrer Geräuschentwicklung ab. Dann wurden diese drei Störenfriede auch noch akustisch vom Rest der Klasse isoliert. Aber wenn das Auto fährt, gibt es noch einen anderen Gesellen, der gerne für Unruhe sorgt: Der Wind schabt unablässig an der Außenhaut des Fahrzeugs. Auch dort musste etwas getan werden.

Mit dem Wind auf Kumpel
So wurden die A-Säulen möglichst strömungsgünstig gestaltet. Den Türen wurde ein neues, akustisch vorteilhafteres, Dichtungskonzept verordnet. Außerdem mussten die Seitenscheiben zulegen, sie sind jetzt sechs Millimeter dick. Weitere Bauteile wurden unter akustischen Gesichtspunkten entwickelt. So müssen sich die Scheibenwischer ganz tief in einen Spalt ducken, damit sie nicht im Wind liegen. Selbst die Außenspiegel wurden nicht verschont. Ein schmaler Steg zwischen Spiegelgehäuse und Tür reduziert die Windgeräusche. Gerade das Schiebedach ist bekannt dafür, im geöffneten Zustand bei größeren Geschwindigkeiten ordentlich loszubrüllen. Jetzt steht ein gezackter Windabweiser bereit. Dessen Kerben erzeugen absichtlich Luftwirbel in Längsrichtung und verhindern so das nervige Wummergeräusch.

Spiegelein, Spieglein, bist Du groß
Um den Erfolg auch sichtbar machen zu können, entwickelten die Ingenieure ein paar neue Messverfahren. Prunkstück dieses Systems ist ein über und über mit Mikrofonen gepflasterter Parabolspiegel mit einem Durchmesser von drei Metern. Die Mikrofone nehmen aus fünf Metern Entfernung künstlich erzeugte Windgeräusche auf. Der Vorteil mit dem riesigen Reflektor besteht darin, dass mehrere Karosseriebereiche auf einmal abgescannt werden können. Das System ist sogar in der Lage, die Geräusche als Videobild darzustellen. So lassen sich störende Schallquellen einfacher lokalisieren. Außerdem mussten zwei Kunstkopf-Dummies im Mercedes Platz nehmen und jede Menge Lärm ertragen. Anatomisch korrekt wurde ihnen in Gehörgang-Höhe ein Arsenal an Messinstrumenten angebaut.

Psycho: Hör' ich Stimmen?
Die kalte Technik allein reicht aber nicht, um dem komplexen Hörempfinden des Menschen gerecht zu werden. So musste man sich bei Mercedes auch mit den Abgründen der Psyche beschäftigen. Schließlich gibt es auch leise Geräusche, die über einen längeren Zeitraum als sehr unangenehm empfunden werden. Deshalb wurden die Messverfahren dem zarten Empfinden menschlicher Wesen angepasst. Auch 60 echte Autofahrer stellten ihre 120 Ohren zur Verfügung und beurteilten, ob man bei einer Geschwindigkeit von 140 km/h noch eine gepflegte Koversation halten kann. Am Ende sieht sich Mercedes erfolgreich beim Bestehen der relativ jungen Disziplin Aero-Akustik.
(gh)

Mercedes CL ganz ruhig