Die Essen Motor Show wird bereits seit 1968 veranstaltet

Gleich hinter der Frankfurter IAA hat sich die Essen Motor Show als die Nummer zwei der deutschen Automessen etabliert. Sogar die Leipziger AMI ist nur Nummer drei. So wurden seit dem Jahr 2000 jeweils an die 400.000 Besucher in Essen-Rüttenscheid gezählt. Die Essen Motor Show gilt als Tuningmesse, doch sie bietet mehr. Auch neue Autos, Designstudien, Oldtimer, Zubehör und Motorsport sind zu sehen. Nun feiert die Messe 40-jähriges Jubiläum.

Bescheidene Anfänge
Bescheiden ging es 1968 los, als der damals 25-jährige Wolfgang Schöller die Idee hatte, zu Saisonschluss die erfolgreichsten Sport- und Rennwagen des abgelaufenen Motorsportjahres zu präsentieren. Der Titel der Ausstellung lautete schlicht und einfach ,Internationale Sport- und Rennwagen-Ausstellung Essen". Im April 1968 wurde das Konzept zusammen mit der Messe Essen zum ersten Mal in einer Presse-Ankündigung präsentiert. Am 2. November 1968 war es dann soweit: 7.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in der jetzigen Doppelhalle 10/11 standen zur Verfügung. Der Erfolg der ersten Ausstellung übertraf alle Erwartungen. Zeitweise mussten der damalige Geschäftsführer der Messe Essen Walter Bruckmann und Wolfgang Schöller selbst Eintrittskarten verkaufen, um dem Andrang von 57.000 Besuchern Herr zu werden.

Hill und Rindt
Unbestrittener Star unter den Ehrengästen war Graham Hill. Der Brite kam nur sieben Tage, nachdem er sich in Mexiko den Formel-1-Weltmeister-Titel geholt hatte, nach Essen. Er gab sich mit einem Honorar von gerade mal 4.500 Mark zufrieden. Auch zu einem weiteren Formel-1-Star wurden Kontakte geknüpft: Jochen Rindt. Der brachte im Jahr 1969 gleich sechs aktuelle Formel-1-Renner nach Essen. Für 1970 wurde die Ausstellung in ,Jochen-Rindt-Show / Internationale Sport- und Rennwagen-Ausstellung Essen" umbenannt. Doch knapp drei Monate vor der Messeeröffnung verunglückte der Rennfahrer tödlich. Trotzdem wurde die Messe unter dem neuen Titel durchgeführt. Sie wurde ein großer Erfolg. Die Besucherzahl verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahr.

Besucherrückgang durch Ölkrise
Der Trend der Messe zeigte auch in den folgenden Jahren weiter nach oben. So war 1972 die Fläche auf 34.000 Qudratmeter gewachsen, und es kamen fast 150.000 Besucher. 1973 dann – im Zeichen der Ölkrise und der Sonntags-Fahrverbote – war ein Rückschlag zu verzeichnen. Die Besucherzahl fiel auf 84.600. Als Folge musste 1974 die Ausstellungsfläche verringert werden: Sie ging von 40.000 im Jahr 1973 auf 36.000 Quadratmeter zurück. Erst 1978 waren die Auswirkungen der Krise überwunden. Damals gab es mit 160.000 Besuchern wieder eine neue Rekordzahl zu vermelden. 1978 wurde der Titel der Ausstellung in ,Internationale Motor Show Essen" geändert, weil die bisher eigenständige Motorrad-Show – ebenfalls von Wolfgang Schöller in Zusammenarbeit mit dem vielfachen Motorrad-Weltmeister Giacomo Agostini organisiert – integriert wurde.

Oldtimer kommen hinzu
1982 wurde der neue Ausstellungsbereich Oldtimer & Classic Cars eröffnet. Und zum ersten Mal gab es das Show-Center. 1984 kamen erstmals über 200.000 Besucher. 1987 konnte der Automobilclub ADAC für die Mitarbeit gewonnen werden. 1988 wurde das Show Center wegen des Platzbedarfes der Aussteller in die Grugahalle ausquartiert. Mit 332.800 Besuchern gab es wieder eine neue Rekordzahl. 1990 erfolgte die Erweiterung des Ausstellungsgeländes auf 90.000 Quadratmeter, und es konnten bereits über 350.000 Besucher gezählt werden.

Tuner-Verband hilft mit
1992 wurde der Tuning-Bereich weiter aufgewertet: Der Verband Deutscher Automobil-Tuner (VDAT) ging erstmals offiziell an den Start. Die Doppelhalle 10/11 wurde zur offiziellen VDAT-Halle im Salon-Charakter. 1996 wurde der Titel in ,Essen Motor Show International" geändert. Im neuen Jahrtausend konnte die Essen Motor Show einen neuen Superlativ vermelden: Mit Eröffnung der Ausstellung im Jahr 2000 wurde die Messehalle 3 in Betrieb genommen. Die Ausstellungsfläche wuchs dadurch mit einbem Schlag um etwa 20.000 auf insgesamt 110.000 Quadratmeter. Eine Premiere war das Treffen ehemaliger Rennfahrer, Rallye-Piloten und Sportchefs auf der Essen Motor Show. Knapp 30 Ex-Sportler kamen und schwelgten in Erinnerungen. Dieser Treff wurde zu einer attraktiven Rahmenveranstaltung der Messe. An die 200 Ehemalige kamen in den Folgejahren.

Über 400.000 Besucher
2001 wurde die 400.000-Besucher-Marke überschritten. Im Jahr 2002 gab es erstmals einen eigenen Presse- und Fachbesuchertag. Im Jahr 2004 konnte mit 416.500 Besuchern eine neue Rekordzahl registriert werden. Diese Zahl wurde 2005 nur deshalb nicht erreicht, weil ein Wintereinbruch mit Schnee-Chaos am ersten Messe-Wochenende die Anreise erschwerte. 2006 wurde die neue Motor Sport Meile etabliert, wo sich Automobilclubs, Fachzeitschriften, Rennserienveranstalter, Rennstreckenbetreiber und Verbände vorstellen. Die Essen Motor Show, wie sie seit 2000 heißt, hat sich seit ihren Anfängen prächtig entwickelt. Trotzdem lebt die Ursprungsidee weiter: Nach wie vor sind in Essen die erfolgreichsten Renn-, Sport- und Tourenwagen der abgelaufenen Motorsport-Saison zu bewundern. So sagte der ehemalige ADAC-Sportpräsident Wilhelm Lyding: ,Essen ist der letzte Grand Prix des Jahres".

Messe-Jubilar