Volkswagen stellt in L.A. umweltfreundliche Variante des space up! vor

Elektrisch in der City und über Land per Brennstoffzelle sollen wir in Zukunft fahren, wenn es nach den VW-Ingenieuren geht. Volkswagen zeigt auf der Los Angeles Motor Show (14. bis 25. November 2007) die Studie space up! blue. Es handelt sich um eine umweltfreundliche Version des unlängst in Tokio vorgestellten space up!. Mit seinen vier Dachfenstern erinnert das Auto an den legendären Samba-Bus der 50er-Jahre. Die Scheiben werden durch das weiße Dach betont, das sich von dem Champagnerton der übrigen Karosserie abhebt. Auch die gegenläufig angeschlagenen Butterfly-Türen sowie die Anordnung des Motors im Heck verbinden die beiden Modelle.

Elektro- statt Boxermotor
Während vor fünfzig Jahren ein Boxermotor im Heck für Vortrieb sorgte, arbeiten im space up! blue eine Hochtemperatur-Brennstoffzelle und zwölf Lithium-Ionen-Batterien. Sie treiben einen 61 PS starken Elektromotor an, der ein maximales Drehmoment von 120 Newtonmeter erzeugt. So motorisiert, erreicht der space up! blue eine Höchstgeschwindigkeit von immerhin 120 km/h. Den Sprint auf Tempo 100 erledigt er in 13,7 Sekunden. Wird der Elektromotor allein per Batterie betrieben, sind Reichweiten um die 100 Kilometer möglich. Zum Vergleich: Die meisten Hybridautos können nicht weiter als zwei Kilometer rein elektrisch fahren – dann ist die Batterie so leer, dass sich der Verbrennungsmotor wieder zuschalten muss.

Steckdose oder Wasserstoff
Für die meisten Berufspendler müssten 100 Kilometer am Tag reichen. Wenn eine größere Reichweite erforderlich ist, zum Beispiel für den Wochenendausflug, muss entweder Strom an der Steckdose getankt werden, oder die Brennstoffzelle in Aktion treten. Sie liefert eine Leistung von zwölf Kilowatt oder 16 PS und nutzt Wasserstoff zur Gewinnung elektrischer Energie. Zwei im Unterboden integrierte Tanks speichern bis zu 3,3 Kilo von dem komprimierten Energieträger. Das reicht, um die Reichweite um 250 auf 350 Kilometer zu vergrößern.

Brennstoffzellen-Spezialität
Bei der Brennstoffzelle handelt sich um die so genannte Hochtemperatur-Zelle (HT-BZ), die VW bereits vor einem Jahr vorgestellt hat. Diese Zelle muss nicht so stark gekühlt werden wie eine konventionelle Niedrigtemperatur-Zelle. Bis zu 160 Grad Celsius darf die HT-BZ heiß werden. Für den Fahrzeugbetrieb ist allerdings nur eine Temperatur von 120 Grad vorgesehen. Während Niedrigtemperatur-Zellen oft befeuchtet werden müssen, ist dies bei der HT-BZ nicht nötig. Die hohe Betriebstemperatur und der Wegfall einer Befeuchtungsanlage senken Gewicht und Raumbedarf, erhöhen die Alltagstauglichkeit – und auch der Preis ist niedriger. Möglich wurde die HT-BZ durch eine neue Hochtemperatur-Mem­bran und speziell auf diese Membran abgestimmte Elektroden. Entwickelt wurde die Brennstoffzelle in einem eigens errichteten VW-Forschungszentrum. Unabhängig von der Brennstoffzelle nutzt der Kleinstwagen-Van eine weitere Energiequelle: die Sonne. Ein großes Solarpanel auf dem Dach liefert bis zu 150 Watt, die ebenfalls in die Batterie eingespeist werden.

Dritte up!-Variante
Mit der in Los Angeles gezeigten Studie stellt VW die dritte Variante des space up! vor. Wie der auf der IAA in Frankfurt gezeigte Kleinstwagen up! und der auf der Tokyo Motor Show vorgestellte Kleinstwagen-Van space up! ist auch der space up! blue ein kleines Raumwunder. Auf einer Länge von nur 3,68 Meter soll er das Innenraumvolumen eines deutlich größeren Fahrzeugs bieten. Trotz Brennstoffzelle und Batterien wiegt der space up! blue nur 1.090 Kilo. Der Elektromotor arbeitet – wie einst beim Käfer und beim Bulli – im Heck. Ebenfalls im Heck, und zwar unter der Fondsitzbank, befinden sich die Batterien. Die Brennstoffzelle ist dagegen im Vorderwagen angeordnet.

Innen wie der space up!
Durch den vergleichsweise geringen Platzbedarf der neuen Technik wird das Innenraum­angebot gegenüber einem Fahrzeug mit normalem Verbrennungsmotor nicht eingeschränkt. Der space up! blue ist wie der space up! ein Viersitzer. Bis auf den Fahrersitz können alle Sitze umgeklappt oder auch ausgebaut werden. Beschränkt man sich aufs Umklappen, entsteht wie beim space up! eine ebene Ladefläche und ein Kofferraum von 1.005 Liter Volumen. In viersitziger Konfiguration beträgt der Stauraum noch 220 Liter. Ob und wann ein Auto wie der space up! blue in Serie gehen könnte, ist noch offen. Doch nach den Vorstellungen der VW-Ingenieure könnten erste Forschungsfahrzeuge schon 2010 mit Brennstoffzellenantrieb fahren, während ein Serieneinsatz erst im Jahr 2020 möglich werden könnte.

Brennstoffzellen-Zukunft