Wolfsburger präsentieren in Shanghai sechs innovative Antriebssysteme

Volkswagen forciert die Erforschung und Entwicklung umweltfreundlicher Antriebstechnologien. Der Automobilhersteller zeigt nun im chinesischen Shanghai sechs neue umweltfreundliche Serien- und Forschungsfahrzeuge. Zwei der Prototypen sind Weltpremieren: der Tiguan HyMotion und die Zero-Emission-Version des für China konzipierten Passat Lingyu – die Energie für ihre Elektromotoren erzeugt in beiden Fällen eine Brennstoffzelle. Anlass für die Präsentationen ist die Challenge Bibendum 2007. Dabei handelt es sich um einen vom Reifenhersteller Michelin durchgeführten Wettbewerb für besonders umweltfreundliche Fahrzeuge.

Tiguan HyMotion mit Brennstoffzelle
Nur kurze Zeit nach Vorstellung der Tiguan- Serienversion mit konventionellen Motoren ist das erste Forschungsfahrzeug mit Brennstoffzelle fertig: der Tiguan HyMotion. Sein Brennstoffzellensystem mit einer Gesamtleistung von 80 Kilowatt wurde im Motorraum integriert. Hier arbeitet auch der Elektroantrieb. Er entwickelt eine Maximalleistung von 136 PS. Die Höchstgeschwindigkeit soll 150 km/h betragen, die Beschleunigung von 0-100 km/h rund 14 Sekunden.

Lithium-Ionen-Batterie als Energiespeicher
Als zusätzlicher Energiespeicher dient eine Lithium-Ionen-Batterie. Aufgeladen wird die Batterie über die zurückgewonnene Bremsenergie – auch Rekuperation genannt – oder die Brennstoffzelle. Eingebaut ist das Batteriesystem im Kofferraum, unterhalb des im Serien-Tiguan erhältlichen doppelten Ladebodens. Im Bereich unterhalb der Rückbank und des Kofferraums wurde der Wasserstofftank integriert. Er nimmt 3,2 Kilogramm Wasserstoff auf. Das Innenraumangebot wird durch das Brennstoffzellen-Antriebssystem nicht eingeschränkt.

Passat Lingyu mit Brennstoffzelle
Ein weitere Neuentwicklung ist die Zero-Emission-Version des Passat Lingyu. Seine Wasserstoff-Brennstoffzelle treibt einen 120 PS starken Elektromotor an. Die Brennstoffzelle des Passat Lingyu befindet sich im Wagenboden. Das Brennstoffzellensystem entwickelt eine Spitzenleistung von 55 Kilowatt. Die bei der Umwandlung von Wasserstoff in Wasser (H2O) gewonnene Energie wird in eine Lithium-Ionen-Batterie eingespeist. Sie befindet sich unterhalb der Rücksitzbank. Der gasförmige Wasserstoff wird in einem kohlefaserverstärkten Drucktank mitgeführt.

Elektroantrieb mit 210 Newtonmeter
Der Elektroantrieb entwickelt laut VW ein Drehmoment von immerhin 210 Newtonmeter. Auf der angetriebenen Vorderachse angeordnet, soll der Motor in 15 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen und eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erreichen. Bei schneller Beschleunigung wirkt die Lithium-Ionen-Batterie unterstützend. Wird der Passat Lingyu gebremst, fließt Energie zurück in die Batterie. Entwickelt wurde der Prototyp des Passat Lingyu gemeinsam mit der Tongji-Universität, die 1907 von Deutschen als Medizinschule gegründet wurde und heute zu den renommiertesten Hochschulen Chinas zählt.

Jetta BlueTDI mit NOx-Speicherkat
Ebenfalls an der Challenge Bibendum 2007 nimmt der neue Jetta BlueTDI teil – unter seiner Motorhaube soll der sauberste Diesel der Welt arbeiten. Dies wird durch eine starke Reduzierung der Stickoxide erreicht. Die Ingenieure aus Wolfsburg erreichen dieses Ziel durch innermotorische Maßnahmen und neue Katalysator-Technologien. Bis zu 90 Prozent weniger Stickoxide (NOx) sollen das Ergebnis sein. Wie solch ein BlueTDI aufgebaut ist und wie er sich fährt, demonstriert Volkswagen am Beispiel eines Vierzylinder-Common-Rail-TDI mit NOx-Speicherkat. Er ist im Jetta als eine von vielen Abgasmaßnahmen vorgesehen.

US-Emissionsstandard wird erfüllt
Die Kombination Jetta und BlueTDI ist kein Zufall: Technologiepakete diesen Zuschnitts werden zur Zeit für den Einsatz in den USA erprobt. Hintergrund sind die in einigen Bundesstaaten der USA – zum Beispiel in Kalifornien – geltenden Abgasgesetze mit der so genannten Norm ,LEV2", die zu den strengsten weltweit gehören. Der Jetta BlueTDI wird den Emissionsstandard für alle US-Staaten erfüllen.

Passat TSI EcoFuel mit Erdgas-Twincharger
Ein weiterer Prototyp in Shanghai ist der mit Kompressor und Turbo aufgeladene Passat TSI EcoFuel mit 150 PS. Betrieben wird dieser mit Erdgas. Er soll laut Hersteller nicht nur sauber und sparsam sein, sondern auch richtig Spaß machen. Außerdem feiert auf der Challenge der in Europa bereits erhältliche Passat BlueMotion seine China-Premiere. Der 105 PS starke TDI lässt den Passat mit 5,1 Litern Diesel auskommen.

Verbrennungsmotor von morgen
Mit dem Touran CCS (Combined Combustion System) ist in Shanghai noch ein Verbrennungsmotor von morgen zu sehen. Er soll die Vorteile von Benziner und Diesel in einem neuen Aggregat vereinen. Betankt mit synthetischen Kraftstoffen wie Sun Fuel – einem Treibstoff, der aus Biomasse gewonnen wird – soll dieser Motor nahezu CO2-neutral arbeiten. Kraftstoffarten wie Sun Fuel könnten daher zu einer der Energiequellen der Zukunft avancieren.

Jährlich stattfindender Wettbewerb
Die Challenge Bibendum für besonders umweltfreundliche Fahrzeuge gibt es seit 1998 und findet jährlich in einem anderen Land statt. So wurde der Wettbewerb 2006 in der französischen Hauptstadt Paris und 2005 im japanischen Kyoto ausgetragen. Auch in Deutschland gastierte die Challenge bereits, im Jahr 2002 in Heidelberg.

Bildergalerie: Tiguan mit Brennstoffzelle