E-Mobile sind als künftige Antriebsalternative auf dem Vormarsch

Emissionsfrei, leise, effizient und dank hoher Drehmomente sogar lustvoll Auto fahren – ein theoretisch genialer Spagat. Was vielen vielleicht noch nach ferner Zukunftsmusik erscheinen mag, ist praktisch bereits ein Stück weit Realität. Einige Neuerscheinungen und Vorankündigen von Elektroautos können dank modernster Akku-Technik mit den eingangs erwähnten Eigenschaften aufwarten. Und damit könnte das Stromauto eine attraktive und umweltschonende Mobilitäts-Alternative der Zukunft werden. Im Folgenden stellen wir Ihnen eine Reihe neuer Stromfahrzeuge und deren beeindruckendes Leistungspotenzial vor.

Eine Wiedergeburt
Völlig neu sind die sauberen Batterie-Boliden übrigens nicht. Bereits zur Pionierzeit des Autobaus – um 1900 – haben Strom-Sportler Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt und damit ihre zwischenzeitliche Überlegenheit gegenüber dem Benzinmotor demonstriert. Doch nur wenige Jahre später befand sich der Ottomotor auf der Überholspur und ließ Hersteller wie Grunnell oder Krieger im Abgasnebel der automobilen Geschichte zurück. Vor allem die relativ geringen Reichweiten, die langen und komplizierten Ladevorgänge und eine kurze Haltbarkeit der teuren Akkus beförderten den Elektroantrieb ins Abseits. Diese Probleme haben sich dank neuer Entwicklungen in der Batterie-Technologie deutlich verringert. Eine Reihe von Herstellern fährt deshalb mit modernen E-Fahrzeugen zunehmend selbstbewusster gegen den Strom.

Flotter Tesla Roaster
Ein eindrucksvolles Beispiel für das Potenzial der Elektroautos und zudem bereits zu kaufen ist der Tesla Roadster aus Kalifornien. Basis für den Spaß-Stromer ist das Lust-Leichtgewicht Lotus Elise. Doch werkelt im Heck kein drehfreudiger Vierzylinder. Für Vortrieb sorgt statt dessen ein 248-PS-Elektromotor, der von 6.831 Lithium-Ionen-Akkus mit Energie versorgt wird. Dieses Energiebündel wuchtet den Zweisitzer in 4,1 Sekunden auf Tempo 100 und macht ihn maximal 210 km/h schnell. 400 Kilometer Reichweite und eine dreistündige Steckdosen-Wiederaufladung schränken jedoch die Alltagstauglichkeit im Vergleich zu herkömmlichen Benzinmodellen ein. Beeindruckend ist dafür die Effizienz: Laut Tesla liegt der Verbrauch umgerechnet auf Benzin bei nur 1,74 Liter pro 100 Kilometer im Stadtverkehr. Und diese 100 Kilometer verursachen in den USA nur rund 65 Eurocent an Energiekosten. Wesentlich höhere Kosten fallen allerdings bei der Anschaffung an: 70.000 Euro verlangt Tesla für seinen exklusiven Sauber-Sportwagen. Trotz des hohen Preises ist das 2007er-Kontingent nach Aussage des Herstellers bereits verkauft. Wer sich den Roadster jetzt ordert, muss also etwas Geduld mitbringen. Tesla-Chef Martin Eberhard ist von seinem Antriebs-Konzept übrigens derart überzeugt, dass er bereits für 2009 die Produktion eines viersitzigen Modells namens White Star ankündigt.

E-Roadster von Venturi
Die Idee einer Watt-Flunder wie dem Tesla Roadster ist übrigens nicht ganz neu. Ein ähnliches Fahrzeug hat 2004 die in Monaco ansässige Firma Venturi mit dem Fetish in Kleinstserie aufgelegt. Für den Preis von knapp 300.000 Euro bieten sie ein zweisitziges Cabriolet, das ebenfalls ausschließlich von einem Elektromotor angetrieben wird. Das Aggregat des futuristischen Franzosen leistet etwa 300 PS und beschleunigt den Sportler in fünf Sekunden auf Tempo 100. Der Vortrieb endet bei 160 km/h. Auch bei der Reichweite fährt der Venturi mit 250 Kilometern dem Tesla hinterher. Dafür lässt sich der Fetish mit einem externen Schnellladegerät innerhalb von nur einer Stunde wieder aufladen. Mit dem serienmäßigen On-Board-Ladegerät dauert dieser Vorgang an der Steckdose hingegen 3,5 Stunden. Die Betriebskosten sind ebenfalls sehr gering: Venturi rechnet vor, dass 100 Kilometer im Fetish nur 61 Eurocent Stromkosten verursachen.

Venturi Solarmobile
Sogar vollkommen kostenfrei fährt der erstmals von Venturi auf dem Pariser Autosalon 2006 vorgestellte Eclectic. Der nach allen Seiten offene, skurril anmutende Dreisitzer kann allein mit der Energie von Sonne und Wind angetrieben werden. Eine Fotovoltaikanlage und eine Windturbine auf dem Dach laden die Nickel-Metall-Hybrid-Batterien für maximal 15 Kilometer auf. Alternativ lassen sich die Akkus nach fünf Stunden an der Steckdose für immerhin 50 Kilometer aufladen. Das zunächst auf 200 Fahrzeuge limitierte Öko-Mobil kostet mit 24.000 Euro vergleichsweise wenig, ist dafür aber auch kein Spaßmobil und seine Alltagstauglichkeit zudem gering. Alternativ bietet Ventrui neuerdings den 92.000 Euro teuren Astrolab an. Das nur 200 Kilo schwere Solarmobil fährt bis zu 120 Sachen schnell und 100 Kilometer weit.

Kleiner Stromer von Subaru
Wiederum alltagstauglicher, doch wenig spaßbetont ist ein Elektromobil von Subaru. Der R1e basiert auf dem japanischen Kleinwagen R1. Doch statt eines Benzinmotors sorgt hier ein 40 Kilowatt starker Elektromotor für Vortrieb. Die Batterien sollen für den täglichen Stadtverkehr ausreichend Reichweite bieten. Ein neues Hochgeschwindigkeits-Ladegerät kann die Stromspeicher in nur 15 Minuten bis zu 80 Prozent aufladen. Bereits zehn Erprobungsfahrzeuge sind in Japan unterwegs. Eine baldige Markt­einführung ist geplant, doch gibt es von Subaru keine konkrete Zeitangabe.

ZAP kündigt Revolutionäres an
Doch kehren wir von Japan noch einmal zurück nach Kalifornien. Neben Tesla bemühen sich dort weitere Firmen um die Zukunft des E-Mobils. So der Elektroauto-Händler ZAP. (Das Namenskürzel ZAP steht für Zero Air Pollution, was Nullluftverschmutzung heißt.). Mit dem ZAP-X haben die Amerikaner ein vielversprechendes Projekt auf Lotus-Basis ankündigt. Den 2006 als Kompaktvan-Studie vorgestellten Lotus APX will ZAP mit neuartigen Radnaben-Elektromotoren ausrüsten. Sie sollen zusammen 644 PS leisten und den Wagen bis zu 250 km/h schnell machen. Trotz der guten Fahrleistungen ermöglicht ein Hightech-Akku-Paket 560 Kilometer Reichweite. Mehr noch: Nach nur zehn Minuten Steckdosen-Ladezeit ist der Energiespeicher wieder randvoll. Sofern diese Angaben stimmen, darf der Hersteller zurecht behaupten, das fortschrittlichste, alltagstauglichste und attraktivste Elektromobil überhaupt anbieten zu können. Allerdings gibt es von ZAP über den Marktstart und den Preis noch keine Informationen.

Velozzi baut einen E-Ferrari
Noch beeindruckender sind die Fahrwerte eines Elektromobils namens Velozzi. Den optisch stark an einen Ferrari angelehnten Sportwagen will ein gleichnamiger Spezialist für alternative Energien aus Kalifornien auf die Räder stellen. Der rote Renner mit einer Leichtbaukarosserie soll mit seinem Elektroantrieb in drei Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sprinten und eine Höchstgeschwindigkeit jenseits der 320 km/h erreichen. Trotz dieser atemberaubenden Werte ist ein Serienbau des Velozzi nicht angedacht. Vielmehr wollen die Amerikaner das Machbare demonstrieren, um damit bei der Autoindustrie mehr Interesse an neuen technischen Lösungen zu wecken.

General Motors könnte ernst machen
Bei den großen Autoherstellern ist beim Thema Elektromobil derzeit nämlich nur wenig in Bewegung. Zwar wurden in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Hybrid-Modellen und Brennsstoffzellen-Versuchsfahrzeugen präsentiert, die teilweise oder ganz von Elektromotoren angetrieben werden. Doch das Plug-in-Elektroauto, also das Fahrzeug, dessen Batterien an einer Steckdose aufgeladen werden können, hat in ihren Zukunftsplänen bislang wenig Platz. Immerhin zeigte der größte Autohersteller, General Motors, mit dem Volt Anfang 2007 eine Studie, die als Basis für verschiedene Hybrid-Antriebskonzepte dienen könnte, primär jedoch von Elektromotoren angetrieben wird. So ist der Volt an der Steckdose aufladbar. Das im Mitteltunnel untergebrachte Lithium-Ionen-Paket ist nach sechs Stunden wieder voll geladen. Damit kann der bis zu 200 km/h schnelle Viersitzer maximal 60 Kilometer weit fahren. GM räumte bei der Präsentation ein, dass für eine höhere Alltagstauglichkeit ein moderneres Akku-Paket nötig wäre, um größere Reichweiten zu erreichen. Man hofft bei GM, dass zwischen 2010 und 2012 ein solcher Stromspeicher zur Verfügung stehen könnte. Den entwickelt GM jedoch nicht selbst. Ist die Technik serienreif und bezahlbar, sieht man bei General Motors jedoch gute Chancen für eine Serienfertigung des Volt. Zusätzlich könnte der Viersitzer dann mit einer Brennstoffzelle, mit einem Benzin- oder mit einem Dieselmotor ausgestattet werden. Dieser würde dann als On-Board-Kraftwerk während der Fahrt die Energie zum Betrieb der Elektromotoren liefern können oder alternativ im Stand die Akkus aufladen.

Derzeit ist viel in Bewegung
Die Zukunft des Elektromobils wird in den nächsten Jahren sicherlich sehr spannend werden. Die großen Autohersteller haben bislang jedoch nur wenig Konkretes auf die Räder gestellt. Dafür bemühen sich andere Firmen um eine dynamischere Zukunft rein elektrisch getriebener Fahrzeuge. Vor allem wenn starke Akkus weniger kosten, wird vieles möglich. Es sieht also durchaus so aus, als würden wir in Zukunft häufiger über neue E-Mobile berichten.

Stark mit Strom