Intensives Opel-Fahrtraining mit echten Könnern

Der Asphalt flimmert, der Steilhangkreis neigt sich um 38 Grad. Wir donnern in einer Kolonne aus Opel-Corsa-OPC- und Astra-OPC-Modellen ums Rund. Ab 210 km/h können wir theoretisch das Lenkrad loslassen – der mit Abstand entspannendste Teil unseres Trainings-Tages. Ansonsten sitzt uns FIA-GT-Fahrer und OPC-Trainer Sascha Bert im Pelz – und der hat den Ehrgeiz, dass wir richtig was lernen ...

Hinterrad im Blick
Gleich zum Anfang schickt uns Bert in einen Slalomkurs. Wir wedeln fröhlich um die neu glänzenden Kegel. Ein Hütchen nach dem anderen wird umgeschmissen, weggekickt, überfahren. Immer wieder tönt es aus unserem Funkgerät, dass wir uns die Kegel als Eisenstangen vorstellen sollen – es hilft nichts. Außerdem gibt uns Sascha den Hinweis, dass quietschende Räder ein Zeichen für zu heftiges Einlenken und damit verbunden schlechten Grip sind. Unser Wagen quietscht wie die Hölle. Klar, in der Kurve lastet das Gewicht des Wagens zu einem großen Teil auf dem kurvenäußeren Vorderrad, dessen Handteller-große Auflagefläche dann für Grip sorgen muss. Wir bekommen den Tipp, so zu fahren, dass unser Hinterrad immer knapp am Kegel vorbeiflitzt. Schon läuft alles viel besser, die Lenkbewegungen werden ruhiger und die mit unseren Reifenabdrücken tätowierten Kegel fallen deutlich seltener.

Richtig sitzen
Bevor es jetzt auf den 4,8 Kilometer langen Steilwandrundkurs geht, lernen wir noch, wie man richtig im Auto sitzt. Lässig weit weg vom Lenkrad, sodass man sich beim Einlenken nach vorne beugen muss – falscher geht es kaum. Wir müssen den rechten Arm über dem Volant ausstrecken, dann muss unser Handgelenk oben auf dem Lenkradkranz aufliegen. Wenn gleichzeitig die rechte Schulter die Rücklehne des Sitzes berührt, haben wir die für Handling und Sicherheit optimale Haltung. Wir sitzen also relativ nahe am Lenkrad und fahren in einer aufrechten Position. Beim Lenken sollen wir uns auch noch ein wenig vom Lenkrad wegdrücken, sodass wir immer gut in den Sitz gepresst dessen Seitenführung nutzen können.

Richtig gucken
Genauso wichtig wie die richtige Sitzposition ist der Blick des Fahrers. Eigentlich ist es ganz einfach und doch gehört Übung dazu: Immer dahin gucken, wohin die Reise gehen soll. Nicht auf den Slalom-Kegel gucken, sondern daneben. Nicht auf den plötzlich in die Mittelspur scherenden Blumenlaster starren, sondern auf die Ausweichstelle auf der linken Spur – sonst geht's gegen das Hindernis. Das Gleiche gilt für die dreispurige Steilwand: immer den Blick Richtung Fahrbahnstreifen im Kurveninneren lenken. Soviel zur Theorie.

Unter Opels Zukunft
Auf der Steilwand herrscht munteres Treiben: Getarnte Opel Astras und Merivas zischen an uns vorbei und auch der ein oder andere ungetarnte Insignia – wobei wir sehen, dass der Vectra Nachfolger auch in flotter Fahrt eine gute Figur macht. Wir fahren in disziplinierter Acht-Wagen-Kolonne auf den Kurs, steigern langsam unsere Geschwindigkeit. Unten am Rand steht noch ein Insignia-Erlkönig mit orange blinkender Rundumleuchte. ,Niedlich" schießt es uns durch den Kopf, während die Tachonadel unseres Corsa OPC über die 180-km/h-Marke zieht. Auf einmal bittet uns Bert aus seinem vornweg fahrenden Auto über Funk, doch unser Licht einzuschalten, das sei hier Pflicht. Er hätte vom Fahrbahnrand Zeichen bekommen, dass einige von uns unbeleuchtet unterwegs seien. Da hat jemand Zeichen gegeben? Na wird schon stimmen. Bei laut Streckenanzeige echten 210 km/h könnten wir tatsächlich das Lenkrad loslassen und stundenlang im Kreis fahren – wir trauen uns das nur für Sekundenbruchteile, aber es funktioniert.

Traumjob Testfahrer?
Kurz nach der High-Speed-Fahrt zieht uns Bert noch einen Zahn und klärt uns kurz über den Alltag eines Testfahrers auf: Auf dem Opel-Prüffeld wird 24 Stunden am Tag getestet – 40.000 Kilometer werden pro Tag abgeschrubbt. Kommt vom Schichtleiter die Ansage: ,Heute mal acht Stunden 250-km/h-Dauertest.", geht es für acht Stunden auf das Rund – eine eintönige und somit mental belastende Arbeit. Acht Stunden Rüttelstrecke sind dagegen ein echter Knochenjob. Wer Testfahrer werden will, sollte sich also auf eine geistig und körperlich anstrengende Arbeit einstellen. Apropos Rüttelstrecke: Opel hat unter enormem finanziellen Aufwand Schlaglochpisten aus Deutschland eins zu eins nachgebaut, um die Fahrwerke der neuen Modelle so realitätsnah wie möglich zu testen. Auch eine Kopfsteinpflaster-Strecke, deren Original in der Nähe von Darmstadt liegt, wartet auf die unschuldigen Reifen von Neuwagen.

Mut zum Bremsschlag?
,Acht von zehn Autofahrern können nicht richtig bremsen.", sagt Sascha Bert lakonisch. Klingt arrogant und wir können uns das nur schwer vorstellen. Also probieren wir es aus: Es gilt aus 100 km/h abzubremsen und dabei eine kleine Kegel-Barriere zu umschiffen. Wir fahren auf das Hindernis zu, gucken schön rechts vorbei zu der Stelle, zu der wir ausweichen wollen, bremsen und tuckern gemütlich um das Hindernis rum. Ein wenig erbost tönt es aus unserem Walkie-Talkie: ,Ihr habt das Bremspedal nicht mal angeschaut – Ihr sollt bremsen." Gut, wir gehören also zu den acht von zehn, Bert hat Recht gehabt. Beim nächsten Versuch hauen wir voll in die Eisen und lenken ganz sanft mit minimalem Einschlag am Hindernis vorbei. Bert ist begeistert, lobt uns. Diese ,Böser-Bulle-guter-Bulle"-Nummer zieht er den ganzen Tag durch – und er hat Erfolg damit. Wir werden mit jeder Station besser, lernen wirklich was.

400-Meter-Handling
Nun geht es daran, das Gelernte in der Praxis umzusetzen. Ein kleiner Handling-Kurs wartet auf uns. Laut Sascha ist die Strecke ohne jegliche Herausforderungen, beinahe unter Vollgas zu meistern. Wir konzentrieren uns auf das Gelernte, lassen uns von der Wettkampf-Situation unter Druck setzten – und finden den Kurs einfach nur fies. Zum richtigen Zeitpunkt richtig bremsen, einlenken und beschleunigen ist eine hohe Kunst, die viel Übung erfordert. Bert reißt den Kurs beinahe zwei Sekunden schneller ab als wir – auf 400 Metern Gesamtstrecke.

Krönender Abschluss
Zum Schluss dürfen wir auf eine kleine Rennstrecke, 900 Meter lang. Viele enge Kurven mit sich schließenden und öffnenden Radien warten auf uns – und Manuel Reuter. Der zweimalige 24-Stunden-von-Le-Mans-Sieger gibt uns ein paar Tipps, weist uns auf die Fähigkeiten der OCP-Elektronik hin. Das Auto kann immer mehr, der Mensch fährt aber wie eh und je. Und die Energie bei 200 km/h ist heute wie vor 20 Jahren die gleiche. Schon beschleicht uns ein schlechtes Gewissen, weil wir auf der Autobahn nicht gerade schleichen. Auf den Kurs selbst müssen wir einzeln, immer hinter Sascha Bert, der den Hasen spielt. Den Hasen bekommen wir natürlich nie ein, während Sascha locker über den Asphalt schlängelt, quietschen wir hinterher. Dann dürfen wir bei Manuel mitfahren. Der stellt alle Helferlein ab und lässt es krachen. Seine Lenkbewegungen sind minimal, den Rest der Steuerung macht er mit Gas und Bremse. Das Auto kann das. Ehe der Fahrer das kann, heißt es üben, üben, üben.

Spaß und Training für jedermann
OPC steht für ,Opel Performance Center". Und ins Herz dieses Centers fahren wir uns beim OPC-Training. Sportliche Fahrzeuge, der Corsa OPC ist vielleicht der agilste Kleinwagen am Serienmarkt, Training mit praxistauglichen Geschwindigkeiten unter verantwortungsbewussten Spitzenrennfahrern – das hinterlässt Kenntnisse und Eindruck. Zu haben ist so ein Kurs für jeden, die Autos werden von Opel zur Verfügung gestellt. Der Preis von 480 Euro pro Teilnehmer geht dabei mehr als in Ordnung. Anmelden können sich Interessenten im Internet unter www.opel-opc.de, dort sind auch alle noch verfügbaren Termine aufgelistet. Zum Schluss bekommen wir ein Zertifikat über unsere erfolgreiche Teilnahme und ein Datenblatt mit unserer Rennstrecken-Runde im Vergleich zu Manuel Reuters Geschwindigkeiten und Zeiten. Schmunzelnd und mit ein bisschen Ehrgeiz sehen wir den gigantischen Unterschied, die Sekunden, die ein Profi-Fahrer einem Normalbürger schon auf kurzen Distanzen aufbrummt. Sascha Bert bedankt sich bei uns, schließlich haben wir alle Autos heil gelassen – aber eins ist klar: Wir haben zu danken.

Immer ruhig bleiben