Wir haben dem Herausforderer Peugeot beim Rennen über die Schulter geschaut

Die Vorbereitungen für den Klassiker der Autorennen, die 24 Stunden von Le Mans, liefen für Audi-Herausforderer Peugeot besser als das Rennen: Beim Start am Samstag, den 14. Juni 2008 um 15 Uhr, stürmten gleich drei Peugeot an der Spitze davon: Das Team hatte sich im Qualifying nicht nur die Pole-Position gesichert, sondern auch die Startplätze zwei und drei. Am Steuer des Peugeot 908 HDi FAP mit der Startnummer ,8" fuhr Stéphane Sarrazin bereits im ersten Zeittraining am Mittwoch die Bestzeit, die in der zweiten Sitzung am Donnerstagabend nicht mehr unterboten wurde. Der Franzose hatte bereits im Vorjahr für die Löwen-Marke den ersten Startplatz erobert. Getriebeprobleme und vor allem der in der Nacht einsetzende Regen setzten dem Peugeot-Team jedoch zu: Die Audi R10 TDI waren besser abgestimmt und fuhren nun schneller. Auch beim Spritverbrauch punktete Audi: Die Peugot-Rennwagen – mit rund 700 PS etwa gleich stark wie die Audis – verbrauchten mehr Sprit und mussten daher ein paar Mal öfter zum Tanken an die Box.

Audi weiter ungeschlagen
Und so blieb Audi weiter ungeschlagen: Auch bei seinem dritten Einsatz gewann der R10 TDI den französischen Langstrecken-Klassiker. Dindo Capello (Italien), Tom Kristensen (Dänemark) und Allan McNish (Schottland) am Steuer des Audi R10 TDI mit der Startnummer 2 gewannen das Rennen.

Packendes Duell Audi-Peugeot
Das mit Spannung erwartete Duell zwischen Audi und Peugeot hielt, was es versprach: Vor einer Rekordkulisse von 258.500 Zuschauern lieferten sich die beiden Automobilhersteller mit ihren Diesel-Sportwagen einen packenden Schlagabtausch, den die Ingolstädter am Ende mit einem Vorsprung von 4.31 Minuten für sich entschieden. Nachdem es in Le Mans zu regnen begonnen hatte, übernahmen Capello, Kristensen und McNish um 5:17 Uhr die Führung und gaben diese bis zum Ziel um 15 Uhr nicht mehr ab.

Rekordsieger: Tom Kristensen
Für den Schotten Allan McNish war es der zweite Le Mans-Sieg nach 1998 und der Erste mit Audi. Der Däne Tom Kristensen baute seinen Rekord auf acht Le Mans-Siege aus. Der Italiener Dindo Capello siegte nach 2003 und 2004 zum dritten Mal. Für das Audi Sport Team Joest war es mit dem Audi R10 TDI der dritte Sieg in Folge. Damit gelang zum zweiten Mal nach 2000, 2001 und 2002 der Hattrick: drei Le Mans-Siege mit demselben Team. Der Le Mans-Wanderpokal geht damit in den Besitz der Audi AG über.

Jacques Villeneuve auf Platz zwei
Der Peugeot 908 HDi FAP mit der Startnummer ,7" von Marc Gené, Nicolas Minassian und Jacques Villeneuve hatte nach fast 5.200 Kilometern Renndistanz immerhin nur viereinhalb Minuten Rückstand auf die Sieger. Das Schwesterauto mit der Nummer ,9" kam als Dritter beim Langstreckenklassiker ebenfalls auf das Podium. Der dritte Peugeot 908 HDi FAP mit Pedro Lamy, Stephane Sarrazin und Alexander Wurz belegte Rang fünf.

Audi mit Kupplungsproblemen
Die beiden anderen Audi R10 TDI kamen auf den Plätzen vier und sechs ins Ziel. Die "Youngsters" Lucas Luhr, Alexandre Prémat und Mike Rockenfeller hatten bis kurz vor Rennende eine Chance auf einen Podiumsplatz und lagen zeitweise auf Platz drei. In der vorletzten Stunde musste jedoch der Ölfilter des V12 TDI-Motors gewechselt werden. Pech hatten auch Frank Biela, Emanuele Pirro und Marco Werner: Die Sieger der Jahre 2006 und 2007 verloren die Chance auf ein besseres Ergebnis am Sonntagmorgen durch einen Kupplungswechsel infolge eines Drehers und des anschließenden Anfahrens im zweiten Gang.

Audi seit 2000 in Le Mans ungeschlagen
Beim zehnten Einsatz hat Audi die 24 Stunden von Le Mans zum achten Mal gewonnen. Seit 2000 ist Audi Technologie in Le Mans ungeschlagen. "Das war ein Erfolg der Fahrer, des Teams und der Effizienz der Audi TDI Technologie – ein Triumph der Zuverlässigkeit", erklärte Rupert Stadler, Vorsitzender des Vorstandes der Audi AG, der das Rennen in Le Mans selbst an der Box verfolgte. "Es war das spannendste Le Mans-Rennen, an das ich mich erinnern kann."

Peugeot will es 2009 wissen
,Ich gratuliere Audi zu diesem Erfolg", so Peugeot-Sportdirektor Michel Barge. ,Wir waren hier die Herausforderer und haben einen guten Kampf geliefert. Im nächsten Jahr werden wir wieder angreifen. Wir nehmen viel Positives aus diesem Rennen mit. Wir haben den Sieg nur sehr knapp verpasst und eine sehr gute Leistung gezeigt."

Porsche mit RS Spyder Klassensieger
Für Porsche hätte die Le Mans-Premiere mit dem RS Spyder nicht besser ausfallen können: Der Sportprototyp aus Weissach feierte einen Doppelsieg in der LMP2-Klasse. Nach einer fehlerfreien Fahrt ohne technische Probleme kamen Jos Verstappen, Jeroen Bleekemolen und Peter van Merksteijn (alle Niederlande) als Erste ins Ziel. Das Trio vom Team Van Merksteijn Motorsport hatte acht Runden Vorsprung auf den zweitplatzierten RS Spyder von John Nielsen, Casper Elgaard (beide Dänemark) und Porsche-Werksfahrer Sascha Maassen (Aachen). Auf den dritten Platz kam in dieser Klasse ein Pescarolo Judd.

Auch Aston Martin und Ferrari erfolgreich
In der GT1-Klasse siegte der Aston Martin DBR9 von David Brabham vor zwei Corvette C6.R. Die GT2-Klasse wurde von Ferrari beherrscht: Vier F430 GT deklassierten die konkurrierenden Porsche 997 GT3 RSR.

Daten und Fakten: 24 Stunden von Le Mans
Das 55 Fahrzeuge starke Starterfeld des 24-Stunden-Rennens von Le Mans bilden zwei unterschiedliche Sportfahrzeug-Kategorien: Sportprototypen und Seriensportwagen. Am technischen Reglement des Langstreckenklassikers orientiert sich die europäische "Le Mans Series" (LMS). Das amerikanische Pendant "American Le Mans Series" (ALMS) hat das Reglement leicht modifiziert. Dort liegen die LMP1- und die LMP2-Fahrzeuge dichter beieinander. Alle Rennwagen starten in Le Mans gleichzeitig; es gibt eine Gesamtwertung und eine Wertung der einzelnen Klassen.

Das sind die vier Klassen:
Klasse LMP1: Sportprototypen mit bis zu 750 PS und einem Mindestgewicht von 900 Kilogramm (in der ALMS: 750 PS/925 Kilogramm). Leistungsgewicht: rund 1,2 kg/PS.

Klasse LMP2: Sportprototypen mit rund 475 PS (mit Saugmotor) und 825 Kilogramm Mindestgewicht (in der ALMS: 475 PS/800 Kilogramm). Leistungsgewicht: rund 1,7 kg/PS.

Klasse GT1: Stark modifizierte Seriensportwagen mit bis zu 650 PS und einem Mindestgewicht von 1.125 bis 1.325 Kilogramm (in der ALMS: 650 PS/1.125 bis 1.325 Kilogramm).

Klasse GT2: Leicht modifizierte Seriensportwagen mit 450 bis 470 PS und einem Mindestgewicht von 1.125 bis 1.325 Kilogramm (in der ALMS: 450 bis 470 PS/1.125 bis 1.325 Kilogramm). In dieser Klasse ist der Porsche 911 GT3 RSR am Start.

Bildergalerie: Le Mans: Diesel-Duell