Ein exklusiver Rundgang durch das Werk der Sportwagenschmiede

Sant`Agata-Bolognese (Italien), 27. November 2008 – Trotz heftiger CO2-Diskussionen boomt der Markt für Supersportwagen. Das gilt vor allem für Boliden aus der Region rund um Modena. Ein Ende ist mit den jungen Absatzmärkten im Nahen und Fernen Osten nicht abzusehen. Grund genug für uns, die Produktion bei Lamborghini in Sant`Agata-Bolognese genauer anzusehen und zwar beim Topmodell, dem Murciélago LP640.

Von Hand gefertigt
In liebevoller Handarbeit entstehen hier, wo 1963 der Traktoren-Fabrikant Ferruccio Lamborghini sein Wohnhaus für eine neue Fabrikhalle abriss, jährlich um die 2.400 Sportwagen der schärfsten Sorte. Die beiden Modelle Murciélago und Gallardo werden unter einem Dach gebaut. Die Produktionslinie des LP640 unterteilt sich in etwa 20 Stationen, die u-förmig verlaufen. Wo zuerst die nackte Karosserie ankommt, wartet am benachbarten Ende des U-Bandes ein fertiger Wagen auf die Endkontrolle. Etwa einen halben Tag dauert die sehenswerte Prozedur. Ein bis drei Murciélago Coupés und Roadster werden pro Tag fertig.

Hier arbeitet eine große Familie
Während der rote Konkurrent in Maranello keinen Blick in seine Karten zulässt, ist man hier stolz auf seine Arbeit und zeigt das auch gerne. Viele der Arbeiter kommen aus der Umgebung, jeder ist irgendwie mit Lamborghini verbunden. Manche sind in zweiter Generation da und es ist keine Seltenheit, dass auch ganze Familien bei Lamborghini arbeiten. Alle Teile werden penibel eingebaut, Abdeckungen schützen den Lack. Sogar die Bremssättel tragen zum Schutz ein Häubchen.

Leder in verschiedensten Farben
Ein paar Schritte weiter befindet sich die hauseigene Sattlerei. Hier wird klar, was man unter Exklusivität versteht: Sofort stechen ausgefallene Lederfarben ins Auge, von kräftigem Grün und Pink bis zu den edlen Tönen Beige, Braun und Schwarz. Jede Farbkombination ist möglich, auch was die Nähte betrifft, die noch unter richtigen Nähmaschinen gezogen werden. Das Skelett der Sitze liefert Sparco zu, bezogen wird aber hier in Sant'Agata Bolognese. Die edlen Häute kommen aus den Nachbarländern.

Baugleicher Bruder Reventón
Wieder ein paar Schritte weiter wird das Herz der Fledermaus zusammengeschraubt, welches mittlerweile gewaltige 640 PS schlägt. Auf der gleichen Linie wie der Murciélago wird neuerdings auch der weitgehend baugleiche Bruder Reventón montiert. Der auf 20 Stück limitierte 1,2-Millionen-Euro-Bolide enthält viele gleiche Komponenten. Schade, dass nicht auch der Retro-Miura von 2006 hier vom Band läuft. Der wird wohl immer eine Studie bleiben.

Puristisch und exklusiv
Stückzahlen und Modellvielfalt sind eben nicht der Kern der Marke. Lamborghini will puristisch und exklusiv bleiben. Also gibt auch keinen Gelände-Sportwagen wie früher. Letzteres ist wohl auch sehr im Interesse von Porsche, dem neuen Hausherrn im VW-Konzern, dem über Audi auch Lamborghini angehört. Doch einen Viersitzer hat Lamborghini auf dem Pariser Autosalon 2008 gezeigt, den Estoque – eine gezielte Provokation aus Sant'Agata Bolognese?

(Text, Bilder: Bernhard Reichel)

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