Mal sehen, wie es mit dem Elektro-Sportwagen-Hersteller vorangeht

Es ist Montag. Montag ist immer geschlossen. Aber wir dürfen trotzdem rein zu Tesla. Der Hersteller des zur Zeit einzigen ernst zu nehmenden Elektro-Sportwagens residiert südlich von San Francisco in Menlo Park – die Stanford University und das Silicon Valley sind nicht weit. Hier wird der Antriebsstrang des im britischen Hethel von Lotus vormontierten Wagens eingebaut, außerdem bekommt die teure Batterie ihren ersten Saft. Der moderne Gebäudekomplex mit angeschlossenem Verkaufsraum wurde nicht von Tesla gebaut – vorher brachte hier ein Chevrolet-Händler seine Verbrennungsmotor-Wagen unters Volk. So könnte der Tesla-Spitzdach-Show-Room symbolisch für einen grundlegenden Wandel in der Automobilindustrie stehen.

Randvolle Auftragsbücher – auch aus Deutschland
"Nicht berühren"-Schilder kleben an den Scheiben der im Ausstellungsraum wartenden Roadster. Mindestens zehn Wagen stehen hier, alle nach Kundenwunsch gefertigt, alle abholbereit. Die Käufer nehmen den Wagen mit, wenn sie mal Zeit haben, was bis zu einer Woche dauern kann. Nichts im Vergleich zur Wartezeit eines Neukunden: Ein Jahr muss dieser sich gedulden, bevor er seinen Elektrorenner bekommt. So werden bald gebrauchte Tesla Roadster teurer sein als neue. Bisher wurden 80 Wagen ausgeliefert, am Ende des Jahres ist die 100 locker geschafft. Vorbestellt sind bereits über 1.000 der elektrischen Renner. Die ab März 2009 in Europa verfügbare Prime-Edition ist noch nicht komplett ausverkauft, die meisten Bestellungen liegen aus Deutschland und Großbritannien vor. Viele Europäer ordern ihren Tesla, wenn sie geschäftlich in der Gegend zu tun haben.

Hinter der Show
Ein kleiner Flur verbindet den Show Room mit dem hinteren Bereich des Tesla-Gebäudes. Dort wird der Antrieb in die Wagen gebaut, die Batterie geladen und diverse Service-Arbeiten werden erledigt. Ein Journalist darf hier normalerweise nicht rein, zumal dort ab und zu auch Prototypen zu Gast sind und diverse Entwicklungsprojekte vorangetrieben werden. Wir erklären, dass wir extra aus Deutschland gekommen sind und die Tesla-Verantwortlichen haben nach ein paar Telefonaten mit unbekannten Stellen ein Einsehen: Wir dürfen in die heiligen Hallen der Endmontage. Dort stehen wieder jede Menge Roadster, viele mit lustigen bunten Hütchen, die für den jeweiligen Ausbau-Status stehen. Ein orangefarbener Tesla gähnt mit geöffneter Motorhaube: Das Heck des Wagens ist leer, Motor und Batterie fehlen noch. Die Montage mittels eines speziellen Hebegerätes dauert fünf Stunden. Dann bekommt der Wagen an einer Schnellade-Station seine Energie und ist bereit für die Welt da draußen.

Finanziell besser als dargestellt
Die Finanzmarkt-Krise macht auch vor Tesla nicht halt. Viel Wagniskapital ist bereits verdampft, einige Medien sehen dunkle Wolken über dem Tesla-Himmel. Die Amerikaner selbst betonen, ihnen gehe es gar nicht mal so schlecht. Volle Auftragsbücher und die Entwicklung der sportlichen viertürigen Elektro-Limousine schreite zügig voran. Dieses Fahrzeug soll nach wie vor bereits 2011 fertig sein. Der Wagen wird in L.A. unter Leitung von Teslas Designchef Franz von Holzhausen gestaltet und bis ins letzte Detail komplett bei Tesla konzipiert und gefertigt. Preislich soll er deutlich unter dem 110.000 Euro teuren Roadster liegen. Grobe und zudem geheime Detailzeichnungen des ehrgeizigen Projekts existieren schon, die Öffentlichkeit wird frühestens gegen Ende 2009 sehen können, wie Teslas zweites Modell ausschaut.

Der Chef spult Elektro-Kilometer
Teslas Chef Elon Musk fährt natürlich bevorzugt Tesla Roadster. Am Firmensitz in Menlo Park wartet eine eigene Garage auf sein Gefährt, welches inzwischen schon etliche Kilometer auf dem Tacho hat. Für seine häufigen Reisen zwischen L.A. und San Francisco reicht die Batterie-Kapazität des Elektrosportlers allerdings noch nicht. Dies stört aber weder Musk noch die sonstigen Kunden: Wegen der permanenten Nachfrage werden demnächst Geschäfte in Miami und New York eröffnet. Und die Entwicklung geht weiter – wie sagt man bei Tesla so schön: "Der Verbrennungsmotor hat über 100 Jahre Entwicklung hinter sich, schauen wir mal, wie das Elektroauto in 100 Jahren aussieht."

Bildergalerie: Alles okay bei Tesla?