Volkswagen stellt neues Hybridsystem für Flottenversuch vor

Mit einem neuen Antriebssystem will Volkswagen demonstrieren, wie das Autofahren der Zukunft aussehen könnte. Der Golf TwinDrive besitzt einen neuartigen Plug-In-Hybridantrieb. Vorgestellt wurde jetzt ein erster Prototyp in Berlin von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und VW-Vorstandschef Martin Winterkorn zum Start des Projekts ,Flottenversuch Elektromobilität".

Verbrennungsmotor ergänzt den Elektromotor
Der Antrieb des Fahrzeugs sieht einen Elektro- und einen Verbrennungsmotor vor. Die Aggregate können zusammen bis zu 130 kW leisten. Welche Diesel- und Benzin-Motoren genau zum Einsatz kommen werden, steht nach Angaben von VW jedoch noch nicht fest. Während bei den bisher im Markt verfügbaren Hybridfahrzeugen – etwa Toyota Prius oder Honda Civic Hybrid – der E-Motor den Verbrennungsmotor ergänzt, ist es beim TwinDrive genau umgekehrt. Der Golf soll mit Elektrobetrieb in der Stadt emissionsfrei fahren. Der Verbrennungsmotor stellt sicher, dass außerhalb der Städte längere Strecken zurückgelegt werden können. Die jeweilige Betriebsart wählt der Golf TwinDrive automatisch. Damit folgt VW der bereits von General Motors vorgestellten E-Flex-Strategie.

Bis zu 50 Kilometer mit Batterie
Im Elektrobetrieb soll das Fahrzeug rund 50 Kilometer weit kommen. Wieder aufgeladen werden kann die Batterie an jeder Steckdose. Zur Speicherung der Energie werden neueste Batterietechnologien verwendet, der Prototyp fährt noch mit Lithium-Ionen-Batterien der ersten Generation. Auf einer typischen Pendlerstrecke, beispielsweise von Potsdam nach Berlin Mitte, soll der Golf TwinDrive mit acht Kilowattstunden und 2,5 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer auskommen.

,Flottenversuch Elektromobilität"
Das Projekt ,Flottenversuch Elektromobilität" wurde von der Bundesregierung initiiert. In dem auf vier Jahre angelegten Versuch soll der effiziente Einsatz erneuerbarer Energien im Verkehr erprobt werden. Der Golf TwinDrive ist Teil dieses Konzepts. VW will für den Versuch 20 Wagen einsetzen – zehn im Großraum Berlin und zehn in der Region Wolfsburg. Die Fahrzeuge werden in den nächsten Monaten sukzessive zum Einsatz kommen. Die Elektromotoren der Testflotte sollen mit regenerativ erzeugtem Strom, beispielsweise aus Wind-, Wasser- und Sonnenkraft, angetrieben werden. Bereits jetzt werden mehr als 13 Prozent der in Deutschland benötigten elektrischen Energie durch Windkraft abgedeckt, so Volkswagen. Dieser Anteil soll bis 2020 auf 30 Prozent ausgebaut werden. Parallel wird zudem verstärkt Strom aus Solar- und Wasserkraft erzeugt.

Partner aus Forschung und Wirtschaft
Der Flottenversuch wird von insgesamt acht deutschen Kooperationspartnern aus Forschung und Wirtschaft durchgeführt. Vom Bundesumweltministerium wird der bis 2012 laufende Großversuch mit einem Millionenbetrag gefördert. Neben Volkswagen sind auch der Energieversorger E.ON sowie die Batterietechnologiefirmen GAIA und Evonik/Li-Tec beteiligt. Ferner bringen die Fraunhofer Gesellschaft, das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Universität Münster ihr Wissen mit ein. E.ON beispielsweise stellt die Infrastruktur zur Verfügung, um die Versuchsfahrzeuge direkt an der Steckdose zu laden und die Batterien der Autos mittels einer zentralen Laststeuerung einzubinden.

Mehr Steckdosen nötig
Um den Elektroantrieb künftig flächendeckend nutzen zu können, muss erst die Infrastruktur angepasst werden. So ist die Installation zahlreicher Steckdosen erforderlich. Beispielsweise müssen öffentliche und private Parkplätze und Parkhäuser mit Steckdosen ausgestattet werden, um eine Vielzahl von Lademöglichkeiten zu schaffen. Als Voraussetzung für dieses Szenario sind Lithium-Ionen-Batterien mit hoher Energiedichte, langer Lebensdauer und einer Schnellladeeignung notwendig. So könnte der Verkehr in den Großstädten schrittweise von Verbrennungs- auf Elektromobilität umgestellt werden.

Test für Lithium-Ionen-Batterien
Ein weiteres Ziel des Großversuchs besteht daher darin, den Umgang mit der zukunftsweisenden Lithium-Ionen-Technologie unter repräsentativen Einsatzbedingungen zu testen. VW arbeitet gemeinsam mit Unternehmen aus den verschiedenen Bereichen der Batterietechnologie zusammen. Ziel ist es, im Jahr 2010 erste Fahrzeuge mit hoch effizienten Lithium-Ionen-Batterien vorzustellen. Diese verfügen über eine höhere Energiedichte und sollen vor allem auch eine größere Reichweite als die bisherigen 50 Kilometer ermöglichen.

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