Null Emissionen: Prototyp stößt nur Wasserdampf aus

Bereits Ende 2007 kündigte Renault-Chef Carlos Ghosn an, dass die Renault-Nissan-Allianz schadstofffreie ,Null-Emissionen"-Fahrzeuge entwickeln wird. Renault hat jetzt den Prototypen Scénic ZEV H2 enthüllt, der lediglich Wasserdampf emittieren soll.

Basis: Renault Scénic
Die Studie Scénic ZEV H2 – die Abkürzung steht für Zero Emission Vehicle Wasserstoff – basiert auf dem Renault Grand Scénic, ist aber ein gemeinsames Projekt der Renault-Nissan-Allianz. Das Concept Car verfügt über eine Brennstoffzellen-Technologie mit selbst entwickeltem ,Stack" (Brennstoffzellen-Block), Hochdruck-Wasserstofftank und kompakten Lithium-Ionen-Batterien. Diese Bausteine wurden ohne Einschränkung der Funktionalität in die Karosserie des Grand Scénic integriert. Das Fahrzeug wurde um 60 Millimeter höher gelegt, um die neue Antriebstechnologie im Wagenboden unterbringen zu können. Die Innenraummaße und das Kofferraumvolumen blieben unverändert.

Wasserstoffdruckanzeige statt Tankuhr
Alle üblichen Fahrzeugfunktionen sind uneingeschränkt nutzbar. Einige Instrumente sind an die innovative Brennstoffzellen-Technologie angepasst. So ersetzt eine Wasserstoffdruckanzeige die Tankuhr, während das herkömmliche Wasserthermometer nun die Temperatur des Wasserstoffs anzeigt. Der Drehzahlmesser signalisiert die Umdrehungen des Elektromotors pro Minute.

Volle Alltagstauglichkeit
Der fast lautlose Elektromotor und die reaktionsschnelle, stufenlose Beschleunigung sollen spritzige und handliche Fahreigenschaften ermöglichen. Obwohl es sich beim Scénic ZEV H2 noch um einen Prototypen handelt, unterscheidet er sich in seinen Alltagseigenschaften nicht von einem herkömmlichen Serienmodell mit Verbrennungsmotor. Mit einer Ausnahme: Aus dem Auspuff kommt nur harmloser Wasserdampf.

Bremsenergie wird gespeichert
Der Asynchron-Elektromotor leistet 122 PS. Die Lithium-Ionen-Batterie hat eine Kapazität von 25 Kilowattstunden und eine Betriebsspannung von 400 Volt. Doch nicht nur die Brennstoffzelle erzeugt den Strom, auch andere Komponenten werden einbezogen: Aus der Bremsenergie gewinnt der Elektromotor durch so genannte Rekuperation zusätzliche elektrische Energie, die in der Lithium-Ionen-Batterie gespeichert und bei Bedarf wieder abgerufen wird.

Reichweite: 350 Kilometer
Der 1.850 Kilogramm schwere Prototyp beschleunigt in 14,6 Sekunden auf Tempo 100 und wird bis zu 160 km/h schnell. Die Reichweite soll laut Renault mit 350-bar-Wasserstofftank (entspricht 3,7 Kilogramm Wasserstoff) rund 350 Kilometer betragen. Geplant ist ein 700-bar-Tank, der eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern ermöglichen würde.

Fünf Betriebsarten möglich
Auf Grund seiner Auslegung kommen im Scénic ZEV H2 fünf Betriebsarten zum Einsatz. Nummer eins: Die Batterie versorgt den Elektromotor direkt mit Strom. In diesem Fahrmodus befindet sich der Prototyp beim Start, beim Ein- und Ausparken oder bei langsamer Fahrt in der Innenstadt. Außerdem schaltet sich Batteriestrom beim plötzlichen scharfen Beschleunigen zu, um die Leistung der Brennstoffzelle zu unterstützen. Nummer zwei: Der Brennstoffzellenblock versorgt den Elektromotor allein mit Strom. Dieser Modus tritt bei konstanter Fahrt in Aktion, beispielsweise auf der Autobahn. Überschüssige Energie wird in die Batterie eingespeist.

Bremsen: Elektromotor als Generator
Nummer drei: Brennstoffzellenblock und Batterie versorgen den Elektromotor mit Strom. Dies ist dann der Fall, wenn spontan Höchstleistung erforderlich ist, beispielsweise an Steigungen oder bei zügigen Überholmanövern. Nummer vier: Der Brennstoffzellenblock versorgt nur die Batterie mit Strom und lädt sie dadurch auf. Dies geschieht bei Stillstand mit laufendem Elektromotor. Nummer fünf: Der Elektromotor versorgt die Batterie mit Strom und lädt sie dadurch auf. Das passiert beim Bremsen. Dann funktioniert der Elektromotor wie ein Generator und wandelt durch Rekuperation die Bremsenergie in elektrische Energie um.

Scénic ZEV H2: Entstanden in 15 Monaten
Im Jahr 2006 entschieden Renault und Nissan, ihr Know-how für den Bau eines Prototypen zusammenzubringen, der mit selbst entwickelter Brennstoffzellentechnologie fährt. Der Scénic ZEV H2 entstand daraufhin in nur 15 Monaten, einschließlich der erforderlichen Funktionstests. Ende 2007 rollte dieser Wagen bereits zum ersten Mal auf die Straße. Ende April 2008 schließlich war das Feintuning aller Komponenten beendet und der Scénic ZEV H2 fertig.

Bildergalerie: Wasser-Dampfer