Eigene Brummi-Spuren und gestaffelte Lkw-Maut für weniger Staus

Speziell in Ferienzeiten und an Wochenenden ächzen große Teile des deutschen Autobahnnetzes unter enormem Verkehr. Oftmals kommt es zu Staus, die durch die Masse an Lkws begünstigt werden. Auch das gegenseitige Überholen der Brummis in so genannten ,Elefantenrennen" sorgt dafür, dass der Verkehrsfluss ins Stocken gerät. Nun hat Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee ein Maßnahmenpaket vorgestellt, das Staus bekämpfen soll.

Überholverbot für Lastwagen
Das Ziel des Ministers ist es, dass sich Lkw und Pkw zukünftig weniger in die Quere kommen: ,Auf stark befahrenen Autobahnen sollten die Lastwagen ausschließlich die rechte Spur benutzen, alle anderen Spuren gehören den Autos", so Tiefensee. Die Spurentrennung auf Autobahnen möchte er durch strikte Überholverbote für Lkws erreichen, von denen weitere noch in diesem Sommer verhängt werden sollen. Nach Angaben des obersten Verkehrslenkers seien von insgesamt 12.200 Autobahnkilometern in Deutschland 2.500 staugefährdet. Auf 1.300 Kilometer wird der Verkehr bereits elektronisch geregelt, auf den verbleibenden 1.200 Kilometern sollen die Länder rasch Überholverbote erlassen. Zudem sollen Bauarbeiten auf Autobahnen künftig schneller abgeschlossen werden.

Zeitlich gestaffelte Maut
Zur weiteren Stauvermeidung sollen in den Ballungsräumen die Standstreifen auf den Autobahnen als zusätzliche Spur freigegeben werden. Darüber hinaus will Tiefensee die Lkw-Maut nach Uhrzeit staffeln. Als Folge soll ein Brummifahrer, der die Autobahn zwischen 6 und 9 Uhr morgens benutzt, mehr zahlen als etwa ein Lkw-Fahrer, der zwischen 9 und 15 Uhr unterwegs ist. Durch weniger Staus soll auch eine Senkung des Benzinverbrauchs erreicht werden. Schon im Juli 2008 soll das Bundeskabinett über die Pläne des Ministers entscheiden.

Lob vom ACE
Der Auto Club Europa, kurz ACE, unterstützt das Konzept von Tiefensee: Vernünftige Verkehrspolitik müsse immer das große Ganze im Auge haben, so der ACE-Vorsitzende Wolfgang Rose. Nach ACE-Angaben wird der Güterverkehr bis zum Jahr 2015 um mehr als 60 Prozent steigen, der Personenverkehr aber nur um rund 20 Prozent. Sinnvoll sei daher eine Verlagerung des Warentransports auf Wasserwege und die Schiene.

Kritik vom VCD und den Grünen
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) beurteilt das Tiefensee-Paket dagegen als völlig unzureichend. Die Zielvorgabe sei zwar richtig, doch bedürfe es dafür anderer Maßnahmen. So müsse laut VCD die Lkw-Maut insgesamt angehoben werden und auf alle Straßen und alle Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht ausgeweitet werden. Zudem müsse es ein generelles Tempolimit auf Autobahnen geben. Dieses würde den Verkehrsfluss erhöhen. Auch die Grünen sehen ein generelles Tempolimit von höchstens 130 Kilometer pro Stunde als ,einfachste Lösung" an, so der Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Fritz Kuhn.

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