Zu Besuch im slowakischen Kia-Werk in Zilina

Autohersteller haben scheinbar eine Vorliebe dafür, ihre Werke mitten in die Pampa zu stellen. Die BMW-Modelle X5 und X6 lassen die Bayern in der Einöde in Spartanburg in den USA fertigen und der Porsche Boxster wird aktuell zum Teil in dem finnischen Örtchen mit dem amüsanten Namen Uusikaupunki produziert. Kia steht dem in nichts nach. Die Koreaner haben eigens für die Produktion der Modelle cee'd und Sportage ein Werk im slowakischen Zilina errichtet. Wir waren vor Ort und haben uns in den Produktionshallen umgesehen.

Mehr als 2.700 Angestellte
Der erste Spatenstich für den Bau des Kia-Werkes erfolgte im April 2004. Nach nur 20 Monaten Bauzeit hatten die Koreaner im Dezember 2005 in Zilina ihre erste Produktionsstätte aus dem Boden gestampft. Inzwischen arbeiten mehr als 2.700 Angestellte auf dem 168 Hektar großen Firmengelände, das entspricht in etwa der Fläche von 230 Fußballfeldern. In zwei Schichten werden das ausschließlich für den europäischen Markt konzipierte Modell cee'd und das Kompakt-SUV Sportage gefertigt. Zudem ist Kia der einzige Hersteller, der in der Slowakei Motoren produziert. Vom Band laufen die 1,4- und 1,6-Liter-Benziner und die beiden Selbstzünder-Aggregate mit 1,6 und 2,0 Liter Hubraum.

Angenehmes Arbeitsklima
Blühende Blumenbette, saftig grüne Rasenflächen, überall fröhlich dreinblickende Menschen und aktuelle Hitparadenmusik aus zugegebenermaßen etwas blechern klingenden Lautsprechern geben uns nicht im Geringsten das Gefühl, dass wir uns auf dem Fabrikgelände eines Autoherstellers befinden. Der Konzernführung von Kia Motors Slowakei liegt sehr viel am Wohlergehen ihrer Angestellten. Organisiert werden unter anderem Familientage, Sportveranstaltungen und Fortbildungsseminare, um die positive Gemütslage der Mitarbeiter zu stärken.

Vom Rohmaterial zur fertigen Karosserie
Alle Metallteile der Karosserie entstehen im Presswerk. Das Material hierfür wird auf großen Rollen angeliefert. Die Dicke des Stahls beträgt ein bis zwei Millimeter, dennoch bringt es jede Rolle auf ein Gewicht von ungefähr einer Tonne. In zwei Hauptpressen können bis zu 60 verschiedene Teile gefertigt werden. Je nach Nachfrage gelangen die benötigten Teile vollautomatisch über ein ausgeklügeltes Schienensystem aus dem Lager in die Spenglerei. Hier werden die Teile nach und nach zu einem Ganzen zusammengeschweißt. Dies geschieht nicht etwa von Hand, sondern mittels bis zu 310 Schweißrobotern. Ganz besonders stolz ist Kia auf die Tatsache, dass auf jeder Fertigungslinie ohne Umprogrammierung der Computer bis zu acht verschiedene Modelle gleichzeitig gebaut werden können.

Hermetisch abgeriegelte Lackieranlage
Sobald die Karosserie steht, geht es weiter in die Lackieranlage. Um auch die verwinkeltsten Stellen des Fahrzeuges zu erreichen, wird die Karosserie einmal komplett durch ein Grundierungsbad getaucht. Danach werden die Rohkarossen samt Türen, Motorhaube und Kofferraumdeckel in mehreren Schichten lackiert und durch eine Art Wärmekammer gefahren, um den Lack zu trocknen. Die komplette Lackieranlage ist hermetisch abgeriegelt, damit bloß kein Staubkorn im Lack eintrocknet und die Arbeit zunichte macht. Parallel dazu werden in der Antriebshalle die vier Triebwerks-Varianten zusammengebaut.

Bis zu 300.000 Einheiten pro Jahr
In der größten der Montagehalle wird aus dem bislang noch recht nackten Skelett, langsam aber sicher ein richtiges Auto. Motor rein, Fahrwerk samt Räder dran, Verkleidung, Armaturenbrett und Bestuhlung in den Innenraum, Fensterscheiben einpassen und ab geht es zur Endkontrolle. Was sich hier relativ einfach anhört, ist beispielsweise bei der Montage des Cockpits absolute Millimeterarbeit. Um diese Arbeit mit der nötigen Präzision und Geschwindigkeit zu erledigen, wird wie so vieles in dem beinahe klinisch sauberen Werk von einem Montageroboter übernommen. Der schafft den Einbau in einem Bruchteil der Zeit eines Arbeiters – und das zur Not auch rund um die Uhr. Sicherheitsrelevante Arbeiten wie zum Beispiel das Befüllen des Fahrzeuges mit den nötigen Flüssigkeiten, die Montage der Räder und des Lenkrades werden aber nach wie vor händisch erledigt, bevor das fertige Auto vom Band rollt. Im Zweischicht-Betrieb können so bei Vollauslastung der Fertigungslinien 300.000 Fahrzeuge pro Jahr gefertigt werden. Für das Jahr 2008 sind eine Stückzahl von 225.000 Einheiten geplant.

Bildergalerie: Hier entsteht der Kia cee`d