Die Legende lebt: Kompressor-V8 mit 620 PS in der stärksten Vette aller Zeiten

ZR-1: Noch heute bekommen Corvette-Fans leuchtende Augen, wenn in Benzingesprächen diese magische Bezeichnung fällt. Anfang der 90er-Jahre kam erstmals eine Corvette mit dem inzwischen legendären Namen auf den Markt – damals trug sie noch einen Bindestrich vor der 1. Zu dieser Zeit gehörte die britische Sportwagenschmiede Lotus gerade zum General-Motors-Konzern, und die war an der Entwicklung der ZR-1 maßgeblich beteiligt. Das Ziel: Den damals schnellsten Seriensportwagen der Welt zu bauen.

Blue-Motion à la USA
Zurück in die Gegenwart: Die Neuauflage der ZR-1 heißt ZR1, Lotus gehört schon lange nicht mehr zu GM und der schnellste Serienwagen der Welt wird die neue Corvette mit geschätzten 320 km/h Vmax sicher auch nicht sein. Trotzdem laufen den V8-Fans in der Redaktion beim Anblick der ersten ZR1-Vorabbilder wohlige Schauer über den Rücken. Tief und breit und einfach böse steht sie da. Dank neu gestalteter Karosseriedetails wird sofort deutlich, wo die blaue Muskel-Flunder in der Corvette-Hackordnung steht – ganz oben. Die markanten, nun doppelt ausgeführten Entlüftungskiemen hinter den Vorderrädern, breitere Schweller und ein größerer Heckspoiler sind erste Indizien der Macht. Das geilste Detail ist aber eindeutig die neue Motorhaube mit dem mächtigen Powerdome und integriertem Sichtfenster. Unter diesem Guckloch sitzt der Ladeluftkühler des Kompressors, der die Atemluft in den überarbeiteten LS9-Smallblock presst. Rund 620 PS soll der 6,2-Liter-V8 in dieser Konfiguration aus dem Ärmel schütteln. Zum Vergleich: Das bisherige Topmodell, die Corvette Z06, bringt es auf ,nur" 512 PS.

Wide Boy
Für die Kraftübertragung ist ein manuelles Sechsgang-Renngetriebe mit verkürzten Schaltwegen zuständig. Das leitet die Power an die Hinterachse, die mit Gummiwalzen im Format 335/25/20 bestückt ist. Das alleine reicht natürlich nicht, um soviel Kraft sicher auf die Straße zu bringen. Die ZR1 trägt zusätzlich ein überarbeitetes, magnetisch verstellbares Fahrwerk und eine elektronische Traktionskontrolle. Laut GM soll die Monster-Vette auf den Serienreifen Pilot Sport 2 von Michelin für Querbeschleunigungen über 1 G gut sein. Eine vorsichtige Schätzung seitens GM, denn aktuelle Supersportwagen dieses Kalibers erreichen locker Werte um die 1,2 G. Wie die kleinere Schwester Z06 hat auch die ZR1 eine Querbeschleunigungsanzeige, die per Head-Up-Display die aktuellen G-Werte auf die Windschutzscheibe projiziert. Außerdem wird eine Keramikbremse mit Sechskolbensätteln an der Vorder- und Vierkolbensätteln an der Hinterachse für die brachialen Verzögerungswerte sorgen, die dem markanten Auftritt und dem Monster unter der Motorhaube würdig sind.

Supersize Me? Nein, danke!
Schon die Corvette Z06 erstaunt mit ihrem relativ geringen Gewicht von knapp 1.500 Kilogramm. Soviel soll in etwa auch die ZR1 wiegen. Dabei profitiert sie nicht nur vom Z06-Aluminiumchassis, sondern auch von den zahlreichen Karbonteilen an der Karosserie. So besteht etwa die Motorhaube aus dem edlen Rennsportmaterial. Das Dach, der vergrößerte Frontsplitter und der hintere Dachrahmen sind gar aus Sichtkarbon gefertigt und liefern dem eingeweihten Betrachter einen zusätzlichen Hinweis darauf, dass hier die stärkste Serien-Corvette aller Zeiten unterwegs ist. Wann genau das potente Stück kommt, ist noch ebenso wenig bekannt wie der Preis. GM kündigt es aber als 2009er-Modell an, und spricht folgerichtig von einer Markteinführung im Sommer 2008.

Corvette ZR1