Partnerschaft zur Entwicklung und Fertigung von Li-Ionen-Batterien begründet

Evonik-Chef Werner Müller fühlt sich angesichts der aktuellen Situation in der Autobranche an den Fußball erinnert. Für den Vorsitzenden des aus der früheren Ruhrkohle AG (RAG) hervorgegangenen Unternehmens zählen im Kampf um die erfolgreiche Elektrofahrzeug-Technik der Zukunft ganz neue Mannschaftsaufstellungen und Strategien. Das Ergebnis der neuen Taktik ist nun eine Zusammenarbeit zwischen Evonik und Daimler, die heute im Rahmen einer Pressekonferenz verkündet wurde.

Batterieentwicklung in Deutschland
Den Energiespeicher der Zukunft wollen die beiden Unternehmen gemeinsam entwickeln. Auf Basis der Lithium-Ionen-Technologie werden die beiden Großkonzerne die Forschung, Entwicklung und Produktion von Batteriezellen und Batteriesystemen am Standort Deutschland vorantreiben. Geschehen soll dies bei der Firma Li-Tec im sächsischen Kamenz. Ab sofort übernimmt Daimler 49,9 Prozent an Li-Tec. Die restlichen 50,1 Prozent bleiben im Besitz von Evonik. Beide Partner streben die Beteiligung eines dritten Gesellschafters an, der über Kompetenzen in der Systemintegration von Elektrik und Elektronik verfügen soll.

Weiteres Joint-Venture geplant
Darüber hinaus werden Daimler und Evonik ein Joint-Venture gründen, das den Fokus auf die Entwicklung und die Produktion von Batterien und Batteriesystemen für Automobile legen soll. An diesem Joint-Venture werden Daimler 90 und Evonik 10 Prozent halten. Die vom Joint-Venture produzierten Batterien werden sowohl im Pkw- als auch im Nutzfahrzeugbereich verbaut. Zunächst soll der Bedarf von Daimler gedeckt werden, später ist der Verkauf von Zellen und Batteriesystemen an Dritte vorgesehen.

2020: Eine Million E-Autos in Deutschland
Durch den Einsatz eines so genannten ,keramischen Separators" sind die von Li-Tec hergestellten Zellen für Elektrofahrzeuge besonders geeignet, wie beide Partner betonen. Evonik-Chef Müller sieht das Marktvolumen für großvolumige Lithium-Ionen-Batterien schon im nächsten Jahrzehnt die Schwelle von zehn Milliarden Euro übersteigen. Erklärtes Ziel ist es laut Müller, das elektrische ,Bürgerauto" zu schaffen. Bis zum Jahr 2020 sollen allein in Deutschland rund eine Million Autos das Stadtbild prägen.

Zetsche: Führungsrolle bei grüner Technik
Auch Daimler-Boss Zetsche gibt sich angesichts der Kooperation selbstbewusst: Das Unternehmen mit dem Stern strebt eine Führungsrolle bei grünen Technologien an. Aktuelle Aktionen sind Flottenversuche mit dem Elektro-Smart in London, Berlin und in italienischen Großstädten. Unter dem Label BlueZERO soll zukünftig das weltweit breiteste Angebot an elektrischen Automobilen angeboten werden. Einen ersten Vorgeschmack geben auf der Auto Show in Detroit Anfang Januar 2009 drei Mercedes-Studien. Sie werden wahlweise rein elektrisch, mit einer Kombination aus Elektro- und Benzinmotor oder mit einer Brennstoffzelle angetrieben.

2010: Erster Serien-E-Mercedes
Daimler plant darüber hinaus, die Lithium-Ionen-Flachzellenbatterie der ersten Generation kurzfristig bei Elektroautos einzusetzen. Das erste Serien-Elektrofahrzeug von Mercedes soll 2010 auf den Markt kommen, zu einem günstigen Preis, wie Zetsche betont. Allerdings wird es noch Batterietechnik aus dem Hause Daimler aufweisen. Geplant ist eine Reichweite von 200 Kilometern, mit einem Verbrennungsmotor als Reichweitenverlängerer sollen 600 Kilometer möglich sein.

Elektro fürs Volk