Fast jeder dritte Autofahrer blinkt nicht – selbst Polizei fährt vorschriftswidrig

Nahezu jeder dritte Autofahrer in Deutschland setzt beim Fahrtrichtungswechsel keinen Blinker und verstößt damit gegen die Straßenverkehrsordnung. Das geht aus einer vom ACE Auto Club Europa veröffentlichten Studie hervor.

Auf Blinkmuffel-Pirsch
Der ACE hatte sich im Mai und Juni 2008 deutschlandweit auf eine Blinkmuffel-Pirsch begeben und an 700 Kreuzungen, Kreiseln, abknickenden Vorfahrtstraßen und Autobahnauffahrten 394.038 Kraftfahrzeuge und deren Fahrer gezählt. 32 Prozent davon begingen einen Regelverstoß durch unterlassene Betätigung des Fahrtrichtungsanzeigers. Der Automobilclub sieht darin Zeichen einer schleichenden Disziplinlosigkeit im Straßenverkehr. Nach Angaben von ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner passieren jedes Jahr rund 67.000 Unfälle mit Personenschaden in Bereichen, in denen geblinkt werden muss. Besonders ärgerlich ist aus Sicht des ACE die mangelhafte Vorbildfunktion der Polizei: Nach der Verkehrszählung fahren Streifenwagenbesatzungen in puncto Blinken nur selten mit gutem Beispiel voraus.

Problemstelle: Abknickende Vorfahrt
Im Bereich abknickender Vorfahrtstraßen setzt beinahe jeder zweite Automobilist, mehr als 45 Prozent, kein Lichtzeichen. Auch Kreisverkehre gehören zu den bevorzugten Revieren von Blinkmuffeln (32 Prozent). Mehr Bereitschaft, den Finger zum Blinkhebel zu bewegen, gibt es hingegen in Kreuzungsbereichen, wo immerhin knapp 80 Prozent der Autofahrer vorschriftsmäßig ein Blinkzeichen geben. Mehr als 70 Prozent betätigen den Blinker vorschriftsmäßig auch beim Einfädeln auf die Autobahn.

Lob den Nordlichtern
Die Deutschen im Norden und Osten verhalten sich häufiger vorschriftsmäßig als der Durchschnitt. 80 Prozent der Kraftfahrer in den neuen Bundesländern betätigen den Blinker vorschriftsmäßig. Auch in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen und Hamburg ist die Blinkdisziplin mit knapp 75 Prozent vergleichsweise gut. Auf dem Vormarsch befindet sich die Gattung des gemeinen Blinkmuffels hingegen in Hessen, im Saarland sowie in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, wo der Anteil der Blinkverweigerer im Schnitt 42 Prozent beträgt. In NRW und Bayern (beide 34 Prozent) liegen die Nicht-Blinker auf gleicher Höhe und knapp über dem Bundesdurchschnitt.

Zehn Euro Verwarnungsgeld
Wer die Blinkvorschriften missachtet, dem droht ein Verwarnungsgeld von zehn Euro, das jedoch nur in Ausnahmefällen erhoben wird. Doch werden Blinkverweigerer nach einem Unfall oft in Haftung genommen. Kein Blinken beim Linksabbiegen bedeutet regelmäßig hundertprozentige Haftung für Unfallfolgen und auch beim Spurwechsel kann das Weglassen des Blinkers zu Alleinhaftung führen. Bei Unklarheit über die Blinkerbetätigung kommen die Gerichte zu Mithaftungsanteilen zwischen 50 und 100 Prozent. Kein Blinken bei abknickender Vorfahrt bedeutet Mithaftung zwischen 25 und 67 Prozent. Wer sein Tempo zum Abbiegen verringert, ohne rechtzeitig zu blinken, riskiert bei einem Auffahrunfall eine Mithaftung von bis zu 40 Prozent.

Immer mehr Blinkmuffel