Wir haben uns angeschaut, wie ein Westfield-Sportwagen entsteht

Überall stehen halbfertige Autos auf Böcken und Gestellen rum. Pro Fahrzeug schraubt ein Mann an Motor oder Innenausbau. Wir sind bei Westfield Sportscars in Kingswinford in der Nähe der britischen Industrie-Metropole Birmingham. Die kleine Firma mit 45 Mitarbeitern stellt seit 1982, jetzt also genau 25 Jahren, leichte Sportautos her. Der Ingenieur und Fahrer von historischen Rallyes, Chris Smith, fing an, ausgelaufene Lotus-Modelle nachzubauen. Der 1956er Lotus XI Le Mans stand Pate für den Westfield XI, das erste Auto, welches Westfield je baute. Die Garage, in der Smith sein erstes Auto zusammenbastelte, lag in Westfield House, daher der heutige Firmenname. Das Fahrzeug, welches dort entstand, erregte Aufsehen und Begehrlichkeiten, sodass Chris Smith es zu Ostern 1983 als sinnvoll ansah, eine eigene Autofirma zu gründen.

Jubiläums-Edition zum 25. Geburtstag
Den Westfield XI gibt es zum Jubiläum in einer auf 25 Stück limitierten Auflage. Das Jubiläumsauto wird wie alle anderen Modelle bei Westfield in 100 Prozent Handarbeit hergestellt. Als Grundlage für den XI dient ein so genanntes Donor Car, ein Spenderauto mit altem Motor. In der Regel ist das ein MG-B. Gerade die Kunden dieses Fahrzeugs legen Wert auf Authentizität und wollen einen antiken Motor und ein vom Stand der Technik längst überholtes Getriebe. Kunden aus Deutschland sollten hier aufpassen, da nur Fahrzeuge mit deutschem Brief eine Chance haben, zugelassen zu werden. Einfach nur einen alten, originalgetreuen Motor übernehmen geht nicht, da dieser nicht die Abgasnormen erfüllen würde. Bei allen anderen Westfield-Modellen ist dies kein Problem, hier kommen eigene Plattformen mit modernen Triebwerken, beispielsweise von Ford, zum Einsatz.

Lotus 7 lebt
Den größten Umsatz macht Westfield mit den Modellen 1600 bis Sport 2000 S, Seight und Megabusa – alles Seven Style Cars mit unterschiedlichen Motorisierungen. Hinzu kommen der bereits erwähnte XI und der sehr nach Rennwagen aussehende XTR2. 75 Prozent der von Westfield verkauften Autos gehen als Bausatz raus. Die Kunden mögen es einfach, jede einzelne Schraube ihres Fahrzeugs persönlich kennen zu lernen, um so eine ganz besonders feste Bindung zu ihrem Gefährt aufzubauen. Dabei ist Gelb die Lieblingsfarbe der Westfield-Fahrer, wobei die angebotene Farbpalette überschaubar ist und sich in Sachen Motorhaube, Nase und Kotflügel beliebig kombinieren lässt. Alle Karosserieteile bestehen aus Fiberglas, auch jene, welche wie Karbon aussehen.

Brenzliges wird vormontiert
Wer will, kann sich von Westfield zusätzlich einen perfekt ausgestatteten, fahrbaren Werkzeugschrank liefern lassen. Allerdings werden für das gute Stück zirka 2.200 Euro aufgerufen. Laut Westfield trauen sich viele Bastler nicht an sicherheitsrelevante Baugruppen wie Bremsen oder unübersichtlich wirre Elektrokabel-Stränge ran. Aus diesem Grunde sind die Leute bei Westfield so nett, diese kritischen Komponenten schon vorzumontieren. Die ehrgeizigsten Käufer sollen eine komplette Montage in ein bis zwei Wochen schaffen. Der gemütliche Bastler, der mehr als nur seinen neuen Westfield im Kopf hat, braucht auch schon mal ein Jahr. Und wer gar keine Zeit hat, sollte zirka 5.000 Euro drauflegen, dann wird der Wagen vollständig fahrbereit ausgeliefert.

Immer noch alles aus einer Hand
Im Dezember 2006 verkaufte Chris Smith seine Firma an die britische Potenza Cars Ltd. Dadurch flossen frische Finanzmittel in die Manufaktur, welche für die weitere Verbesserung der Produkte verwendet werden sollen. Westfield will weiterhin eine Firma im Stile eines Familienunternehmens sein und Maßstäbe in Sachen Kit-Car-Produktion setzen. Dazu zählt auch das einst von Chris Smith und seiner Frau Eileen ausgerufene Prinzip, so viel wie möglich ,in House", also im eigenen Unternehmen, zu erledigen. Dies soll dauerhaft für Qualität sorgen und hebt Westfield von vielen kleineren Kit-Car-Produzenten ab, welche beispielsweise die Sitze dazukaufen oder das Design des Interieurs von Fremdfirmen machen lassen.

Bildergalerie: The Westfield Story