,V" wie Victory: Audi stellt in Amerika eine starke Diesel-Studie vor

Das kleine Lenkrad ist aus Magnesium, hat einen Lederüberzug und sitzt deutlich vor dem Motor. Ein Diesel-Mittelmotor? Audi pflanzt einen solchen in den R8. Aus zwölf Zylindern werden 500 PS generiert – und 1.000 Newtonmeter Drehmoment. Aber der Reihe nach.

Seriennahe Studie
Die auf der North American International Auto Show NAIAS (19. bis 27. Januar 2008 in Detroit) vorgestellte Studie des Zwölfzylinder-Diesel-R8 hat nicht nur einen außergewöhnlichen Antrieb. Schon in Sachen Design unterscheidet sich der kraftvolle Selbstzünder-Wagen von seinen Serien-Kollegen. Die ohnehin schon großen Luftöffnungen sind nun noch voluminöser und die Abdeckungen dieser Schächte erfolgt mit dem gleichen rautenförmigen Gitter, das schon bei den RS-Modellen zum Einsatz kommt. Das die Seitenansicht des R8 dominierende Sideblade wurde im unteren Drittel deutlich erweitert und im Dach sitzen zwei große Glasfenster. Außerdem haben die Ingenieure eine aus dem Rennsport bekannte so genannte Naca-Düse in den mittleren Dachbereich integriert, in welcher die Ansaugluft für den Motor beschleunigt wird. Der Motor selbst sitzt wie die Passagiere unter Glas und wird des Nachts durch weiße Leuchtdioden angestrahlt – was ein wenig an die beleuchteten Innenräume der guten alten Modding-PCs erinnert.

Leicht und steif
Die Rohkarosserie der R8-Studie wiegt gerade mal 210 Kilogramm. In einen tragenden Aluminium-Rahmen werden Aluminiumbleche gepresst, die ebenfalls eine tragende Funktion übernehmen. Aber nicht nur leicht und steif soll die Karosserie sein, sie ist auch für den Abtrieb zuständig. So wurde der ausfahrbare Heckspoiler gegenüber dem Serienmodell deutlich vergrößert und der Unterboden ist jetzt so verkleidet, dass er als Diffusor wirkt.

Voll-LED-Scheinwerfer
Dioden kommen auch bei der restlichen Fahrzeugbeleuchtung zum Einsatz. So trägt die Studie Voll-LED-Scheinwerfer. Das heißt, dass auch das Fernlicht von LEDs bereitgestellt wird – serienmäßig bietet dies im Moment kein Fahrzeughersteller an. Innen geht es mit dem besagten 365-Millimeter-Lenkrad weiter, welches zum besseren Ein- und Aussteigen unten abgeflacht ist. Der Start-Knopf für den Motor sowie der Schalter für die Einstellungen Dynamic, Sport und Race sind im Volant untergebracht. Im Race-Modus ändert sich die Instrumentenbeleuchtung von beschaulichem Weiß auf aggressives Rot. Für den Rennfahrer interessante Informationen wie Ladedruck oder Fliehkraft lassen sich im Bildschirm des Navigationssystems anzeigen. Ansonsten protzt der Innenraum mit Aluminium- und Karbonapplikationen in Hülle und Fülle.

Keramik-Bremsen
Um den Diesel-Boliden angemessen verzögern zu können, rüstet Audi den Wagen mit Keramik-Bremsscheiben aus. Grundlage dieser Scheiben ist Siliziumkarbid, in welches Kohlefasern eingebettet wurden. In der Studie haben die Bremsscheiben noch dieselben Dimensionen wie bei der Serien-Bremsanlage – 380 Millimeter vorn und 356 Millimeter hinten. Auf den Scheiben sitzen rot lackierte Sechskolben-Bremssättel. Insgesamt sollen die Keramikbremsen 20 Kilogramm weniger auf die Waage bringen als ihre Serienbrüder. Laut Audi arbeitet die Verzögerungsapparatur fadingfrei und ermöglicht Laufleistungen von bis zu 300.000 Kilometer.

Zwölfzylinder-Diesel aus Ungarn
Die eigentliche Sensation des fahrbaren Audi R8 V12 TDI concept ist natürlich der Motor. Das im ungarischen Györ gefertigte Aggregat leitet sich aus dem in Le Mans erfolgreichen R10 ab. Das maximale Drehmoment von 1.000 Newtonmeter liegt von 1.750 bis 3.000 U/min an. Damit stößt der R8 in Drehmoment-Höhen vor, in denen sich Autos vom Schlage eines Bristol Fighter (1.405 Newtonmeter), Bugatti Veyron (1.250 Newtonmeter) und Maybach 57S/62S (1.000 Newtonmeter) tummeln. Ein Schlag aufs Gaspedal und der Wagen ist in 4,2 Sekunden auf Tempo 100. Weit über 300 km/h sollen insgesamt drin sein.

60 Grad ganz leicht
Der Zylinderwinkel beträgt 60 Grad, was laut Audi eine ausgesuchte Laufruhe zur Folge haben soll. Insgesamt ist der Motor gerade mal 684 Millimeter kurz, eine Voraussetzung dafür, dass das Triebwerk in den R8 passt. Als Material fürs Kurbelgehäuse kommt Vermiculargrafit zum Einsatz. Dieser Werkstoff ist steifer und ermüdungsfester als Grauguss. 15 Prozent Gewichtsersparnis gegenüber Grauguss sind hier drin. Bosch liefert die Common-Rail-Einspritzanlage, die bis zu 2.000 Bar Druck aufbaut. Beide Zylinderbänke haben je einen eigenen Turbolader mit variabler Turbinengeometrie, welcher je 2,6 Bar Druck erzeugt. Zwei Ladeluftkühler lassen die Sauerstoffmoleküle in der Atemluft des Motors näher aneinander rücken und die voraussichtlich ab 2014 geltende Euro-6-Abgasnorm wird auch durch zwei Partikelfilter erreicht. Außerdem hält ein Zusatztank eine wässrige Harnstoff-Lösung (Adblue) bereit. Diese wird in den Abgasstrang eingespritzt, wo sie unter anderem zu Ammoniak zerfällt. Das Ammoniak wiederum spaltet die anfallenden Stickoxide in Stickstoff und Wasser auf.

Sechsmal per Hand
Der Audi R8 V12 TDI ist ein Rennwagen. Aus diesem Grunde kann es ihn nur mit einer Handschaltung geben. Die extra kompakt gebaute Schaltbox hält sechs Gänge bereit. Audi verspricht sehr kurze Schaltwege und eine sehr präzise Führung, auf welche die offene Schaltkulisse aus poliertem Aluminium hinweist. Wann und zu welchem Preis und ob überhaupt der R8 V12 TDI mal zu haben sein wird, ist noch offen. Vorher ensteht zum Beispiel eine andere aufregende Variante von Audis Supersportler: der R8 als Cabrio. Dann ist der Weg zum offenen R8 V12 TDI nicht mehr weit ...

Audi R8 V12 TDI in Detroit