Doch schützen die Möbel allmählich besser vor dem Schleudertrauma

Die Autositze des Modelljahres 2008 sind besser geworden, aber noch lange nicht alle schützen vor dem gefürchteten Schleudertrauma. Das geht aus Crashversuchen des britischen Testinstituts Thatcham hervor, die jetzt von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) veröffentlicht wurden. Neben den Crashversuchen wurde auch eine Prüfung der Sitzgeometrie durchgeführt. Sie soll sicherstellen, dass sich die Sitze und Kopfstützen auch für unterschiedlich große Insassen optimal einstellen lassen.

36 Prozent der Sitze sind gut
Bei den insgesamt 192 getesteten Autositzen ist der Anteil der mit "gut" bewerteten Sitze in den letzten zwei Jahren von 19 auf 36 Prozent gestiegen. Dieses Testurteil bedeutet, dass ein Sitz das so genannte Schleudertrauma in vielen Fällen verhindern kann. Dennoch bleibt noch viel zu tun, da noch jedes sechste Automodell eine schlechte Kombination aus Sitz und Kopfstützen aufweist. Erfreulich ist, dass die 2007 und 2008 neu untersuchten Sitze in allen Fahrzeugklassen mit einer "guten" oder zumindest "akzeptablen" Geometrie aufwarten.

Fortschritte bei deutschen Marken
Insgesamt haben die Hersteller auf die Sitztests der IIWPG (International Insurance Whiplash Prevention Group, ein internationales Versicherungsgremium zur Vorbeugung gegen das Schleudertrauma) reagiert und bessere Sitze eingebaut. Vor allem BMW hat deutliche Fortschritte gemacht und baut im Modelljahr 2008 in viele Neufahrzeuge "gute" Sitze ein. Weitere Modelle sollen im September 2008 folgen.

Verschiedene Konzepte
Audi schneidet bereits sehr gut ab. Alle Fahrzeuge des deutschen Herstellers sind im grünen Bereich. Technisch ermöglicht wird das durch energieaufnehmende Rückenlehnen, ein Konzept, das jetzt auch in ersten VW-Modellen zum Einsatz kommt, so im Tiguan und Passat CC. BMW setzt dagegen auf proaktive Kopfstützen, die sich bei einem Heckaufprall schnell dicht hinter dem Kopf positionieren. Bei einigen Marken aus Übersee sind dagegen nur geringe Fortschritte zu den Vorjahren zu erkennen. Das könnte daran liegen, dass Sicherheit beim Heckaufprall dort noch nicht den Stellenwert erlangt hat, wie bei der Mehrheit der deutschen Hersteller.

Minis mit Manko
Bei Kleinwagen und Minivans besteht derzeit noch der größte Verbesserungsbedarf für den Schutz beim Heckaufprall. Bei den Kleinwagen erreicht nur ein Drittel der Modelle gute oder akzeptable Ergebnisse, hingegen zwei Drittel mäßige oder schlechte, obwohl gerade Insassen kleiner Fahrzeuge bei einem Unfall höheren Belastungen ausgesetzt sind. Sitze mit aktiven Kopfstützen, die oft bessere Schutzwirkung aufweisen als vergleichbare konventionelle Sitzkonstruktionen, sind bei Kleinwagen und Minivans selten verfügbar. Dass auch ohne den Einsatz aufwendiger Technologie gute Sitz-Kopfstützen-Kombinationen möglich sind, zeigen Beispiele wie der Daihatsu Cuore, der Renault Clio und der Renault Modus.

Kopfstütze hoch und Lehne steil
,Doch auch bei einem guten Sitz kann Sicherheit verspielt werden", warnt UDV-Leiter Siegfried Brockmann, "wenn Kopfstützen und Lehnen nicht richtig eingestellt sind." Falsch bedeutet laut UDV in der Regel: Kopfstütze zu niedrig und Lehne zu flach. Die Oberkante des Kopfes sollte möglichst mit der Oberkante der Kopfstütze abschließen und der Abstand zwischen Hinterkopf und Kopfstütze sollte so gering wie möglich sein.

Bildergalerie: Gefährliche Autositze