Lightning stellt den Elektro-Sportwagen mit über 650 PS in London vor

Wer meint, dass umweltfreundliches Fahren keinen Spaß machen kann oder darf, sollte ganz schnell umdenken. Ein reines automobiles Gewissen bleibt in Zukunft nicht nur Käufern reiner ,Vernunfts-Wagen" wie dem Toyota Prius vorbehalten. Bereits der Tesla Roadster, dessen Auslieferung in diesen Tagen endlich beginnt, spricht mit seinem Fahrwerk auf Lotus-Basis und 252 Elektro-PS sowohl Umwelt- als auch Fahrdynamik-Fans an. Der Lightning GT, der jetzt auf der British Motor Show in London enthüllt wurde, schlägt in eine ganz ähnliche Kerbe.

Alltagstauglicher Elektro-Sportler
Im Gegensatz zum Tesla will der britische Elektro-Blitz allerdings mehr als ein strombetriebenes Spaß-Mobil sein. Mit einer Außenlänge von 4,45 Meter fährt er größenmäßig in etwa derselben Liga wie der Aston Martin V8 Vantage. Ein relativ großzügiger Innenraum und ein geräumiges Gepäckabteil sollen den Elektrowagen ähnlich alltags- und reisetauglich wie einen klassisch angetriebenen Gran Turismo machen. Auch was die Performance angeht, wird der Brite seinem Namen GT voraussichtlich gerecht werden. Bei der Präsentation in London versprach Lightning-Boss Peter Ward für die Verkaufsversion etwa eine Beschleunigung von null auf 60 Meilen pro Stunde (96 km/h) in unter vier Sekunden. Zudem soll der GT mit überragenden Fahreigenschaften begeistern und genug Stauraum bieten, um die beiden Golfbags unterzubringen, die Sportwagenkäufer offenbar immer mit sich herumschleppen. Als i-Tüpfelchen gibt's zudem einen Tongenerator, mit dem der glückliche Besitzer seinem GT verschiedene Motorgeräusche entlocken kann, vom sämig schnurrenden Sechszylinder bis zum röchelnden V12 soll jeder Soundtrack möglich sein.

Nicht ein Motor, sondern vier
Beim Thema Antrieb gehen die Briten einen unkonventionellen Weg: Sie verbauen im GT nicht etwa eine, sondern gleich vier Antriebseinheiten. Die Elektromotoren sitzen allerdings nicht unter der langen Fronthaube, sondern auf den Radnaben: Beim Vorserienmodell schimmern die Blau lackierten bürstenlosen Antriebe hinter den Speichenfelgen hervor – der Lohner-Porsche von 1900 lässt grüßen. Jeder einzelne Motor soll rund 163 PS erzeugen, insgesamt also vertraut der flache Flitzer auf die Kraft von 653 Pferdestärken. Diese Technik bietet viele Vorteile, da der Strom direkt am Rad in Bewegung umgesetzt wird und somit auf eine aufwendige mechanische Kraftübertragung verzichtet werden kann. Zudem soll dieses System für ungewöhnlich hohe Fahrdynamik sorgen, da die Elektronik gezielt unterschiedlich hohe Raddrehzahlen erzeugen kann und somit etwa für messerscharfes Einlenkverhalten sorgt.

Moderner Stromspeicher
Gespeist wird das Elektroantriebs-Quartett von einem ebenso fortschrittlichen Batteriepack mit einer Kapazität von 36 Kilowatt. Dank Energierückführung bei Bremsvorgängen soll das für eine Strecke von etwa 400 Kilometer zwischen zwei Ladestopps ausreichen. Wohl auch als Seitenhieb auf das Konkurrenz-Produkt von Tesla, wies Ward bei der GT-Enthüllung darauf hin, dass der Wagen mit 30 Batterien auskomme, und nicht mit abertausenden von Laptop-Batterien vollgestopft sei. Möglich wird dies durch eine Speichertechnik namens ,NanoSafe", also einen Lithium-Titanat-Akku, der von der Firma Altair Nanotechnologies produziert wird. Dieser Stromspeicher ist deutlich weniger temperaturanfällig als Lithium-Ionen-Akkus und soll von minus 35 bis plus 75 Grad Celsius einsetzbar sein. Auf das aufwendige Akku-Kühlsystem des Tesla Roadster kann der GT also verzichten, und selbst bei dreißig Grad unter Null garantiert der Batteriehersteller 90 Prozent der Gesamtkapazität.

In zehn Minuten voll
Ebenfalls ideal für den Einbau in Elektromobile ist die kurze Ladezeit: Wer den Lightning an eine Drehstromquelle anschließt, soll den ,Tank" in etwa zehn Minuten fast komplett befüllen können. Zudem sind die Power-Packs extrem langlebig: Lightning will auf die Akkus eine Garantie von zwölf Jahren geben und verspricht eine Speicherkapazität von mindestens 85 Prozent selbst nach 15.000 Ladevorgängen. Die Produktion des GT soll noch in diesem Jahr anlaufen, die ersten Auslieferung im Jahr 2009 erfolgen. Der in London vorgestellte GT ist zwar noch ein Vorserienmodell, ist aber voll funktionstüchtig und wurde bereits ausgiebig auf der Rennstrecke getestet. Was der britische Sportwagen kosten wird, ist derzeit noch nicht genau bekannt. Vermutet wird allerdings, dass der Verkaufspreis bei deutlich über 200.000 Euro liegen dürfte.

Bildergalerie: Lightning GT: 650 E-PS