Außerdem dabei: Der XFR und das Facelift des XK

Das tausendfach heraufbeschworene Krisenjahr 2009 beginnt messemäßig für die Autoindustrie im nasskalten Detroit. Auf der NAIAS (North American International Auto Show) zeigt die Branche vom 11. bis 25. Januar 2009, was gerade geht. Und Jaguar lässt es krachen: Ein neuer 510-PS-Motor macht jetzt dem facegelifteten XKR und dem neuen XFR Beine.

Deutsche Vorgaben
Es mag zeitlich noch so deplaziert erscheinen, Jaguar führt in Sachen Motorisierung nur den deutschen Weg nach: Der BMW M5 macht sich mit 507 PS ans Werk, der Mercedes E 63 AMG greift auf 514 PS zurück und der Audi RS6 tut es mit 580 PS. Bei den Briten dauern die Entwicklungen immer etwas länger, nun ist es soweit: Als neue Top-Motorisierung steht ein 5,0-Liter-V8-Benziner mit Doppel-Vortexkompressor bereit. Das Aggregat ersetzt den bisher verwendeten 4,2-Liter-Motor, der mit seinen 416 PS anscheinend nicht als konkurrenzfähig galt. Downsizing sieht zwar anders aus, aber immerhin: Das neue Triebwerk ist kompakter als sein Vorgänger und soll trotz erheblichem Leistungsplus etwas weniger verbrauchen als der alte Kamerad, welcher mit 12,5 Liter pro 100 Kilometer dabei ist. Den frischen Motor gibt es auch ohne Kompressor-Walzen, dann müssen 385 PS genügen – so tut sich eine recht große Leistungs-Spanne von 125 PS auf.

In XKR und XFR
Die R-Modelle stellen bei Jaguar die sportlichsten Fahrzeugvarianten. Zweimal wird das ,R" neu: Der XKR erfährt ein Facelift, und eine R-Variante vom XF gab es bisher nicht. Das schicke Sportcoupé XKR beschleunigt mit dem neuen 5,0-Liter-Motor in 4,8 Sekunden von null auf 100 km/h – mit dem alten Aggregat hat das noch 5,2 Sekunden gedauert. Beim XFR geht's in 5,7 Sekunden zum dreistelligen Tacho-Bereich, 0,3 Sekunden schneller als beim XF SV8 4.2 Supercharged. Das Drehmoment wächst von 560 auf 625 Newtonmeter, wovon der Durchzug insgesamt profitieren soll.

Die Technik dahinter
Die neuen Aggregate arbeiten mit Direkteinspritzung – bisher musste hier eine Saugrohreinspritzung ran. Außerdem hilft eine variable drehmomentgesteuerte Ventilsteuerung, die Verbrennung zu optimieren. Der 385-PS-Sauger arbeitet zudem mit variablem Ventilhub – BMW hat das beispielsweise schon lange, jetzt nutzen auch die Briten diese Möglichkeit. Das Gewicht der 5,0-Liter-Motoren soll nahezu identisch sein mit dem der 4,2-Liter-Maschinen, wobei die neuen Kraftwerke wegen der Verlegung der Ölpumpe 24 Millimeter kürzer ausfallen als ihre Vorgänger. Für die Weiterleitung der Kraft sorgt eine neue Sechstufen-Automatik von ZF, welche ihre Befehle vollelektronisch (shift by wire) erhält.

XK und XKR aufgefrischt
Die Änderungen im Aussehen des XK sind beinahe dezent: Der Stoßfänger wirkt breiter, ohne es wirklich zu sein, rechts und links lassen senkrechte Schlitze kühle Luft zur Wagentechnik. Ein Touch von Hochwertigkeit kommt durch chromeingefasste Fenster auf. Neue LED-Rückleuchten sollen für eine nette Nachtgrafik sorgen, zumal jetzt zwei Rückfahrleuchten statt bisher eine das Rückwärtsfahren erhellen. Ebenfalls im Trend: In den Außenspiegeln gibt auch der XK per LED-Band seine Fahrtrichtung an. Beim XKR bekommt zusätzlich der untere Grilleinsatz einen Chromüberzug. Außerdem fällt er durch seine tiefer gezogene Heckschürze und die Vierrohr-Auspuffanlage auf. Der bisherige XKR protzte zudem durch seine schwarzen beziehungsweise in der Portfolio-Version roten Bremssättel. Die neuen XK zeigen sich etwas zurückhaltender in einem sanften Anthrazit. Der vergleichsweise riesige Haifisch-Antennenstummel für Radio und Navigation ist zum Heckspoiler runtergerutscht. Kurz vor der Luft-Abrisskante hat er halt gemacht und sieht an dieser Stelle gewöhnungsbedürftig aus.

Auch innen was Neues
Sicher am auffälligsten in der Kabine des XK: Auch hier wählt der Fahrer jetzt die Gänge per ausgesucht präsentem Edelstahl-Drehschalter. Zum ersten Mal machte diese Apparatur im XF Furore. Das Einstellen der Gänge per Drehregler ist anfangs gewöhnungsbedürftig, funktioniert dann aber ganz gut. Wer einen BMW-i-Drive-Schalter kennt, muss sich allerdings erstmal mit der auffälligen Funktionsarmut des riesigen Knopfes abfinden. Ansonsten bleibt zu hoffen, dass Jaguar das Facelift auch dazu nutzt, kleine Liederlichkeiten bei der Innenraumverarbeitung endgültig abzustellen – bei Passungen und Spaltmaßen gibt es da noch Spielraum.

Dreiliter-Diesel für den XF
Bisher stand für den XF ein 2,7-Liter-Diesel mit 207 PS zur Verfügung. Der zusammen mit Peugeot entwickelte Motor läuft zwar ausgesprochen kultiviert, aber das letzte Quäntchen Durchzugs-Punch fehlte immer noch. Jetzt haben sich die Ingenieure das Aggregat vorgenommen und den Hubraum auf 3,0 Liter vergrößert. Dank Registeraufladung mit zwei unterschiedlich großen Turboladern, von denen der große verstellbare Schaufeln hat und der kleine in einem abschaltbaren Bypass läuft, machen sich jetzt 275 PS ans Werk. Peugeot hat mit dieser Weiterentwicklung nichts zu tun, das Aggregat steht exklusiv Jaguar und später sicher auch Land Rover zur Verfügung.

On the top: Der neue XFR
Der XF führt Jaguar konsequent in die Moderne, weg vom Retro-Touch. Was ihm noch fehlte, war eine R-Variante. Diese wird nun in Detroit nachgeschoben. Große, tief liegende Lufteinlässe vorn passen im Gesamtauftritt zu den 20-Zoll-Felgen und den zusätzlichen Luftöffnungen auf der Motorhaube, wie wir sie schon vom XFR kennen. Um vom XF zum XFR zu werden, muss der Wagen 30 Millimeter näher an den Asphalt rücken, was von einem neu gestalteten Seitenschweller unterstrichen wird. Das Ende vom Maschinen-Lied bildet eine Vierrohr-Auspuffanlage. Im Verborgenen werkeln das vom XKR übernommene Hinterachs-Differenzial sowie ein adaptives Fahrwerk. Die der immensen Motorleistung angepassten Bremsen kommen wie im XKR mit anthrazitfarben lackierten Bremssätteln daher. Innen neu: Die an die eigene Rückenbreite optimal anpassbaren Seitenwangen der Sitzlehnen.

Das will Jaguar dafür
Der neue XK kostet mit 5,0-Liter-V8 ab 88.900 Euro, für den XKR werden 103.900 Euro aufgerufen. Das XK Cabrio geht mit 5,0-Liter-Maschine bei 97.100 Euro los, mit einem zusätzlichen R sind 112.100 Euro fällig. Beim XF mit neuem V8 will Jaguar mindestens 68.200 Euro, für den brandneuen XFR gehen 89.900 Euro über den Ladentisch. Und den gespannt erwarteten neuen XJ heben sich die Briten für die Messehighlights 2009 auf: Entweder steht er im Frühjahr auf dem Genfer Autosalon oder zeigt sich erstmals im Herbst auf der IAA in Frankfurt.

Bildergalerie: Volle Pulle nach Detroit