Volksfahrzeug auf der Auto Expo in Neu-Delhi vorgestellt

In gewisser Weise erinnert die Verkehrssituation im heutigen Indien an die Lage im Deutschland der fünfziger Jahre. Damals wie heute strebte ein Großteil der Bevölkerung nach automobiler Fortbewegung beziehungsweise einem Motorrad-Ersatz. Diesen Umstand nahm der indische Tata-Konzern zum Anlaß, um das billigste Auto der Welt zu konzipieren.

Geräumig und komfortabel
Das neue Minimalauto namens Nano stellt laut Tata einen geräumigen Innenraum mit ausreichend Bein- und Kopffreiheit bereit. So erklärt sich auch die etwas gewöhnungsbedürftige, sehr hohe Karosserieform des Fahrzeugs, das auch ,People's Car" genannt wird, auf deutsch ,Volksauto". Der Nano ist 3,10 Meter lang, 1,50 Meter breit und 1,60 Meter hoch, um möglichst viel Platz auf wenig Grundfläche zu ermöglichen. Auch die sehr kleinen Räder erklären sich durch den Grundsatz der Raumökonomie.

Antrieb durch Heckmotor
Nicht nur im Namen, den man auch mit ,Volkswagen" übersetzen kann, weist das ,People's Car" Parallelen zu seinem deutschen Namensvetter auf. Genau wie einst der Käfer befindet sich auch beim Tata der gesamte Antrieb im Heck. Es handelt sich dabei um einen Zweizylinder-Benziner aus Vollaluminium mit einem Hubraum von 623 Kubikzentimeter, der mittels einer Multi-Point-Benzineinspritzung 33 PS bereitstellt. Erstmals wird ein Zweizylinder mit nur einer Ausgleichswelle in einem Automobil verbaut. Für die Zukunft soll es auch eine Dieselversion geben.

Umweltfreundlich und sicher
Tata betont, dass das neue Fahrzeug die zurzeit in Indien geltenden Sicherheitsvorschriften erfüllt. Obwohl Airbags nicht serienmäßig sind, soll eine feste Fahrgastzelle mit Knautschzonen das Überleben der Insassen sichern. Auch in Sachen Umweltfreundlichkeit soll der Nano besser dastehen als aktuelle Zweiräder aus indischer Produktion. Der geringe Verbrauch sorgt für niedrige CO2-Emissionen, verspricht Tata.

Zwei Versionen zur Auswahl
Angeboten wird das Minimal-Auto in zwei Varianten: Die Standard-Version ist betont einfach gehalten. Sie ist an den unlackierten Stoßfängern zu erkennen und soll in Indien für 100.000 Rupien erhältlich sein, umgerechnet etwa 1.750 Euro. Darüber hinaus sind zwei Luxusvarianten mit Klimaanlage geplant. Vorgesehen ist der Tata Nano bislang nur für Indien und andere Schwellenländer Asiens, jedoch wird über einen weitergehenden Export bereits nachgedacht. Die Einführung in Indien soll im Laufe des Jahres 2008 erfolgen, Tata plant eine Jahresproduktion zwischen 250.000 und 500.000 Einheiten pro Jahr, langfristig sind sogar eine Million Fahrzeuge jährlich möglich.

Umstieg auf das Auto für viele indische Familien
Tata möchte mit dem neuen Nano jenen indischen Familien, die sich bislang auf Motorrädern und Motorrollern fortbewegen, ein festes Dach und mehr Platz bieten. Ratan N. Tata, Vorstandsvorsitzender der Tata-Gruppe, schildert eine typische Straßenszene: ,Ich beobachtete Familien, die auf Zweirädern saßen – der Vater lenkte den Motorroller, seine Frau saß hinter ihm und hielt das Baby." Solche Zustände waren schließlich ausschlaggebend für die vier Jahre währende Entwicklung des Nano.

Bildergalerie: Tata Nano: Der Minimalist