280 PS stark, 1.350 Kilo schwer: Neuer Lotus nimmt den Porsche 911 aufs Korn

Die Wartezeit für Lotus-Fans hat ein Ende: Auf der British Motor Show 2008 präsentierten die Sportwagenbauer erstmals ihren kommenden Mittelmotorsportler in 2+2-Konfiguration – den ersten neuen Lotus seit Markstart der Elise vor 13 Jahren. Den Arbeitstitel des neuen Top-Modells, Eagle, warf Lotus bei dieser Gelegenheit ebenfalls über Bord: Der Sportwagen wird Mitte 2009 mit dem Kunstnamen Evora in den Verkauf starten.

Designed by Lotus
Der flache Flitzer ist deutlich größer als Elise und Co.: Mit einer Außenlänge von knapp über 4,30 Meter nimmt der Evora etablierte Konkurrenten wie Porsche Cayman oder 911 aufs Korn. Die äußere Hülle mit den typischen Lufteinlässen auf der Front und dem Aero-Bürzel am Heck ist einerseits typisch Lotus, andererseits auch völlig neu: Die flache Schnauze mit den bündig integrierten Scheinwerfern hat beispielsweise so gar nichts mit dem Insekten-Look von Elise und Exige am Hut, sie erinnert eher an den Ferrari F430. Insgesamt wirkt der Neue deutlich reifer und seriöser als die Spaßmobile, die aktuell in Hethel entstehen.

V6-Herz von Toyota
Auch beim Thema Technik distanziert sich der Evora klar von seinen kleineren Geschwistern. Als Antriebsquelle kommt kein Vier- sondern ein Sechszylinder zum Einsatz. Aus 3,5 Liter Hubraum soll der V6 rund 280 PS schöpfen. Genau wie die kleineren Aggregate von Elise und Exige stammt auch dieser Motor vom japanischen Autoriesen Toyota und verfügt über die variable Ventilsteuerung VVT-i. Die Asiaten verbauen eine etwas schwächere Version dieser Maschine in der Mittelklasse-Limousine Camry, die in Deutschland bekanntlich nicht mehr ausgeliefert wird. Bei den Fahrleistungsangaben ist Lotus recht optimistisch. Als Schätzwerte nennt der Hersteller einen Topspeed von knapp 260 km/h, den Sprint von null auf 60 Meilen pro Stunde (96 km/h) soll der Evora in unter fünf Sekunden absolvieren.

Kein Raumwunder
Wie bei 2+2-Sitzern üblich, wird das Raumangebot im Fond nicht gerade üppig ausfallen. Lotus empfiehlt die Rücksitze gerade mal für den Transport von ,Kindern oder kleinen Erwachsenen" über kurze Strecken. Immerhin wird der Sportwagen auf den beiden Notsesseln Isofix-Befestigungen für Kindersitze bieten und 160 Liter Ladegut schlucken – und ja: Auch Golfbags sollen ins Gepäckabteil hinein passen. Für Kinderlose will Lotus übrigens eine rein zweisitzige Version nachreichen: Hier werden die Rücksitze durch eine zusätzliche Ablagefläche ersetzt.

Ganz schön luxuriös
Der Innenraum und die Ausstattungsliste dürften Lotus-Fans der alten Schule wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen: Recaro-Lederschalen inklusive Verstellung für den Beifahrersitz, ein Festplatten-Navi, Klimaautomatik, Servolenkung, Handschuhfach, Cupholder und sogar elektrisch anklappbare Spiegel wollen die Leichtbau-Experten ihrem neuesten Produkt mit auf den Weg geben. Dass sich soviel Luxus auch auf die Gewichtsbilanz durchschlägt, dürfte klar sein: 1.350 Kilogramm soll ein halbwegs gut ausgestatteter Evora auf die Waage bringen. Im Vergleich mit der Konkurrenz ist das noch immer ein äußerst respektabler Wert: Ein Porsche 911 etwa ist 1.490 Kilogramm schwer. Die Puristen dürften sich allerdings nicht ganz zu unrecht die Frage stellen, ob dieser Lotus sich überhaupt noch wie ein Lotus anfühlen wird: Immerhin wiegt ein aktueller Exige S mit 243 PS nur 935, die Elise R mit 192 PS gerade mal 860 Kilogramm. Der Lohn der Zusatzpfunde ist ein Innenraum, der auch für längere Strecken geeignet sein dürfte. Schon auf den Bildern wirkt das Evora-Interieur deutlich geräumiger und komfortabler als die winzigen Sitzhöhlen der übrigen Lotus-Modelle. Ein spaciges Armaturenbrett mit stylishen Metallknöpfen lässt das Cockpit zudem äußerst wertig wirken.

ESP serienmäßig
Beim Thema Sicherheit kündigt Lotus ein echtes Novum an: Der Evora soll nämlich nicht nur ABS und Traktionskontrolle bieten, sondern als erster Lotus auch mit ESP ausgerüstet werden. Das System wurde in Zusammenarbeit mit Bosch entwickelt und für eine möglichst sportliche Fahrweise optimiert.

Günstiger als ein 911
Der Verkauf startet im Sommer 2009 mit der Coupé-Version. In Planung sind derzeit noch mindestens zwei weitere Ableger: Lotus kündigt bereits jetzt ein Cabriolet und eine Hochleistungsvariante an. Wie viel der Spaß kosten soll, ist noch nicht genau bekannt. Derzeit wird von einem Einstandspreis um 70.000 Euro gesprochen. Damit läge der Brite ziemlich genau zwischen dem zweisitzigen Cayman und dem 2+2-Sitzer Porsche 911 Carrera. Allerdings dürfte er das deutlich exklusivere Auto werden: Da die Engländer pro Jahr lediglich 2.000 Stück ihres neuen Top-Modells produzieren wollen, sollten sich ernsthafte Interessenten bereits jetzt um einen Kaufvertrag bemühen.

Alle Infos: Lotus Evora