Freestyle-Snowboarder hängen bei 70 km/h am Seil

Den Jungs hängt der Schritt gerade mal zwei Zentimeter über dem matschigen Boden. Seit Jahren durfte sich kein Friseur mit ihren Haaren beschäftigen und ihre Mützen müssen ganz dringend anders aussehen als andere Mützen. Die Rede ist vom Nitro-Pro-Team. Junge Leute, die für ihren Sponsor 200 Tage im Jahr auf dem Snowboard stehen, um während ihrer Airtime maximal gut auszusehen. Airtime, die Zeit, in der die Jungs fliegen.

Turn to the Kickers
Ein Jeep machts möglich: Beim 4 wheelboard contest werden Skifahrer an einem Seil hinter einem Jeep hergezogen. Anmelden kann sich jeder, aber die 50 gemeldeten Wettkämpfer haben schon alle ein wenig Freestyle-Erfahrung. Gut so. Schließlich rast der Jeep Grand Cherokee mit 70 km/h in die Kurve. Ausgesprochen unscheinbare Spikes sorgen dafür, dass der Jeep auf Eis und weichem Schnee seinen Grip behält. Die Piste heißt hier Track und ist ein Oval mit Kickern, Rails und Quarterpipes am äußeren Rand. Und diese Hindernisse gilt es möglichst kreativ zu nutzen.

Routiniert in der Luft stehen
Das Seil ist gespannt, der Jeep zieht mit 510 Newtonmeter unerbittlich nach vorne. Das erste Rail, also eine Art Treppengeländer, naht. Kein Problem für den gezogenen Sportler, der mit einem kleinen Satz auf die Stange springt und dann im guten Gleichgewicht auf dieser entlang rutscht. Dabei behält er das Seil in der Hand, schließlich ist die Runde noch nicht zu Ende. Da wartet schon die Quarterpipe. Diese halbrund ausgeformte, nach oben senkrecht zulaufende Erhöhung aus Schnee, fährt der Skifahrer hinauf, um dann elegant an der Kante entlang zu sliden – man bedenke: Nichts ist so einfach, wie es aussieht. Und das dicke Ding wartet ganz am Ende. Der Jeep schleudert den Mann am Seil heftig um die Ecke auf einen drei Meter hohen Hügel zu. Der Berg heißt Kicker. Hier lässt der Athlet die Zügel los und ballert mit dem gewonnenen Schwung die Schanze hoch, verliert die Bodenhaftung und fliegt – Airtime-Time. Hier oben werden dann die spektakulären Figuren geflogen, gerne mal mit einem ,Grab", also einem Griff, beispielsweise zum Board, oder einem schneidigen Spin, also einer Drehung.

Sport im Wandel
Beim Training und bei der Qualifikation sieht alles ganz spektakulär aus, aber am nächsten Tag empfängt uns frühlingshafte Milde. Es ,zieht nicht mehr an" wie der Schnee-Verrückte gerne sagt, der gesamte Untergrund ist so sulzig, dass jeder Sportler eine Wasserspur hinter sich herzieht. Nicht, dass ein echter Jeep mit diesen Bedingungen grundsätzliche Probleme hätte, aber 70 km/h in der Kurve sind jetzt doch zu gefährlich. Klimawandel hin oder her, diesmal wird es nichts mit einem Wettkampf. Die Angemeldeten ziehen enttäuscht ab, und auch die sympathischen Jungs vom Nitro-Pro-Team wollen noch nicht so richtig weg. Ein paar Sprünge für die Galerie, dann geht's auch für sie nach Hause. Aber der 4 wheelboard contest zieht jedes Jahr mehr Zuschauer an, vielleicht sind wir ja beim Entstehen eines neuen Kults dabei.

Jeep 4 wheelboard contest