Wir haben uns mit dem Marketing-Manager für Tesla Europa unterhalten

Wir gehören zu den Ersten, die in Europa den Elektrosportwagen Tesla Roadster ausprobieren dürfen. Zum Zeitpunkt unserer Testfahrt und unseres Gesprächs mit Tesla-Europa-Marketing-Chef Aaron Platshon läuft bereits die Produktion des Tesla Roadster. Man merkt sofort, dass die Firma aus dem Silicon Valley stammt und ihr Mitbegründer Elon Musk seine ersten Millionen mit Software gemacht hat (etwa mit der Bezahlsoftware ,PayPal"). Die neueste Variante des Elektro-Wagens nennt sich schlicht ,1.5".

Top Leute aus der Branche
Zurzeit geht Tesla selbstbewusst und mit Riesenschritten voran. So wurden einige Topleute aus der amerikanischen Automobilindustrie an Bord geholt, um zum Beispiel Design, Produktion und Vertrieb in hoher Qualität abzuwickeln. Soeben kam Franz von Holzhausen an Bord, der zuvor Designdirektor von Mazda Nordamerika war. Er soll das Auto-Designstudio aufbauen. Von Holzhausen entwickelte für Mazda die Designstudien Nagare und Furai. Zuvor arbeitete er bei General Motors an der Entwicklung des Saturn Skye und des Pontiac Solstice mit – die deutsche Version dieser beiden weitgehend baugleichen Fahrzeuge ist als Opel GT unterwegs. Von Chrysler holte sich Tesla Mike Donoughe als Produktionschef und von Ford kam Deepak Ahuja, der nun das Finanzressort bei den Kaliforniern leitet. Gründer Musk ist bei Tesla mit 55 Millionen US-Dollar involviert. Außerdem ist er noch an SpaceX beteiligt. Das Unternehmen will im Auftrag der Nasa den Nachfolger des Space-Shuttles bauen und Menschen preiswert ins All befördern.

Schwarzenegger greift ein
Anfang August 2008 kündigte Tesla anlässlich einer Pressekonferenz mit Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger die künftige Produktion preiswerterer Elektrofahrzeuge an. Schwarzenegger hatte sich darüber geärgert, dass Tesla für die Produktion einer rein elektrisch betriebenen Mittelklasse-Limousine, des Tesla 2, ein Werk in Mexiko errichten wollte. Daraufhin stellte er ein Maßnahmen- und Subventionspaket zusammen, worauf Tesla die Errichtung des geplanten Werkes in Kalifornien bekannt gab. Bei der Gelegenheit kündigte Unternehmensgründer Musk dann gleich den Tesla 3 an – ein erschwingliches Auto für zirka 30.000 US-Dollar (umgerechnet zurzeit 20.000 Euro). Es könnte bereits in etwa vier Jahren auf den Markt kommen.

AutoNEWS sprach in München mit Aaron Platshon, der für Marketing und Vertrieb in Europa zuständig ist, über die Entwicklung des Tesla Roadsters, über dessen anlaufende Produktion, über die Modelle Tesla 2 und 3 und über das Vertriebsmodell in Europa.

AutoNEWS: Herr Platshon, wie steht es um die Serienproduktion des Tesla Roadster?

Aaron Platshon: Die Produktion startete im März 2008 mit sehr geringen Stückzahlen. Wir lassen die Produktion zunächst sehr langsam steigen. Im Moment bauen wir vier Autos pro Woche. Diese Zahl werden wir im September auf zehn pro Woche ausbauen. Und im Dezember/Januar wollen wir das auf mindestens 40 Autos pro Woche erhöhen. Bisher sind 40 Autos gebaut worden. Zehn davon sind bereits an Kunden ausgeliefert worden, die damit bereits in den USA fahren, und die anderen 30 gehen jetzt auch an die Kunden.

AutoNEWS: Wo werden diese Autos produziert?

Aaron Platshon: Die Fahrzeuge werden von Lotus in England für uns gebaut. Alle Einzelteile gehen daher nach Hethel in England und werden dort montiert – mit Ausnahme des Antriebstrangs. Lotus baut also ,Gleiter", rollende Chassis mit Fahrwerk und Interieur. Diese werden dann nach Kalifornien verschifft, wo Batterien, Motor und Getriebe eingebaut werden.

AutoNEWS: Woher kommen die Batteriezellen?

Aaron Platshon: Die Batteriezellen liefert ein großer japanischer Hersteller. Wir geben dessen Namen nicht bekannt, aber es gibt nur fünf Anbieter dieser Art. Wir sehen uns natürlich ständig nach Alternativen um.

AutoNEWS: Wer sind die ersten zehn Kunden, an die ein Fahrzeug ausgeliefert wurde, es gibt ja in den USA bereits eine lange Liste von Vorbestellungen?

Aaron Platshon: Die ersten 25 Autos bilden die ,Gründer"-Serie. Sie gehen an Leute, die früh in Tesla investiert haben. Auch diese müssen das Auto aber kaufen. Danach wird die ,Signature 100"-Serie an Kunden ausgeliefert, die nicht mit Tesla in Verbindung stehen. Darunter finden sich einige Prominente. Das allererste Auto ging an Firmengründer Elon Musk.

AutoNEWS: Wie lange wird es dauern, bis die neue Fabrik in Kalifornien startet und die rein elektrisch betriebene Mittelklasse-Limousine Tesla 2 ausstößt?

Aaron Platshon: Da haben wir einen sehr kurzen Entwicklungsprozess. Der Produktionsstart ist bereits für Ende 2010 vorgesehen.

AutoNEWS: Ihr Firmengründer Elon Musk hat bei der Pressekonferenz mit Gouverneur Schwarzenegger ein weiteres Fahrzeug angekündigt: den Tesla 3 für unter 30.000 US-Dollar (20.000 Euro). Und er sagte, der komme viel schneller, als alle denken würden. Vielleicht schon in vier Jahren?

Aaron Platshon: Ich glaube, das wäre ein sehr ambitioniertes Ziel. Aber es gibt andere Wege, zu einem solchen Fahrzeug zu kommen. Wir werden den Roadster und die Limousine bauen und auch ein noch preiswerteres Fahrzeug. Doch parallel dazu könnten wir unseren Antriebsstrang auch an Unternehmen verkaufen, die bereits die Kapazität haben, hunderttausende preiswerte Autos für den Massenmarkt zu fertigen und mit unserem Antrieb zu versehen. Die Wagen würden dann mit dem Markenzeichen ,powerd by Tesla" daherkommen. Wir sprechen zurzeit mit mehreren großen Automobilherstellern darüber.

AutoNEWS: Wie werden die ersten Autos aussehen, die für Europa gebaut werden, und was kosten diese?

Aaron Platshon: Der Basispreis in den USA für das 2009er-Roadster-Modell beträgt 109.000 Dollar (72.000 Euro). In Europa werden wir zunächst eine besondere Signature Edition von 250 Fahrzeugen auflegen und ab Mai 2009 ausliefern. Diese werden serienmäßig mit allen verfügbaren Optionen ausgerüstet sein, inklusive eines verstellbaren Fahrwerks und einer Volllederausstattung. Diese Fahrzeuge können ab sofort in Deutschland zum Preis von 117.810 Euro bestellt werden.

AutoNEWS: In den USA gibt es zurzeit zwei Tesla-Stores, wo man die Fahrzeuge in Augenschein nehmen und kaufen kann. Die Anzahl der Stores soll demnächst auf sechs erhöht werden. Was ist in Europa geplant?

Aaron Platshon: In Europa werden wir das gleiche Modell mit firmeneigenen Stores umsetzen. Auf dem Santa Monica Boulevard haben wir zum Beispiel ein Geschäft im Stil einer Luxus-Boutique oder eines gehobenen Night-Clubs eröffnet, das ein besonderes Tesla-Erlebnis bietet und nicht wie ein klassisches Autohaus wirken soll. Mit deren Warteraum-Mentalität haben zu viele Leute schlechte Erfahrungen gemacht. In den Tesla-Stores arbeiten Tesla-Angestellte, die ein großes Interesse an gutem Service und zufriedenen Kunden haben. Jeder Käufer kann gerne seine Freunde und Bekannten in den Laden mitbringen und sollte sich natürlich nach Möglichkeit auch später wieder für ein Modell von Tesla entscheiden.

AutoNEWS. Wo sind die ersten europäischen Tesla-Stores geplant?

Aaron Platshon: Wahrscheinlich wird ein Store in der Nähe von London errichtet, dann einer an der Cote d'Azure in Frankreich – für die Pariser, die das Auto in ihrer bevorzugten Erholungsregion fahren möchten. Auch in Kopenhagen oder Oslo ist aufgrund der jetzigen Nachfrage und der günstigen Steuern für Elektroautos ein Store denkbar. Deutschland sehen wir als unseren größten Markt in Europa an. Audi-, BMW- und Mercedesfahrer sind sehr an der Technik interessiert, sie fahren gerne und verstehen ihr Auto, das kommt uns entgegen. Wir können uns im Moment Stores in Hamburg und München vorstellen.

AutoNEWS: Wie viele Autos wurden bisher von deutschen Kunden bestellt?

Aaron Platshon: Für ganz Europa liegen ungefähr 100 Bestellungen vor. Wir sind jetzt zum ersten Mal in Deutschland, und Sie von der Presse fahren das Auto noch vor unseren Kaufinteressenten, die nach Ihnen bei uns vorbei schauen werden – dann wissen wir mehr.

AutoNEWS: Wie wollen Sie den Service für die Autos sicherstellen?

Aaron Platshon: Wir werden versuchen, das selbst auf die Beine zu stellen, aber es ist auch nicht auszuschließen, dass wir uns der Dienste Dritter bedienen, um verschiedene Service-Leistungen anzubieten. Unsere eigenen Leute werden problemlos mit der Hochvolt-Technologie umgehen und besonders gut auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen können. Bis zur ersten Auslieferung von Fahrzeugen in Europa werden erfahrene Mechaniker zur Verfügung stehen, die von renommierten Automarken kommen und bei Tesla in Kalifornien geschult werden.

AutoNEWS: Gibt es eine Garantie auf die Autos?

Aaron Platshon: Wir geben eine Garantie für drei Jahre beziehungsweise 60.000 Kilometer. Gegen Aufpreis kann dies auf vier Jahre und weitere 30.000 Kilometer erhöht werden. Der Preis dafür steht aber noch nicht fest.

AutoNEWS: Herr Platshon, Danke für das Gespräch.

(Das Interview führte Peter Hoffmann, Chefredakteur AutoNEWS.)

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