Von ihrem Modern-Wagen XF werden die Engländer eine Sport-Variante auflegen

Death Valley (Kalifornien/USA), 14. August 2008 – Die Luft schwirrt vor Hitze, trotz 49 Grad im Schatten bewegen sich Touristen-Ströme zu Fuß über den glühenden Asphalt. Unbemerkt schiebt sich ein ganz besonderes Vehikel aus der Schar von Avis-, Alamo- und Hertz-Mietwagen: ein Jaguar XFR. Nur unser Erlkönig-Fotograf hat aufgepasst und ohne zu Zögern auf den Auslöser gedrückt. Schauen wir uns den stärksten XF mal genauer an.

Der fehlte noch
Mit dem Zusatz ,R" schmückt Jaguar jene Modelle, die wegen ihrer Extra-Portion PS das obere Ende der Motorisierungs-Palette ausmachen. Vom schicken Sportwagen XK gibt es eine 416-PS-starke Variante, der Old-School-XJ muss in der R-Version mit 395 Pferdestärken auskommen. Dass auch das Einstiegsmodell X-Type und die limitierte Oberklasse-Limousine Daimler mit einem ,R" daherkommen werden, ist im Moment höchst unwahrscheinlich – aber der XF braucht diesen Buchstaben. Schließlich verkörpert er Jaguars Zukunfts-Hoffnungen, weg vom Retro-Style hin zur Moderne.

Über 500 PS?
Optisch gibt unser Erlkönig nur was her, wenn wir ganz genau hinsehen. So hat der in New Jersey zugelassene Linkslenker abgeklebte Luftöffnungen auf der Motorhaube, die teilweise wegen der nötigen Luftzufuhr wieder aufgerissen werden mussten. Beim XKR tragen diese Löcher am Rand die Gravur ,Supercharged" – sie sind die Nasenlöcher des Kompressors. Einen XF mit Kompressor gibt es aber schon: Der Jaguar XF SV8 ist dank Aufladung mit 416 PS unterwegs. Diese holt er ohne die besagten Atemöffnungen aus einem 4,2-Liter-V8. Der XFR wird somit mindestens 4,8 wenn nicht gar 5,0 Liter Hubraum sein eigen nennen und vielleicht knapp über 500 PS erreichen. Schließlich geht die versammelte deutsche Konkurrenz auch nicht gerade schwachbrüstig zur Arbeit: Der BMW M5 machts mit 507, der Mercedes E63 AMG mit 514 und die neue Audi-RS6-Limousine mit 580 PS.

Tiefer, härter, vierfach
Jeder Läufer weiß es: Ohne das richtige Schuhwerk braucht man gar nicht erst antreten. Und so streift sich der XFR 20-Zoll-Leichtmetallfelgen über. In diesen Felgen werden üppiger dimensionierte Bremsscheiben mit der kinetischen Energie fertig werden müssen als im XF. Außerdem sieht man dem R-Modell seine innige Beziehung zum Asphalt an, es liegt tiefer als die Serie. Am Heck fällt die mit doppelten Endrohren protzende Abgasanlage auf – bisher gibt es den XF nur mit jeweils einem breiten Endrohr rechts und links. Der noch notdürftig mit Klebeband gehaltene untere Teil des Heckschwellers wird sicher durch einen speziellen Diffusor ersetzt. Auch der Frontschweller wird etwas aggressiver gestaltet sein als beim Serien-Pendant.

Wann kommt er?
Im Death Valley ist der XFR mit dem augenzwinkernden Nummernschild ,DTM" unterwegs. Wann kommt er zu uns auf die Straße? Auf dem Goodwood Festival of Speed (11. bis 13. Juli 2008) wurde er getarnt gesichtet, aber die anschließende British International Motor Show (23. Juli bis 3. August 2008) hat er verpasst. Und in Paris (4. bis 19. Oktober 2008) gucken alle zum neuen VW Golf. Anbieten würde sich die immer mehr an Bedeutung gewinnende L.A. Auto Show (21. bis 30. November) oder halt zur ungemütlichen Jahreszeit Amerikas größte Automesse, die North American Auto Show in Detroit (17. bis 25. Januar 2009). Auch zu den Preisen gibt es zurzeit nur Gerüchte, der Wagen könnte zum Kampfpreis von knapp über 90.000 Euro debütieren. Schließlich werden für den BMW M5 93.500, für den Mercedes E63 AMG 99.187 und den Audi RS6 106.900 Euro aufgerufen.

Das ,R", das noch fehlte