Die Geschichte des Autositzes bei Opel von 1899 bis 2008

Die Automobilisten der ersten Stunde thronten noch auf dem Kutschbock. Es dauerte Jahrzehnte, bis Komfort und Sicherheitsfeatures wie Kopfstützen oder leicht bedienbare Längseinstellungsmöglichkeiten Einzug in die Serienfertigung hielten. Heutzutage steckt in Autositzen jede Menge Hightech und bis zu 12 Prozent der Produktionskosten eines Fahrzeugs sind der Fertigung der Sitze geschuldet. Im Opel-Forum in Rüsselsheim konnten wir uns durch die automobile Gestühlgeschichte von 1899 bis 2008 sitzen.

Eine wahre Folterbank
Im Jahre 1899 wurde das aller erste Opel Automobil gefertigt: der Opel Patent Motorwagen System Lutzmann. Das Fahrzeug leistete 3,5 PS und erreichte eine Spitzengeschwindigkeit von zirka 20 km/h. Karosserie und Sitze erinnern eher an eine Kutsche als an ein Auto. Die Sitzposition ist extrem aufrecht und hoch. Verstellmöglichkeiten gibt es natürlich keine und trotz nobler Lederpolsterung sitzt der Fahrer im Prinzip auf einem weichen Brett. Dementsprechend unbequem thront es sich auch auf dem Lutzmann. Wer mit diesem Gefährt länger als eine halbe Stunde fahren musste, stieg definitiv mit Rückenschmerzen wieder ab.

Der Opel 4/20
Nichts wie runter von der Folterbank und rein in den schicken Opel 4/20. Der Wagen gehörte zu der so genannten Laubfrosch-Serie und wurde in den Jahren 1929 bis 31 produziert. Die Sitze des kleinen Zweisitzers bestehen immer noch aus einer fest fixierten Bank, jedoch ist die Position stark nach unten gewandert. Während wir im Lutzmann noch wie auf einem Stuhl sitzen und die Beine gerade auf dem Boden stellen müssen, ist das Gestühl im 4/20 schon wie in heutigen Autos angebracht. Aber weiterhin fehlen Verstellmöglichkeiten und auch nach einer Oberschenkelauflage suchen wir vergeblich. Unser Fazit für die 4/20-Sitze: Interessanter Anschauungsunterricht, aber wir sind froh, wieder aussteigen zu dürfen.

Der Opel Olympia
Die Zeitreise führt uns weiter ins Jahr 1950 zum Opel Olympia. Die zweitürige Cabrio-Limousine wartet mit einer bequemeren Sitzposition auf. Nun können wir das Gestühl sogar in der Länge verstellen. Natürlich ist die Art und Weise, wie das gemacht werden muss, äußert rudimentär und kompliziert – aber es funktioniert. Diese Konstruktion gestattet es größeren und kleineren Fahrern, beinahe gemütlich voranzukommen. Außerdem gibt es im Olympia sogar die Möglichkeit, die Lehnen der Vordersitze nach vorne zu klappen, um so den Hinterbänklern den Einstieg zu erleichtern. Von Kopfstützen und Seitenhalt ist aber auch hier keine Spur und die Bequemlichkeit fordert ihren Tribut, denn was die Verkehrssicherheit angeht, ist der verstellbare Sitzrahmen eher kritisch zu betrachten.

Der Opel Kapitän
Der Opel Kapitän ist nur sechs Jahre jünger, bietet uns aber bereits die Möglichkeit, die vordere Sitzbank stufenlos in der Länge zu verstellen. Außerdem können wir die Rückenlehnen durch Ziehen an einem Hebel und gleichzeitigem Druck auf die Lehne individuell einstellen. Kurze Zeit später hielten dann vorne einzelne Sitze Einzug in den Kapitän.

Der Opel Monza
Im Opel Monza aus dem Jahr 1978 können wir den Sessel nun, dank ausziehbarem Teleskopstab, mit relativ wenig Kraftaufwand sogar in der Höhe verstellen. Überdies kommen in diesem Modell optionale Kopfstützen zum Einsatz. Sicherheit meets Komfort: Die Richtung, wohin die Autositzreise geht, deutet sich an.

Der Opel Omega B
Unsere Retrospektive endet im Jahr 1994 beim Opel Omega B. Die Sitze sind jetzt in der Länge, in der Höhe und in der Neigung verstellbar. Des Weiteren bieten sie eine gute Seitenführung, eine ausreichende Oberschenkelauflage und selbstverständlich die inzwischen gesetzlich vorgeschriebenen Kopfstützen. Das Gestühl hat Klubsessel-Charakter und obwohl es bereits 14 Jahre auf dem Buckel hat, fühlen wir uns wohler als auf manchem neuen Autositz.

Der Opel Insignia
2008 angelangt, präsentiert Opel im Insignia eine neue Generation Autositz, der in vielen Bereichen Bestwerte erreicht, so Andrew Leuchtmann, Manager Sitzentwicklung bei GM Europa. Die Rückenlehne lässt sich mithilfe einer elektropneumatisch gesteuerten Vier-Wege-Einstellung der integrierten Lendenwirbelstütze an die leicht S-förmigen Haltung der Wirbelsäule anpassen. Extralange Einstellwege in Höhe sowie Längsrichtung sollen für die optimale Sitzposition sorgen und die getrennt einstellbare Neigung von Sitzfläche und -lehne für Komfort. Dazu kommt eine um bis zu 60 Millimeter ausziehbare Oberschenkelauflage zur Entlastung der Beine. So konstruiert wurde der Sitz mit dem Gütesiegel der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e.V. ausgezeichnet. Und in der Tat sitzt es sich im geprüften Sessel ausgesprochen bequem. Der Seitenhalt ist so gut, dass wir beinahe das Gefühl einer Umarmung haben. Allerdings sind die Verstellmöglichkeiten so vielseitig, dass eine einfache Bedienung nicht möglich ist.

AGR-Sitz ab 350 Euro
Bereits seit 2003 gibt es im Vectra und Signum auf Wunsch AGR-Fahrersitze in höheren Ausstattungsniveaus. Der ,gute Stuhl" kostete allerdings bis zu 2.000 Euro Aufpreis. Für den Insignia kommt der neue AGR-Sessel in der Linie ,Sport" serienmäßig auf den Markt. In allen anderen Modellvarianten ist er in einer Basisversion ab 350 Euro erhältlich. Die Möglichkeit den AGR-Sitz auch für den Beifahrer zu ordern, besteht ebenfalls, allerdings nicht mit allen Komfort-Merkmalen.

Insignia kommt bald
Im Herbst 2008 wird der viertürige Insigina mit dem 1,6-Liter-Einstiegsbenziner ab 22.700 Euro bei den Händlern stehen, für die fünftürige Basisvariante will Opel 23.090 Euro haben. Anfang 2009 soll dann die Kombiversion, der Sports Tourer, vom Band laufen.

Tipps zum optimalen Sitzen im Auto
Hier unsere Tipps für richtiges Sitzen: Richten Sie Ihren Sitz immer so hoch wie möglich ein und achten darauf, dass der Abstand zwischen Kopf und Dach ungefähr eine Handbreit beträgt. Neben der besseren Übersicht positioniert sich so auch das Becken richtig. Ihr Knie sollte bei durchgetretener Kupplung noch leicht angewinkelt sein. Legen Sie als nächstes die Handballen oben auf das Lenkrad, jetzt dürfen die Schultern den Lehnenkontakt nicht verlieren und die Ellbogen leicht gebeugt, also nicht gestreckt sein. Bei der Rückenlehne empfiehlt sich ein offener Winkel von zirka 100 Grad, so werden Muskulatur und Bandscheiben entlastet. Stellen Sie die Sitzfläche leicht ansteigend ein, damit der Oberschenkel komplett aufliegt. Der Freiraum zwischen Sitz und Kniekehle sollte zwei bis drei Fingerbreit betragen. Bei der Kopfstütze wählen Sie eine möglichst hohe Position. Ideal ist es, wenn sich die Oberkante der Stütze und Ihr Scheitel auf einer Höhe befinden.

109 Jahre Opel-Autositze