Schnittiger Flitzer bekommt einen leistungsstarken Mittelmotor

McLaren: Dieser Name ist eine Legende bei Sportwagen- und Formel-1-Fans rund um den Globus. Das von dem Rennfahrer Bruce McLaren gegründete Unternehmen ist vornehmlich für seine Formel-Flitzer bekannt, hat aber auch immer wieder äußerst schnelle Serienfahrzeuge auf die Straße gebracht. An diese Tradition möchten die Briten schon bald mit einem neuen Supersportwagen mit dem Arbeitstitel ,P11" anknüpfen. Ein erster Erlkönig ist jetzt unserem Fotografen vor die Linse gefahren.

Geschützt vor störenden Blicken
Das Erprobungsfahrzeug ist noch stark getarnt unterwegs. Die massiven Plastikanbauten und Verbreiterungen sollen dem Beobachter die Silhouette eines Ferraris vorgaukeln. Doch unter der Hülle mit dem wilden Zebra-Look verbirgt sich eine Karosserie, welche die fließenden Formen des McLaren F1 aus den 1990er-Jahren aufgreift und weiterentwickelt. Besonders das noch sehr provisorisch wirkende Heck mit seinen klobigen Rückleuchten kaschiert geschickt den recht flachen Abschluss.

Entwicklung ohne Mercedes
Auffallend sind die seitlichen Lufteinlässe, hinter denen ein Mittelmotor seine Arbeit verrichtet. Noch offen ist die Frage, welches Aggregat zum Zuge kommt. Möglich wäre der 5,4-Liter-Achtzylinder aus dem gemeinsam mit Mercedes entwickelten SLR, dessen Produktion 2009 ausläuft. Dagegen spräche die Tatsache, dass Mercedes und AMG an einem neuen Supersportwagen mit Flügeltüren arbeiten, der im Herbst 2009 auf der IAA in Frankfurt vorgestellt wird. Ein Konkurrent mit gleichem Motor wäre da schlecht.

Trotzdem ein Motor aus Stuttgart?
Für das Mercedes-Aggregat spricht die Zusammenarbeit der Firmen im Rennbereich und der Umstand, dass McLaren kaum Ressourcen für eine eigene Motorenentwicklung besitzt. Zudem würde sich eine Eigenkonstruktion in Anbetracht der zu erwartenden Kleinstserie nicht rentieren. Wie auch immer: Leistungsmäßig muss mit mindestens 600 PS gerechnet werden. Wenn der P11 im Frühjahr 2010 unter anderem Namen vorgestellt wird, ist mit einem Preis von rund 400.000 Euro zu rechnen, zumal Leichtbautechnik aus dem Rennsport zum Einsatz kommt. Außerdem möchte man sich klar vom Mercedes-Renner absetzen, der ungefähr die Hälfte kosten soll.

Supersportwagen mit Tradition
Extrem leistungsstarke Fahrzeuge, die von Rennwagentechnik profitieren, haben bei McLaren Tradition. Im Jahr 1969 entwickelte man den M6 GT, nach dem Tod von Bruce McLaren im Jahr darauf wurden aber nur vier Stück gebaut. Immerhin 100 Exemplare entstanden zwischen 1994 und 1997 vom McLaren F1. Mit einer Spitze von 386 km/h war er lange das schnellste Serienauto der Welt. Die Besonderheit des F1 waren drei Sitze im Innenraum: Links und rechts saßen die Beifahrer versetzt hinter dem Fahrersitz. Den Antrieb des 1,5 Millionen DM teuren F1 übernahmen Zwölfzylinder von BMW, die zwischen 627 und 680 PS leisteten. Bereits damals wurden die Aggregate in Mittelmotorlage eingebaut. Rund die Hälfte der F1-Modelle kam in der FIA-GT1-Meisterschaft zum Einsatz. Ziemlich sicher wird auch der P11 seinen Weg auf die Rundkurse dieser Welt finden, vielleicht kommt sogar der Name F1 zu neuen Ehren.

Erwischt: McLaren P11