Neuer S 65 AMG und Stretch-E-Klasse auf Testfahrten unterwegs

Unterschiedlicher könnten die beiden Mercedes-Modelle kaum sein, die unserem Fotografen vor die Linse gefahren sind. Obwohl sich beide vom Konzept her unterscheiden, eint beide doch der Auftritt als Sternenkreuzer der besonderen Art.

Power-S-Klasse mit Facelift
Ein inzwischen offenes Geheimnis ist die Tatsache, dass die Mercedes S-Klasse nach gut vier Jahren auf dem Markt ein Facelift erhält. Auch die Spitzenversion, der S 65 AMG, kommt in den Genuss der Modifikationen. An der Frontpartie umfassen diese einen umgestalteten Stoßfänger, veränderte Scheinwerfer mit integriertem LED-Tagfahrlicht sowie eckigere Außenspiegel im Stil der neuen E-Klasse. Am auffälligsten sind die Änderungen am Heck. Dort fallen die lackierten Stege in den Rückleuchten weg. Der nachfolgende Verkehr wird in Zukunft per LEDs gewarnt. Technisch gibt es diverse neue Assistenzsysteme wie einen Müdigkeitswarner und ein verbessertes Abstandsregelradar. Unter der Haube bleibt alles beim Alten: Mit 612 PS und 1.000 Newtonmeter Drehmoment gehört der S 65 AMG auch weiterhin zu den stärksten Limousinen der Welt. Das S-Klasse-Facelift wird Mercedes Anfang März 2009 in Genf vorstellen, der Marktstart inklusive des AMG-Modells dürfte im Sommer 2009 erfolgen.

E-Klasse im XXL-Format
Rätselhaft ist hingegen der zweite Mercedes-Erlkönig. Bereits auf den ersten Blick fällt auf, dass es sich hier um etwas Außergewöhnliches handelt: Zwar erkennt man recht schnell die Optik der neuen E-Klasse, doch besonders markant ist ein zirka ein Meter langes Mittelstück, das zwischen den Türen eingefügt wurde. Interessant ist, dass der Blechzusatz die seitlichen Sicken des neuen Modells aufnimmt. Als wahrscheinlichster Ursprung des Prototyps kommt die Firma Binz infrage. Sie hat eine lange Tradition in der Verlängerung von Mercedes-Modellen, so wurde etwa die bisherige E-Klasse auf Wunsch um 1,05 Meter gestreckt. Auf dieser Basis werden bei Binz auch Krankenwagen und Bestattungslimousinen karossiert. Fraglich ist jedoch, ob das Unternehmen eine kostspielige Erprobung mit einem Erlkönig durchführen würde.

Pullman-Limousine für China?
Eine weitere Option für den getarnten Riesen ist ein werkseigener Umbau. Bereits vom ,Strich-Acht" und den Baureihen 123 und 124 gab es verlängerte Versionen, im Fall des W 124 sogar mit sechs Türen. Allerdings wird als Hoteltaxi und Flughafenzubringer heutzutage ein Mercedes Viano bevorzugt. In Betracht kommt die verlängerte E-Klasse aber für China, wo deutsche Hersteller wie Audi und BMW ihre Modelle der oberen Mittelklasse ein Stück mehr Raum dazugeben. Allerdings beschränkt sich der Längenzuwachs auf rund zehn bis 15 Zentimeter. Gegen die Mercedes-Option spricht auch, dass es bereits eine Pullman-Version der S-Klasse gibt. Die E-Klasse wird bislang einzig mit stärkerer Panzerung angeboten. Man darf also auf den weiteren Weg des langen Lulatsch gespannt sein.

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