Ein Jahrhundert turbulente und hoffnungsvolle Fahrzeug-Geschichte

Der Automobilhersteller Audi feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Im Rahmen dieses Jubiläums sind eine Reihe von Veranstaltungen geplant. Den Auftakt macht die Sonderausstellung ,Treffen der Generationen – Effizienz im Wandel der Zeit", die vom 26. Januar bis 28. Februar 2009 im Audi museum mobile im Audi Forum Ingolstadt zu sehen sein wird. Zwölf besondere Automobile aus acht Jahrzehnten Unternehmensgeschichte werden dort gezeigt.

Aus Horch wird Audi
Die Audi AG blickt auf eine bewegte Historie zurück. Am Anfang steht August Horch, ein Absolvent des Technikums im sächsischen Mittweida, der sich 1899 selbstständig machte und am 14. November des gleichen Jahres in Köln die Horch & Cie. Motorwagen Werke gründete. 1902 kam Horch nach Sachsen, wo die Firma im Jahr 1904 in Zwickau in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde. Nach Differenzen mit dem Vorstand und dem Aufsichtsrat verließ Horch 1909 das Unternehmen. Gleich danach gründete er in Zwickau eine zweite Automobilfirma. Da sein Name bereits vergeben war, wählte er als neuen Markennamen die lateinische Übersetzung seines eigenen Namens: Aus ,horch!" wurde ,audi!". Im Dezember 1914 erfolgte die Umwandlung der Audi Automobilwerke GmbH in eine Aktiengesellschaft.

Erstes linksgelenktes Fahrzeug
1921 überraschte die Audiwerke AG die Fachwelt mit dem neuen Audi 14/50 PS Typ K, dem ersten linksgesteuerten Auto in Deutschland. 1923 folgte der Typ M mit einem Sechszylindermotor und vier Jahre später wurde mit dem Audi Imperator der erste Audi-Achtzylinderwagen vorgestellt. Im August 1928 übernahm Jörgen Skafte Rasmussen, Besitzer der Zschopauer Motorenwerke/DKW, die Aktienmehrheit der Audiwerke AG und gliederte das Unternehmen im Jahr darauf in sein Firmenimperium ein. Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise im Oktober 1929 erfolgte ein massiver Einbruch der Verkaufszahlen von großen Wagenmodellen mit Sechs- und Achtzylindermotoren. Rasmussen ließ daraufhin bei Audi einen kleinen DKW Wagen mit Frontantrieb entwickeln, der 1931 mit großem Erfolg auf den Markt kam.

Die vier Ringe
Am 29. Juni 1932 schlossen sich die Audiwerke, die Horchwerke und die Zschopauer Motorenwerke/DKW zur Auto Union AG mit Sitz in Chemnitz zusammen. Gleichzeitig wurde mit den Wanderer-Werken ein Kauf- und Pachtvertrag zur Übernahme der Wanderer Automobilabteilung abgeschlossen. Symbol dieses Zusammenschlusses waren die ,Vier Ringe". Innerhalb der jungen Marke entstand der Audi Front Typ UW, ein Automobil der Mittelklasse, bei dem der neue Konzern erstmals die Synergieeffekte nutzen konnte. Wichtigstes Merkmal des neuen Audi war der Frontantrieb. Der Wagen ging schließlich im Frühjahr 1933 in Serie. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die Herstellung von Zivilfahrzeugen fast vollständig zurückgefahren und der Konzern auf Rüstungsproduktion umgestellt. Im April 1940 lief der letzte Audi vom Band.

Neustart in Ingolstadt
Nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde die in der Sowjetischen Besatzungszone gelegene Auto Union AG enteignet, die Fabrikanlagen demontiert und das Unternehmen 1948 aus dem Handelsregister der Stadt Chemnitz gelöscht. Führende Mitarbeiter waren bereits bei Kriegsende nach Bayern gegangen, wo Ende 1945 in Ingolstadt zunächst ein Depot für Auto Union Ersatzteile eingerichtet wurde. Aus dieser Keimzelle entstand am 3. September 1949 mit der Auto Union GmbH eine neue Gesellschaft, welche die Kraftfahrzeugtradition der Vier Ringe fortführte. Auf der Exportmesse in Hannover wurden im Frühjahr 1949 der DKW F 89 L Schnelllaster und das Motorrad DKW RT 125 W vorgestellt. Diese begründeten den Fahrzeugbau in Ingolstadt.

Die Wiedergeburt der Marke Audi
Mitte der 1960er-Jahre erschien das erste Auto-Union-Modell mit Vierzylinder-Viertaktmotor. Der Auto Union ,Typ Audi", zunächst ohne weitere Modell-Bezeichnung, wurde intensiv beworben und ein voller Erfolg. Die Baureihe wurde, mit einigen technischen und optischen Modifikationen, bis 1972 produziert. Doch auch in anderer Hinsicht begann in Ingolstadt eine neue Ära. Seit 1965 gehört das Ingolstädter Unternehmen zum Volkswagen-Konzern. Eine eigene Fahrzeugentwicklung wurde den Ingolstädter-Technikern von den neuen Hausherren zwar untersagt, doch Ludwig Kraus, damaliger Entwicklungschef, fertigte im Verborgenen ein neues Modell. Im November 1968 wurde der Audi 100 in Ingolstadt der internationalen Presse vorgestellt. Mit diesem Wagen entstand das erste Fahrzeug, das frei von der DKW-Erbmasse war.

Vorsprung durch Technik
Unter Regie der Volkswagenwerk AG kam es 1969 zur Fusion zwischen der Auto Union GmbH und der in Neckarsulm ansässigen NSU Motorenwerke AG. Das neue Unternehmen trug jetzt die Bezeichnung Audi NSU Auto Union AG und hatte seinen Sitz in Neckarsulm. Die umfangreiche Palette von Audi und NSU-Modellen mit unterschiedlichen Motoren und Antriebskonzepten führte 1971 zu einem neuen, nach wie vor gültigen Werbeslogan: ,Vorsprung durch Technik". In diesem Sinne erschien 1972 der Audi 80 der ersten Generation (Baureihe B1). Von ihm wurden bis zum Produktionsende der ersten Generation über eine Million Exemplare hergestellt. 1985 erfolgte dann die Umbenennung des Unternehmens von Audi NSU Auto Union AG in Audi AG. Seither tragen das Unternehmen und die Produkte den gleichen Namen. Der Firmensitz wurde nach Ingolstadt zurückverlagert.

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