Lotus stellt ultraleichtes Expeditionsmobil mit Biosprit-Antrieb auf die Kufen

Er sieht aus wie das Freizeitmobil eines James-Bond-Bösewichts, der dreikufige Lotus-Schlitten namens CIV (,Concept Ice Vehicle"). Angetrieben wird das futuristische Teil von einem Zweizylinder-Boxer von BMW, der an einen Dreiblatt-Propeller gekoppelt ist. Erdacht und gebaut wurde das Gefährt größtenteils bei Lotus Engineering, dem Ingenieurbüro des britischen Sportwagenherstellers. Sinn und Zweck der nur 385 Kilogramm leichten Konstruktion: Sie soll bei der Südpol-Expedition des britischen Unternehmers Andrew Regan als Pfadfinder für konventionelle und deutlich schwerere Radfahrzeuge dienen. Dank einer speziellen Radarausrüstung kann der Pilot des CIV nämlich die vor ihm liegenden Eismassen nach gefährlichen Spalten absuchen und diese erkennen, lange bevor die Expeditionsfahrzeuge sie erreichen.

Leicht und stark
Das Hauptproblem bei der Konstruktion des CIV bestand für Projektleiter Kieron Bradley in der Anforderung, ein möglichst leichtes Gefährt mit einer möglichst geringen Bodenbelastung zu bauen, das gleichzeitig robust genug sein muss, um den unwirtlichen Witterungsbedingungen der Antarktis zu trotzen und mit dem rauen Gelände fertig zu werden. Erreicht hat der Ex-Formel-1-Designer diesen Kompromiss mit einem Materialmix aus Aluminium, Stahl, Kohlefaser und Titan. Der aufwendig modifizierte, kompressorbeatmete BMW-Motorradmotor trägt dank seines Kurbelgehäuses aus Magnesium zur Gewichtsreduktion bei und schiebt den Einsitzer bei Bedarf mit bis zu 135 km/h über den Schnee.



E85 am Pol
Neben der wissenschaftlichen Forschung, die das Team am Südpol durchführen will, soll die Expedition vor allem beweisen, dass Bio-Kraftstoffe für die härtesten Umweltbedingungen geeignet sind. So wird der BMW-Motor während des gesamten Trips mit E85-Biosprit betrieben, aufgrund der harten äußeren Bedingungen ist allerdings auch Superkraftstoff mit an Bord. Da Bioethanol recht temperaturempfindlich ist und sich unterhalb von -15 Grad Celsius nicht vernebeln lässt, mussten die britischen Ingenieure ein ausgeklügeltes Heizsystem ersinnen. Der E85-Tank des Propellerschlittens ist zwar beheizt, das allerdings reicht noch nicht, da der Sprit auf dem Weg zu den Einspritzdüsen mit der klirrenden Kälte der Antarktis in Berührung kommt. Daher läuft der Motor in der Startphase mit regulärem Superbenzin und ein Magnetventil schaltet erst dann auf Biosprit um, wenn die hierfür nötige Betriebstemperatur erreicht ist.

Alles live im Internet
Los geht die Reise am 14. November 2008, den Südpol will das Team vier Tage später erreichen. Das endgültige Ziel allerdings ist das Ross Eisschelf, wo noch heute die Hütten der legendären Südpol-Entdecker Scott und Shackleton stehen. Da die Briten mit Live-Webcams inklusive Satellitenanbindung ausgerüstet sind, kann der Fortschritt der Expedition jederzeit im Internet mitverfolgt werden. Ebenfalls geplant sind Livechats über Skype. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.corvusexpedition.com.

Bildergalerie: Lotus-Schlitten für den Pol