Der einstmals größte Autokonzern der Welt feiert Jubiläum

Die nackten Zahlen vermitteln ein beeindruckendes Bild: In 33 Ländern fertigt General Motors (GM) Fahrzeuge, knapp über 400.000 Menschen beschäftigt der Konzern weltweit, die Erzeugnisse werden von 22.350 Händlern rund um den Globus verkauft. Und doch befindet sich der Konzern, welcher in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, in der Krise.

Es begann im Jahr 1908
Am 16. September 1908 gründete William C. ,Billy" Durant die Firma General Motors. Noch im selben Jahr erwarb er von den Herren David Dunbar Buick und Ransom E. Olds deren Firmen Buick und Oldsmobile. In den folgenden Jahren kamen weitere Auto- und Maschinenbauhersteller unter das GM-Dach. Dazu zählten heute unbekannte Namen, aber auch Marken wie Cadillac oder Chevrolet. Im Jahr 1925 weitete GM sein Engagement auf Europa aus und erwarb den britischen Vauxhall-Konzern. 1929, kurz vor der Weltwirtschaftskrise, wurde die Aktienmehrheit bei Opel übernommen. Heutzutage tragen auch Besitzer eines schwedischen Saab oder eines australischen Holden zum GM-Umsatz bei. Umstritten blieb die Rolle von General Motors während des Zweiten Weltkriegs. Da sowohl in den USA als auch in Deutschland bei Opel Rüstungsgüter hergestellt wurden, stand GM in der Kritik, beide Seiten zu unterstützen.

Innovationen von Beginn an
Schon früh wurde bei General Motors an neuen Technologien geforscht. Bereits 1911 stellte man den Elektrostarter vor, der das bis dahin übliche, nicht ungefährliche Anlassen per Kurbel überflüssig machte. 1914 kam der erste Wagen mit V8-Motor auf den Markt, die Zylinderzahl und -anordnung sollte typisch für US-Automobile werden. In den 1920er und 1930er-Jahren baute die GM-Luxussparte Cadillac sogar Sechzehnzylinder in ihre Fahrzeuge ein. 1924 wurde in amerikanischen Milford das erste Testgelände der Welt eröffnet. 1936 erschien der Opel Olympia mit selbstragender Karosserie, ab 1940 war in den USA unter der Bezeichnung ,Hydramatic" ein vollautomatisches Getriebe erhältlich.

Autos, Herzen und Computer
Die Chevrolet Corvette von 1953 war eines der ersten Serienautos mit Kunststoffkarosserie, 1966 stellte GM das erste Brennstoffzellenfahrzeug vor. Im Jahr 1971 wurde der speziell entwickelte ,Lunar Rover" zum ersten Auto auf dem Mond. Auch außerhalb des automobilen Bereichs war und ist General Motors aktiv. Unter anderem entwickelte man das weltweit erste mechanische Herz und konstruierte Schnellzüge. Gemeinsam mit Lockheed und IBM brachte GM im Jahr 1955 den ersten Computer mit Betriebssystem heraus.

Wohin geht die Zukunft?
Lange Zeit typisch für die US-Fahrzeuge aus dem Hause GM waren Heckflossen, riesige Motoren, gigantische Blechmassen und hohe Verbräuche. Zunächst mit Erfolg: 1955 war GM der erste US-Konzern, der über eine Milliarde Dollar Steuern zahlte. Doch im Zuge der Ölkrisen in den 1970er-Jahren begannen die Probleme des Weltkonzerns. Seine Größe sorgte für Versäumnisse in der Entwicklung, die Konkurrenz aus Japan brachte billigere und sparsamere Autos auf den Markt. Die Bandbreite an verschiedenen Marken führte außerdem zu Überschneidungen im Modellangebot. Als Folge dessen wurde 2005 die Traditionsmarke Oldsmobile eingestellt. Anfang 2008 musste GM den Status des größten Automobilherstellers der Welt an Toyota abgeben. Große Zukunftserwartungen setzt General Motors in den Chevrolet Volt, ein Elektroauto mit Benzinmotor zur Reichweitenverlängerung. Die Serienversion des für 2010 angekündigten Volt wurde denn auch aktuell als Geburtstagsgeschenk in Detroit enthüllt. In diesem Sinne können wir nur sagen: Alles Gute für die Zukunft, General Motors!

GM wird 100 Jahre alt