Die Maschine der BMW-M-Community läuft

Das weiße Tuch wird von vier Männern umständlich vom Auto genommen, dann dreht er sich mit strahlenden Scheinwerfern unter dem Licht: Der BMW M1 Hommage. Die Studie mit Zitaten des legendären BMW M1 wird selten gezeigt und heute steht sie mitten im Entwicklungszentrum der M GmbH. Die 100-prozentige BMW-Tochter sitzt in einem an Unaufgeregtheit kaum zu übertreffenden Gewerbegebiet. Trotzdem ist hier gerade jetzt was los: 120 BMW-M-Fahrzeuge sind da, hergefahren von M-Begeisterten aus ganz Deutschland – oder von noch weiter her. Kennen gelernt haben sich die Dynamik-Junkies im Internet, auf www.m-power.com. Jetzt gehören sie zu den Auserwählten, die den M1 Hommage hautnah erleben können – und das ist nur der Anfang.

Sind alle da
Wie sieht er aus, der typische M-Fahrer? Er ist ein Mann, soviel ist klar – und dann enden die Gemeinsamkeiten. In dick und dünn, alt und jung ist die Truppe auch wegen ihres großen Spektrums an mitgebrachten Frisuren und Kleidungsstilen interessant. Den Typ Schnösel oder Sohn finden wir nicht. Die Leute sind durch Arbeit zu Geld gekommen, durch sparsames Leben auf dem Lande oder beides. Viele verdienen ihre Brötchen als Unternehmer im Mittelstand und haben sich auch in Sachen Fahrzeugpalette ständig hochgearbeitet: Am Anfang stand häufig ein normaler Serien-BMW. Bis dann der Wunsch nach mehr Leistung und Leichtigkeit übermächtig wurde. Irgendwann kam die Idee, sich im Internet bei der M Power World anzumelden – nur BMW-M-Fahrer haben hier Zugang, müssen bei der Anmeldung ihre Fahrgestellnummer angeben. Dann sind Kontakte zu anderen M-Fans und einem kurzen Behördenweg zur M-GmbH Tür und Tor geöffnet.

Das Netz allein reicht nicht
Und ab und zu ist es dann soweit: Die Community trifft sich nicht über Bits und Bytes sondern von Angesicht zu Angesicht. Ganz freiwillig lassen es sich auch einige BMW-Ingenieure nicht nehmen, in der Masse derjenigen unterzutauchen, für die sie jeden Tag an M-Modellen arbeiten. Man kommt ins Gespräch, wir entdecken eine weitere Gemeinsamkeit der M-Affinen: Die Leute sind zum einen nicht nur über ihre Fahrzeuge gut informiert sondern auch ausgesprochen wissbegierig. Sie hängen an den Lippen von M-Fahrwerkschef Bernd Limmer, wenn er an mitgebrachten M3-Achsen das Zusammenspiel von Federn und Dämpfern erklärt oder die Bedeutung der Dicke des Stabilisators. Ruck zuck ist das Thema Driften auf dem Plan – manch einer hat das schon gemacht, andere würden das auch gerne können. So verrät Limmer die Grundlagen: Erstmal langsam in die Kurve fahren, bei hoher Geschwindigkeit ist es schwieriger, die Hinterachse aus der Spur zu bringen. Dann kurz das Gas lupfen, um die Hinterachse zu entlasten und zack, aufs Gas treten. Das lässt das Heck ausbrechen, auch wenn der Wagen etwas schneller wird heißt es, immer schön auf dem Gas bleiben. Das Auslösen des Drifts per Handbremse ist übrigens als Nicht-Könnertum verpönt, lernen wir am Ende des Gesprächs.

M-Zukunft
Ebenso an diesem vom Wetter her trüben Wochenend-Morgen mit dabei: M-Entwicklungschef Albert Biermann. Wir nutzen die Gelegenheit, uns mit dem Fachmann über zukünftige Modelle zu unterhalten. M1, CSL oder M-SUV – wie geht es weiter mit der Dynamik-Marke? Die Fans gieren nach einem leichten CSL-Modell, die M-GmbH sieht dafür im Moment keinen großen Markt. Dafür springt man auf den SUV-Zug auf, auch was aus dem M1 Hommage wird, glauben wir auch herausgehört zu haben. Und den M6 mit sensationellem Competetion-Paket gibt es schon. Mit wem wir auch sprechen: Die M-Ingenieure sind mit Herzblut dabei, erzählen mit Freude von ihrer Arbeit – bei der sie wiederum Autos fürs Herz schaffen. Lesen Sie mehr dazu in unserem Artikel: ,M: Dynamik hat eine Zukunft".

Alle zusammen
Inzwischen sind die M-Fahrer miteinander ins Gespräch gekommen, fachsimpeln, erzählen von ihren Erlebnissen und verpassten Chancen – zum Beispiel wenn es darum geht, dass man damals bei einem besonders günstigen Z1-Angebot nicht zugeschlagen hat. Manch einer nimmt einen langen Weg auf sich, um unter seinesgleichen zu sein. So sehen wir selbst Nummernschilder aus Brandenburg – auch dort gibt es ein Leben abseits von Tourismus und Altenpflege. Ganz Deutschland ist vertreten, Österreicher haben sich auf den Weg gemacht und selbst ein Luxemburger ist mit seinem Z4 M Coupé rübergedüst. Am Ende des Tages fahren alle auseinander – aber nicht wirklich. Schließlich gibt es die M Power World im Web als ständigen Treffpunkt – und Neuankömmlinge werden herzlich im Kreis der M-Freunde aufgenommen. M-Geschichte, Diskussionsforum – auch mit Kommentaren zum gerade abgelaufenen Treffen – und Neuheiten, alles da, um sich komplett und dauerhaft in die M-Welt einzuklinken.

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