Neuauflage des Volks-Sportlers feiert Weltpremiere auf dem Genfer Salon 2008

Unter Historikern ist eine Theorie weit verbreitet, nach der sich Geschichte immer wiederholt. Einen Beweis hierfür liefert Volkswagen mit dem neuen Scirocco. Genau 34 Jahre nach der Vorstellung des ersten Scirocco, dessen Name auf einen heißen Wüstenwind zurückgeht, zeigt VW jetzt die dritte Generation. Dabei ist der Ort gleich geblieben. Damals wie heute bildete der Genfer Auto-Salon die Kulisse. Indes waren die Voraussetzungen damals deutlich anders.

1974: Die Geburt einer Legende
Drehen wir daher kurz die Uhr zurück. Wir schreiben das Jahr 1974: Die Bundesrepublik wird Fußball-Weltmeister, in den Wohnzimmer flimmern ,Am laufenden Band" und ,Dalli, Dalli". VW jedoch steckt in der Krise: Die Ära des Käfers neigt sich stetig dem Ende zu, erst ein Jahr zuvor wurde mit dem Passat der Wechsel zu wassergekühlten Frontmotoren eingeläutet. Nun, im März 1974, steht der neue Scirocco in Genf, noch vor dem Golf, der erst ein paar Wochen später vorgestellt wird. Dabei haben Golf wie auch Scirocco die gleiche technische Basis und mit Giorgio Giugiaro den gleichen Designer. Im Mai 1974 siegt eine unbekannte schwedische Band namens ABBA beim Eurovision Song Contest und setzt wie der schnittige Scirocco zum Höhenflug an. Doch anders als die vier Skandinavier startet der Scirocco im Jahr 2008 sein Comeback.

Studie Iroc als formale Basis
Hinsichtlich der Linienführung des neuen Scirocco wurde das Design der im August 2006 gezeigten Studie namens Iroc nahezu unverändert übernommen. Dazu gehören das lange Kombi-Coupé-Dach, die als Hommage an den ersten Scirocco gestalteten schräg stehenden C-Säulen und die breit ausgeformte Heckpartie. Einzig beim Kühlergrill entschieden sich die Designer für eine zeitlosere Lösung. Neben dem New Beetle ist der neue Scirocco übrigens der einzige VW, der das Firmenlogo nicht im Kühlergrill, sondern auf der Motorhaube trägt. Im Heckbereich sorgt ein integrierter Dachspoiler für zusätzlichen Abtrieb an der Hinterachse. Mit einer Länge von 4,26 Metern liegt der Scirocco auf dem Niveau des Golf, der 4,21 Meter misst. Allerdings ist er mit 1,40 Meter flacher (Golf: 1,46 Meter) und mit 1,81 Meter fast so breit wie der Passat (Golf: 1,76 Meter). Dank kurzer Überhänge nutzt der Scirocco den Radstand von 2,58 Meter effizient zugunsten des Innenraums aus. Dort soll Scirocco Nummer drei deutlich mehr Platz bieten als seine beiden Vorfahren.

Vollwertiger Viersitzer
Laut VW sollen im Fond des Scirocco zwei Erwachsene bequem Platz finden. Selbst wenn die vorderen Insassen groß bemessen sind, soll die Kniefreiheit hinten ausreichend sein. Serienmäßig an Bord sind vier Sportsitze. Vorne bieten diese eine serienmäßige Easy-Entry-Funktion, hinten kommen konturierte Einzelsitze zum Einsatz, deren Kopfstützen fest mit den Lehnen verbunden sind. Wie früher bei Audi-Modellen sind die Kopfstützen in Rahmenform ausgeführt, um die Sicht nach hinten nicht zu versperren. Optional bietet VW Sitzgarnituren mit Alcantara-Applikationen beziehungsweise schwarzes oder hellbraunes Leder an. Der Kofferraum des Scirocco bietet im Normalzustand ein Volumen von 292 Liter, werden die Lehnen der hinteren Sitze umgeklappt, stehen maximal 755 Liter zur Verfügung.

Innenraum mit Golf-Anleihen
Steigt man in den Scirocco ein, fällt auf, dass das Armaturenbrett in weiten Teilen aus dem Golf V stammt, die Form der Lüftungsdüsen ist aus dem Eos bekannt. Als spezifisches Merkmal besitzt der Sport-VW neu gestaltete Türverkleidungen und ein unten abgeflachtes Lenkrad. Optional ist das neue VW-Touchscreen-Navigationsssystem RNS 510 mit 30-Gigabyte-Festplatte erhältlich. Der Scirocco besitzt zudem ein spezifisches Kombiinstrument mit weißer Ausleuchtung.

Motoren: Aufladung in Serie
Die erste Scirocco-Generation startete 1974 mit bescheidenen 50 PS aus 1,1 Liter Hubraum. 34 Jahre später sind es 1,4 Liter und mehr als doppelt soviele Pferdestärken. VW wird den neuen Scirocco durchgängig mit hoch aufgeladenen Motoren anbieten. Die Palette besteht aus drei TSI-Benzindirekteinspritzern und einem Common-Rail-Diesel. Alle Modelle werden über ein Sechsganggetriebe geschaltet. Der Einstieg erfolgt mit dem 122 PS starken TSI. Der Vierzylinder-Benziner entwickelt bereits bei 1.500 U/min sein maximales Drehmoment von 200 Newtonmeter. Die Spitze gibt VW mit 200 km/h an, der Sprint auf 100 km/h soll in 9,7 Sekunden vonstatten gehen. Den Durchschnittsverbrauch beziffert VW mit 6,1 Liter auf 100 Kilometer. Nächsthöheres Otto-Aggregat ist ein neu entwickelter TSI mit Turbo und Kompressor, der 160 PS leistet. Die Eckdaten hier: 240 Newtonmeter bei 1.750 U/min, acht Sekunden auf 100 km/h, 217 km/h Höchstgeschwindigkeit, Durchschnittsverbrauch 6,5 Liter. Optional kann der 160-PS-TSI mit dem weltweit ersten Sieben-Gang-DSG für den Quereinbau kombiniert werden.

200-PS-Topbenziner, Diesel mit 140 PS
Als Spitzenmotorisierung bei den Benzinern kommt ein 200 PS starker TSI zum Einsatz. Trotz eines maximalen Drehmoments von 280 Newtonmeter und einer Spitze von 235 km/h soll der Durchschnittsverbrauch nur 7,7 Liter betragen. Den Sprint auf 100 km/h absolviert der stärkste Scirocco aller Zeiten in 7,2 Sekunden. Optional ist ein Sechsgang-DSG erhältlich. Anders als seine Urahnen wird es den 2008er Scirocco auch mit einem Selbstzünder geben. Der Common-Rail-Diesel leistet 140 PS, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 207 km/h und der Verbrauch 5,4 Liter. Auch für den Diesel ist das Sechsgang-DSG erhältlich.

Adaptive Fahrwerksregelung
Unter der Blechhülle des Scirocco steckt eine neu entwickelte adaptive Fahrwerksregelung. Direkt geregelt werden dabei nicht nur die Dämpferkennung, sondern ebenso die Abstimmung der elektromechanischen Servolenkung. Die adaptive Fahrwerksregelung bietet drei Programme: ,Normal", ,Sport" und ,Comfort". ,Sport" und ,Comfort" werden über eine Taste vor dem Schalthebel angewählt. Entscheidend ist allerdings die Tatsache, dass sich durch die adaptive Fahrwerksregelung auch im Modus ,Normal" und damit permanent die Fahreigenschaften des Scirocco verbessern, da die Dämpfung ständig der Fahrbahn und der Fahrsituation angepasst wird. Das System reagiert zudem auf Beschleunigungs-, Brems- und Lenkvorgänge. Als eine Art Nürburgring-Nordschleifenmodus empfiehlt sich das Programm ,Sport". Die Dämpfung soll in diesem Fall deutlich härter werden; parallel verringert sich die Servounterstützung der Lenkung bei einer gleichzeitig direkteren Auslegung. Das Gegenteil soll im Modus ,Comfort" der Fall sein. Besonders auf schlechten Wegstrecken und bei langsamer Fahrt soll sich der Komfort hier signifikant verbessern.

Erschwinglicher Volks-Sportwagen
Wie schon seine Vorgänger soll auch der neue Scirocco ein bezahlbarer Sportwagen für jedermann sein. Laut VW-Chef Winterkorn ist er ,ein Traum, den sich ausgesprochen viele Autofahrer auch leisten können." Für VW-Verhältnisse relativ umfangreich ist die Serienausstattung. Inklusive sind unter anderem 17-Zoll-Leichtmetallräder, Lenkrad und Handbremshebelgriff aus Leder, Sportsitze, geteilt klappbare Rücksitzlehnen, elektrische Fensterheber, Klimaanlage, ESP, sechs Airbags und ein Sportfahrwerk. Laut Konzernchef Prof. Dr. Martin Winterkorn startet die Einstiegsversion mit 122-PS-TSI-Motor bei 21.750 Euro. Zum Vergleich: Ein gleich motorisierter VW Golf steht mit 18.975 Euro in der Preisliste. Der neue Scirocco soll europaweit im Spätsommer 2008 auf den Markt kommen. Dann ist auch mit der Weltpremiere des Golf VI zu rechnen, der an der Front und am Heck Designelemente des Scirocco übernehmen wird. Ob 1974 oder 2008: Geschichte wiederholt sich wohl tatsächlich.

Neuer VW Scirocco