Der Restalkohol am nächsten Morgen sollte nicht unterschätzt werden

Am kommenden Samstag, 20. September gibt Münchens Oberbürgermeister, Christian Ude, mit seinem ,O´zapft is" wieder den Startschuss für zwei Wochen Ausnahmezustand. Seit 1810 findet das Oktoberfest auf der Theresienwiese statt und wer das Spektakel schon einmal selbst miterlebt hat, der weiß, dass es selten bei einer Maß Bier bleibt. Allerdings darf die Wirkung von alkoholischen Getränken nicht unterschätzt werden. Auf das Autofahren nach dem Konsum von Alkohol sollte unbedingt ganz verzichtet werden – auch wenn Bayerns Ministerpräsident Beckstein das anders sieht. Bei einer Rede in einem Bierzelt in Erding vergangene Woche sorgte er mit der Aussage, dass man nach zwei Maß Bier noch fahrtüchtig sei, für Aufruhr. Jetzt rudert Beckstein zurück und sagt im Bayerischen Rundfunk es sei möglich noch zu fahren, ,wenn man die zwei Maß in sechs, sieben Stunden auf dem Oktoberfest trinkt".

Oiner Goht No Nei
Für viele Oktoberfest-Fans gehört die eine oder andere Maß genauso zur Wiesn wie die Lederhose oder das Dirndl. Die Hochstimmung auf dem Volksfest verleitet häufig dazu, die Auswirkungen der alkoholischen Getränke zu verharmlosen. Gerade das Oktoberfestbier ist hier unberechenbar. Extra für die Wiesn brauen die Wirte nämlich ein spezielles Bier mit mehr Stammwürze und höherem Alkoholgehalt. Ein weiterer verstärkender Faktor, der gerade nach langen Wiesn-Nächten hinzukommt, ist die Müdigkeit. Sie setzt neben dem Alkohol das Wahrnehmungs- und das Reaktionsvermögen zusätzlich herab. Daher empfiehlt es sich, gleich mit einer Fahrgemeinschaft, den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Taxi zur Festwiese zu fahren. ,So kommt der Konflikt zwischen Promille und Führerschein erst gar nicht auf", so Thomas Wagenpfeil vom TÜV Süd.

Restalkohol darf nicht unterschätzt werden
Katerstimmung am nächsten Morgen? Viele Menschen lindern diese mit Kopfschmerztabletten, Kaffee oder einer kalten Dusche. ,Auch wenn diese Mittel aufmuntern, die Blutalkoholkonzentration wird nicht reduziert", sagt Wagenpfeil. Durchschnittlich werden stündlich 0,1 Promille Alkohol im Körper abgebaut. Wer also noch spät in der Nacht getrunken hat, kann am nächsten Vormittag immer noch zu viele Promille haben. Außerdem: Wer mit Restalkohol einen Unfall verursacht, riskiert neben strafrechtlichen Folgen auch seinen Versicherungsschutz.

Zwei Rechenbeispiele
Ein 80 Kilo schwerer Mann, der nach normaler Mahlzeit zwischen 20 Uhr abends und zwei Uhr morgens sieben halbe Liter Bier trinkt, kommt auf knapp 1,5 Promille. Am nächsten Morgen um acht Uhr sind das trotz Alkoholabbau noch mehr als 0,5 Promille – und deutlich zu viel zum Autofahren. Eine 50 Kilo leichte Frau hat innerhalb von fünf Stunden einen Liter Sekt getrunken und geht um drei Uhr morgens mit gut einem Promille schlafen. Beim Aufwachen um acht Uhr morgens sind davon ebenfalls noch mindestens 0,5 Promille übrig. Würden sich beide kurz nach dem Aufwachen ins Auto setzen und einen Verkehrsunfall verursachen, hätte das böse Folgen: Bereits ab 0,3 Promille wird ein solcher Unfall als alkoholbedingte Verkehrsstraftat gewertet.