Norwegische Firma präsentiert eine viertürige Elektrostudie

Die norwegische Firma Think ist in letzter Zeit durch ihren kleinen Elektro-Stadtwagen namens City überregional bekannt geworden. Parallel zum Start der Serienproduktion des Zweisitzers zeigt Think auf dem Genfer Auto-Salon vom 6. bis zum 16. März 2008 die Studie eines vollwertigen Fünfsitzers mit Elektroantrieb. Das Konzeptfahrzeug namens Ox (die Bezeichnung lehnt sich an das Kürzel für Sauerstoff O2 an) soll einen Ausblick auf die künftige Modellstrategie der Firma geben.

Klares skandinavisches Design
Optisch zeigt sich der 4,12 Meter lange und 1,65 Meter hohe Ox mit rundlichen Linien, die ein wenig an den inzwischen eingestellten Smart Forfour erinnern. Wie bei diesem nutzt der Ox die Rahmenführung, welche sich von der Frontpartie bis zum hinteren Radlauf zieht, als sichtbares Styling-Element. Auffällig sind die recht breiten Reifen im 225er-Format. Der Ox übernimmt die Auswahl der Werkstoffe vom Think City. Wie beim Schwestermodell verfügt der Ox im Außenbereich über unlackierte und wiederverwertbare Materialien wie ABS- und PP-Kunststoffe. Große Glasflächen sollen den Passagieren ein zwangloses Raumgefühl geben und für klare Sicht im Verkehr sorgen. Wie der City verfügt auch der Ox über eine transparente Heckklappe zur besseren Sicht beim Einparken. Ein Solarkollektor auf dem Dach klimatisiert die Fahrgastzelle bei abgestelltem Motor.

Das Plattformfahrzeug
Die Besonderheit des Ox besteht neben seinem Antrieb in der Modulbauweise als Plattformkonzept. Damit soll eine Vielzahl von Karosserievarianten möglich sein, zum Beispiel eine Taxi- und eine Coupé-Version. Möglich wird das durch ein mit Knautschzonen ausgestattetes, räumliches Tragwerk und durch die zentrale Platzierung der Batterien in zwei Fächern im unteren Rahmenbereich. Für die Plattform-Bauweise des Ox gibt es zwei verschiedene Standard-Batterie-Pakete: einen hoch liegenden Block, in dem zwei Batteriefächer die Verwendung von preiswerten Natrium-Batterien mit großer Reichweite ermöglichen. Darüber hinaus gibt es einen niedrig liegenden Block, der Platz für Lithium-Ionen-Batteriepakete bietet und es ermöglicht, sie unterhalb oder oberhalb des Rahmens anzuordnen.

Das elektrische Herz
Das Basismodell des Think Ox verfügt über einen 60 Kilowatt starken Elektroantrieb, der den Wagen in weniger als 8,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt und eine Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h ermöglicht. Kurzfristig beträgt die Beschleunigungsverstärkung sogar 100 Kilowatt. Wie bereits erwähnt, soll der Kunde die Wahl zwischen Batterien auf Natrium- oder Lithium-Basis haben. Bei den Lithium-Ionen-Batterien wird eine auf Nano-Phosphaten basierende Elektrochemie der nächsten Generation eingesetzt. Die Reichweite des Think Ox soll 200 Kilometer bei kombinierter Fahrweise auf der Landstraße und im Stadtgebiet betragen. Bei reiner Stadtfahrt sollen sogar 250 Kilometer möglich sein. Neben dem Dach-Solarkollektor wird zusätzliche Energie aus Rekuperation gewonnen.

Aufladen an der Steckdose
Trotz Verwendung leichter Materialien wie Kunststoffe und Aluminium beträgt das Leergewicht des Ox stolze 1.500 Kilogramm, wozu das Batteriegewicht von 350 Kilo einen unbedeutenden Anteil beiträgt. Das zulässige Gesamtgewicht gibt Think mit 1.850 Kilogramm. Wie alle Think-Fahrzeuge kann der Ox an jeder normalen Steckdose aufgeladen werden. Das Adapter hierfür verbirgt sich hinter dem Frontgrill. Der Ladevorgang dauert mit dem bordeigenen Mitteln etwa 12 Stunden an einer herkömmlichen 230-Volt-Steckdose. Die Lithium-Ionen-Batterien können mit einem externen Hochleistungs-Schnelllader in weniger als einer Stunde bis zu einem Ladestand von 80 Prozent der Leistung aufgeladen werden.

Biometrie an Bord
Der Think Ox hat ein Keyless-Entry-System, dass die persönlichen Vorlieben des Anwenders speichert und anzeigt. Ein biometrischer Schlüssel gibt dem Besitzer Auskunft über den Speicherzustand und übermittelt Botschaften, um das Fahrzeug etwa im Vorfeld zu heizen oder zu kühlen. Der Ox ist außerdem mittels einer Datenbankschnittstelle mit diversen Netzwerken verbinden. Damit soll dem Fahrer geholfen werden, einen Parkplatz oder Ladestationen und Steckdosen zu finden. Die Think-Datenbank beurteilt das Fahrverhalten des Fahrers und gibt Hilfestellung zum optimalen Energieverbrauch, indem es während der Fahrt laufend den Verbrauch in Echtzeit mitteilt. Zudem wird die Restreichweite dargestellt, aber unter anderem auch, wie viel Batterieladezeit erforderlich ist, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Langfristige Elektro-Zukunft
Weiterhin besitzt das System eine so genannte ,Nachfragesteuerung", welche den Ladevorgang zu Spitzenbelastungszeiten unterbricht oder dem Dienstprogramm erlaubt, den Ladevorgang an die Spitzenbelastungszeiten anzupassen. Auf diese Weise wird das Fahrzeug während der preiswertesten, nachfrageärmsten Tarifzeiten aufgeladen und vermindert so die Belastung für das Energienetzwerk. Wann die Serienversion des Ox kommen wird, ist noch völlig offen. Langfristig wird Think sein Modellprogramm erweitern, aber das hängt auch stark vom Erfolg des kleinen City ab.

Elektro-Studie Think Ox