Französischer Mischkonzern stellt kleines Elektroauto für fünf Personen vor

Kennen Sie Bolloré? Wenn nicht, dann geht es Ihnen wie dem Autor dieser Zeilen und wahrscheinlich dem größten Anteil der deutschen Bevölkerung. Dabei dürften zumindest die Freunde der selbst gedrehten Zigarette schon einmal mit einem Bolloré-Produkt in Berührung gekommen sein: Die OCB-Zigarettenpapiere sind ein Produkt des Mischkonzerns, der knapp über 33.000 Angestellte beschäftigt. Nun zeigt das Unternehmen auf dem Genfer Auto-Salon vom 6. bis zum 16. März 2008 ein Produkt, was mit Rauchen nichts mehr im Sinn hat.

Vision mit Pininfarina-Hilfe
Auf der Messe steht das so genannte BlueCar, ein 3,30 Meter kurzer Fünfsitzer. Die Besonderheit ist der elektrische Antrieb. Entwickelt und gebaut wird das Stadtauto gemeinsam von Bolloré und Pininfarina, beim Design holte man sich zusätzliche Hilfe von Renault-Ingenieuren. In der Tat weckt das 1,61 Meter hohe Gefährt Assoziationen an den Renault Twingo. Im Gegensatz zu diesem weist das BlueCar aber eine betont nutzwertorientierte Form auf, die durch kreisrunde Türausschnitte aufgelockert wird. Durch ein besonderes Sitzkonzept sollen bis zu fünf Personen im blauen Auto Platz finden. Die beiden Rücksitze können je nach Bedarf umgelegt, zur Seite geklappt oder gänzlich ausgebaut werden. Werden bis auf den Fahrerplatz alle Sitze entfernt, entsteht ein Ladevolumen von 2,3 Kubikmeter. Die vordere Sitzbank bietet Platz für maximal drei Personen und weckt Erinnerungen an frühere Sportwagen der Marke Matra.

Neuartige Batterietechnik an Bord
Mit dem Blick auf Matra liegt man denn auch beim BlueCar nicht falsch. Der Elektromotor des Fahrzeugs stammt nämlich von ebenjener Firma. Er stellt eine maximale Leistung von 50 Kilowatt bereit, bei konstanter Geschwindigkeit sind es 30 Kilowatt. Das maximale Drehmoment der Matra-Maschine wird mit 170 Newtonmeter angegeben. Die Batterien verfügen über eine Kapazität von 28 Kilowattstunden. Sie wurden beim Bolloré-Tochterunternehmen Batscap entwickelt und arbeiten mit der neuesten Lithium-Metall-Polymer-Technik. So kommen keine Flüssigkeiten zum Einsatz, und im Gegensatz zu Lithium-Ionen-Batterien soll keine Selbstentzündungsgefahr bei Temperaturen über 200 Grad Celsius bestehen. Die Arbeitstemperatur liegt zwischen – 20 und + 60 Grad Celsius. Darüber hinaus finden die 240 Kilogramm schweren Akkus platzsparend unter dem Fahrzeugboden Platz.

Aufladen an der Steckdose
Zudem verspricht Bolloré eine hohe Reichweite und kürzere Aufladezeit. Das BlueCar soll an jeder herkömmlichen Steckdose zu ,betanken" sein, eine volle Wiederaufladung benötigt maximal fünf Stunden. Allerdings hat das 1.100 Kilogramm schwere Fahrzeug schon nach fünf Minuten Ladezeit genügend Kraft für 25 Kilometer. Die Beschleunigung auf 50 km/h soll in knapp fünf Sekunden vonstatten gehen, die Höchstgeschwindigkeit beträgt elektronisch begrenzte 125 km/h. Die durchschnittliche Reichweite wird mit 250 Kilometer angegeben.

Bestellbar ab Dezember 2008
Gefertigt wird das BlueCar beim Karosseriebauer Cecomp in Turin, das Pininfarina-Tochterunternehmen MAE ist für den Einbau der Motoren verantwortlich. Das BlueCar wird zeitgleich in Europa, den USA und Japan auf den Markt kommen. Bestellbar ist es ab Dezember 2008, die ersten Kunden erhalten ihre Fahrzeuge im Spätsommer 2009. Einen Kaufpreis gibt es nicht, weil der Elektro-Flitzer für 500 Euro im Monat vermietet werden soll. Abhängig von der Batteriefertigung, die in Frankreich und Kanada stattfindet, sieht Bolloré die Auslieferung von 1.000 Autos für 2009 vor. Bis zum Jahr 2012 soll sich die jährliche Kapazität auf 10.000 Stück steigern, in den Jahren danach sogar auf 15.000 Exemplare. Das Unternehmen gibt allerdings offen zu, dass diese Zahlen von der Nachfrage nach dem BlueCar abhängen.

Bolloré BlueCar