Norwegisches Unternehmen plant Verkauf in Europas Großstädten ab 2009

Geht es nach dem Willen der norwegischen Firma Think Global AS, dann wird die Auto-Zukunft elektrisch werden. Dazu beitragen soll ein kleiner Stadtflitzer, der auf den passenden Namen Think City hört. Das Unternehmen, welches sich auch gerne mit einem Ausrufezeichen im Namen schreibt, hat seinen Ursprung in einer Entscheidung von Ford USA. Hintergrund war Ende der neunziger Jahre ein Gesetzesentwurf, der vorsah, dass ab 2005 in Kalifornien zehn Prozent der dann verkauften Fahrzeuge keinerlei Emissionen ausstoßen dürften. Um diese Hürde zu erfüllen, gründete Ford ein Tochterunternehmen für Elektrofahrzeuge, die heutige Think Group. Nachdem der kalifornische Gouverneur besagten Entwurf kippte, verkaufte Ford die Firma.

Produktion des Think City seit November 2007
In der Folgezeit entwickelte Think das Ursprungsmodell, welches noch als Ford Think in einer Kleinstauflage verkauft wurde, kontinuierlich weiter. Der optisch ähnliche Nachfolger, der intern auf den unprosaischen Namen A306 hört, wird seit dem 28. November 2007 in Serie produziert. Die ersten Fahrzeuge, die vom Band gelaufen sind, sollen unter norwegischen Winterbedingungen auf ihre Qualität hin getestet werden. Im Laufe des Jahres plant man bei Think, 3.500 Fahrzeuge pro Arbeitsschicht herstellen zu können.

Sehr kurze Karosserie aus robustem Plastik
Der Think weist eine Außenlänge von 3,12 Meter auf. Die Breite beträgt 1,60 Meter, die Höhe 1,55 Meter. Eine ausgeprägte Schulterlinie und betonte Radhäuser sollen dem norwegischen Elektromobil eine solide Note verleihen. Auffällig sind die in die Kotflügel integrierten Seitenblinker und die kulleräugigen Scheinwerfer. Die unlackierte Karosserie des Think City besteht aus recycelbarem ABS-Kunststoff, der sichtbare Kratzer und Dellen vermeiden soll. 16 Prozent der Karosserie sind übrigens bereits aus recycelten Materialien hergestellt. Im einfachen, aber übersichtlichen Innenraum finden sich in einigen Details Ford-Teile wieder, so etwa beim Lenkrad und den Türgriffen. Um ein lichtes Raumgefühl zu vermitteln, besitzt das Fahrzeug eine gläserne Heckklappe, die es erlaubt, beim rückwarts Einparken den hinteren Stoßfänger zu sehen. Den Wendekreis gibt Think übrigens mit neun Meter an.

Zwei zusätzliche Rücksitze
Für den Schutz seiner Passagiere bietet der City serienmäßig ABS und zwei Airbags an. In der Standardausführung ist Platz für zwei Personen, auf Wunsch sind aber zusätzlich zwei Rücksitze mit Dreipunkt-Sicherheitsgurten erhältlich. Die Sitze können zudem umgeklappt werden, wodurch ein geräumiger Kofferraum entsteht. Für den Komfort ist der Think City mit einer Servolenkung, Zentralverriegelung, einer vier Kilowatt starken elektrischen Heizung sowie elektrischen Fensterhebern ausgestattet. Optional sind eine Klimaanlage, eine Vorwärm-Zeitschaltuhr, ein Panoramadach und diverse Radio- beziehungsweise Navigationssysteme erhältlich.

Mit der Kraft des Elektromotors
Das Kernelelement des Think City ist zweifelsohne sein Elektroantrieb. Er setzt sich aus mehreren Hauptbestandteilen zusammen: Der Antriebsbatterie, dem aus Motor, Motorsteuerung, Fahrzeugsteuersystemen, Lader, Spannungswandler und einem Untersetzungsgetriebe bestehenden Antrieb und einem Hochspannungssystem. Der Ausgangspunkt für die gesamte Entwicklung des Fahrzeugs war die Batterie-Kassette, welche sich mittig im Auto unter den Sitzen befindet. Ein dreiphasiger asynchroner Elektromotor erreicht eine Spitzenleistung von 30 Kilowatt. Der Think City wurde laut Hersteller so entworfen, dass er eine Vielzahl von verschiedenen Batterietechnologien aufnehmen kann. Durch seine Baukastenbauweise ist der Think auch für alternative Technologien wie eine Brennstoffzelle gerüstet.

Verschiedene Batteriesysteme im Angebot
Das Batteriefach kann verschiedene Arten von Batteriesystemen aufnehmen. Momentan wird der Think City mit drei Batterie-Optionen angeboten: ein Natrium-Batteriesystem und zwei Lithium-basierte Systeme. Beim Natrium-System kommt ein Natrium-Nickelchlorid-Akku zum Einsatz, welche auch als Zebra-Batterie bekannt ist. Sie verfügt über eine hohe Energiedichte und bietet eine langfristige Leistung unabhängig von der Umgebungstemperatur. Die Leistung gibt Think mit 28 kWh an, das Gewicht der Batterien beträgt 245 Kilogramm. Aufgrund einer durchschnittlichen Arbeitstemperatur von etwa 300 Grad Celsius zweifeln Kritiker allerdings die Haltbarkeit der Batterie an. Optional wird der Think City auch mit zwei Lithium-basierten Batterieoptionen angeboten. Dabei handelt es sich zum einen um ein Lithium-Eisen-Phosphat-System des Herstellers A123 Systems und ein Lithium-Mangan-System, welches von EnerDel stammt. Der A123-Akku besitzt eine Leistung von 19 kWh, während der EnerDel-Akku 26 kWh leistet. Beide Batterien wiegen jeweils 260 Kilogramm.

Fahrzeuginfos auf dem Handy
Im Laufe des Jahres 2008 soll überdies eine so genannte ,Mind Box" zum Serienumfang des Think City gehören. Dabei handelt es sich um einen kleinen Computer, der neben GPS auch für GPRS ausgerüstet ist und eine drahtlose Schnittstelle zu den Fahrzeugsystemen bietet. Das System übermittelt den Ladezustand und weitere Kenngrößen direkt auf die ,Mind Box", das Mobiltelefon oder den heimischen Rechner. Die ,Mind Box" ermöglicht eine direkte Verbindung zum Kundendienst und ruft automatisch um Hilfe, wenn beispielsweise ein Airbag ausgelöst wurde.

Aufladung an der Steckdose
Die durchschnittliche Ladezeit für den Nickelchlorid-Akku beträgt laut Think etwa zehn Stunden bei einer Netzspannung von 230 Volt. Bestückt mit Sommerreifen und mit ausgeschalter Heizung soll eine maximale Reichweite bis zu 180 Kilometer möglich sein, bei ausschließlicher Nutzung in der Stadt sind es sogar 200 Kilometer. Für die Beschleunigung von null auf 50 km/h werden 6,5 Sekunden benötigt, die 80-km/h-Marke ist nach 16 Sekunden erreicht. Als Höchstgeschwindigkeit gibt Think für den City 100 km/h an. Angesichts des hohen Leergewichts von 1.397 Kilogramm sind die Fahrleistungen aber allenfalls als ausreichend zu bezeichnen.

Verkauf außerhalb Norwegens ab 2009
Der Think City wird zunächst Norwegen verkauft werden, zumal dort der benötigte Strom umweltfreundlich durch Wasserkraft produziert wird. Im Verlauf des Jahres 2008 folgen Schweden und Dänemark. Sobald das Produktionsvolumen hochgefahren wurde, wird das Fahrzeug auch in europäischen Großstädten, beginnend mit London (Rechtslenker), Paris, Berlin und Mailand lanciert werden. Think verspricht sich von dieser Strategie Verkaufsvorteile, da zum Beispiel in London Elektroautos von der City-Maut befreit sind oder in einige Innenstädte in Italien nur Elektrofahrzeuge einfahren dürfen.

Verkaufspreis um 20.000 Euro
Als vorgesehenen Verkaufspreis für den City nennt Think eine Summe, die bei ungefähr 20.000 Euro liegt. Dafür bekommt der Kunde das Fahrzeug, nicht aber die Batterien. Diese bleiben das Eigentum von Think. Der Fahrzeugeigentümer zahlt jeden Monat einen so genannten Mobilitätsbeitrag von etwa 200 Euro, der einen Full-Service-Wartungsvertrag, CO2-Ausgleichszahlungen und in einigen Ländern sogar den gesamten Stromverbrauch und Versicherung beinhaltet. Darüber hinaus verpflichtet sich Think, die Verantwortung für die Batterieleistung für die Lebensdauer des Autos zu tragen und die Batterien ,wenn nötig, auszutauschen. Zudem kümmert sich die Firma um die Behebung möglicher Karosserieschäden. Think will zusätzlich CO2-Kompensationsprojekte einführen, sodass jeder Think-Fahrer CO2-neutral unterwegs ist, egal, in welcher Stadt das Fahrzeug gefahren wird.

Blick auf die Think-Zukunft
Auf dem Genfer Salon im März 2008 hat Think neben dem City auch ein Modell namens ,open" vorgestellt. Bei ihm handelt es sich um die Cabrio-Variante. Durch die Emissionsfreiheit soll sich das Fahren im offenen Think laut Herstellerauskunft wie ,Segeln auf der Straße" anfühlen: ruhig und dynamisch. Bisher ist aber noch keine Entscheidung darüber getroffen worden, ob und wann der Think open in Serie produziert werden soll.

Bildergalerie: Elektroauto Think City