Neues Konzept soll preiswerte Modulbauweise ermöglichen

Über 70 Prozent des Personen- und Kleingüterverkehrs findet auf Kurzstrecken statt. Dieser Meinung ist das Innovations- und Designcenter der Firma Hymer in Pforzheim und kommt zu dem Ergebnis, dass fehlender Parkraum und Umweltgesetze zu einer ,Mobilitätslähmung" führen. Abhilfe soll ein neu entwickeltes Elektroauto-Konzept namens Teamo e-cargo-van schaffen.

Vorstellung auf der Nutzfahrzeug-IAA 2008
Der Name Teamo steht dabei für ,True Electric Auto Mobility". Dahinter verbirgt sich der Prototyp eines kompakten Elektro-Vans, der auf einem besonderen Chassis steht. Entwickelt wurde er im Innovations- und Designcenter Hymer idc in Pforzheim. Wie der Name Hymer schon verrät, wird dort normalerweise an neuen Ideen für die Reisemobil-Branche geforscht. In den letzten Jahren wurde jedoch auch an konsequent auf Elektroantriebe ausgerichteten Konzepten gearbeitet, deren Resultat jener neuartige ,City Light Van" ist, der ab dem 24. September 2008 auf der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover präsentiert wird.

Die Idee des Professor Tomforde
Hinter dem Teamo-Konzept steckt Professor Johann Tomforde. Er ist unter Branchenkennern als einer der Smart-Väter bekannt. Bereits Anfang der 1970er-Jahre hatte Tomforde bei Daimler-Benz Stadtwagen mit Unterflur-Elektroantrieben und schweren Batterien konzipiert. Auch während der Smart-Entwicklung wurde ein Elektro-Prototyp erprobt. Laut Aussage des Professors gehören alle Parameter klassischer Automobilbaukunst auf den Prüfstein, wenn je effiziente Elektromobile entstehen und gekauft werden sollen.

Leicht, aber sicher
Bei der Teamo-Entwicklung setzt man daher auf einen intelligenten Materialmix aus einfach herstellbaren Aluminiumprofilen und faserverstärkten Thermoplast-Sandwich-Konstruktionen. Damit sollen die Anforderungen nach geringem Gewicht, Sicherheitsanforderungen und preiswerter Herstellung erfüllt werden. Die bootsrumpfartige Chassisrahmenstruktur weist Aluminiumprofile und eine einfach herstellbare Spaceframe-Struktur in Form rundum gebogener Aluminium-Überrollbügel im A-, B- und C-Säulenbereich auf.

Elektromotor an Bord
Der Teamo e-cargo-van richtet sich an Nutzer mit Transportbedarf in umweltbelasteten Ballungsgebieten. Angetrieben wird die erste Version des e-cargo-van von einem 50 Kilowatt starken Elektromotor. Er befindet sich an der niveauregulierten und luftgefederten Hinterachse, die eine Ladehöhe von 49 Zentimeter ermöglicht. Der Elektroantrieb ermöglicht eine Reichweite zwischen 125 und 175 Kilometer, je nachdem, ob Lithium-Ionen-Batterien oder Lithium-Polymer-Akkus eingebaut werden. Im Fall der Lithium-Ionen-Batterie befindet sich das Batteriefach unter den Fahrersitzen. Für die Erweiterung der Reichweite soll es zukünftig einen Zweizylinder-Motor oder eine Brennstoffzelle geben.

Viel Platz im Innenraum
Der e-cargo-van ist vier Meter lang sowie jeweils 1,74 Meter hoch und breit. Der Radstand beträgt 2,70 Meter. Das Innenraumvolumen gibt Teamo mit über 3.000 Liter an, was genug für zwei Euro-Palettenboxen ist. Der Ladeboden lässt sich zur besseren Beladung ausziehen. Unter der Fronthaube befindet sich ein 200 Liter großen Extra-Kofferraum. Innen gibt es bis zu sechs Sitzplätze, in der Taxi-Variante sitzen sich hinten jeweils zwei Passagiere gegenüber. Der Wendekreis liegt bei 10,5 Meter.

Einfache Realisierung individueller Aufbauten
Durch die bootsrumpfartige Aluminiumprofil-Konstruktion können unterschiedliche Karosserie- und Designvarianten mit geringem Kosten- und Zeitaufwand realisiert werden. Tomforde weist auf die Vorkriegszeit hin. Damals war es üblich, dass die Autofirmen fahrfertige Chassis auf Leiterrahmen an Karosseriebauer lieferten, die dann einen individuellen Aufbau realisierten. Das fahrfertige Gewicht des ,Boat Chassis" beträgt je nach Batterievolumen zirka 500 bis 700 Kilogramm. Im Fall des e-cargo-van beträgt das Leergewicht mitsamt Fahrer eine gute Tonne, die Nutzlast liegt bei 600 Kilogramm.

Aufladestation für Elektro- und Hybridfahrzeuge
Passend zum Konzeptfahrzeug zeigt das Hymer idc auf der Nutzfahrzeug-IAA 2008 den Design-Prototypen eines neuartigen ,Park & Power Station Systems". Es wird gemeinsam mit großen Energieversorgern und Parkraumbetreibern entwickelt. Ziel ist die Nachladung von Elektro- und Plug-In-Hybridfahrzeugen an stark frequentierten Plätzen und in Wohngebieten. Die Ladestationen sollen dabei auf die Architektur des Umfelds abgestimmt sein.

Elektro-Van von Hymer