Wir konnten im noblen Hybrid-Geländewagen bereits Probe sitzen

Ob Porsche, Jaguar oder Mercedes: Im Meilenwerk Düsseldorf können die Besucher legendäre Oldtimer besichtigen oder gleich kaufen. Die alten Schätzchen stammen aus Zeiten, als Klimaschutz und CO2-Ausstoß Fremdworte waren. Doch der Lauf der Dinge hat sich mittlerweile geändert und so geht es in dem früheren Lokschuppen heute um moderne Hybridtechnik in Gestalt des neuen Lexus RX450h.

Der erste Eindruck
Gut zwei Wochen vor der Europa-Premiere auf dem Genfer Auto-Salon (5. bis 15. März 2009) konnten wir den RX 450h bereits in Augenschein nehmen. Optisch kommt das Lexus-SUV nun mit fließenden Formen daher, die gefälliger sind als beim relativ kantigen Vorgänger. Bei den Abmessungen hat sich allerdings nicht viel getan: Die Länge wuchs um 35 Millimeter auf jetzt 4,77 Meter, während die Höhe von 1,69 Meter gleich geblieben ist. Für mehr Platz im Fahrgastraum sorgen der um 20 Millimeter gewachsene Radstand und die um 52 Millimeter verbesserte Innenbreite. Zu den weiteren äußeren Highlights gehören LED-Blinker in den Außenspiegeln und der in den Dachspoiler integrierte Heckscheibenwischer. Optional werden für den neuen RX 450h LED-Scheinwerfer angeboten.

Ansprechender Innenraum
Mehr Platz soll er also bieten, der neue Lexus. Höchste Zeit daher, in dem Fahrzeug Platz zu nehmen. Netterweise wurden wir im bisherigen RX 400h zum Meilenwerk gefahren, sodass ein Vergleich möglich wird. Tatsächlich bietet der 450h den hinteren Insassen mehr Beinfreiheit, allerdings kann sie maximal als befriedigend bezeichnet werden. Gleiches gilt für die Kopffreiheit, die durch die abfallende Dachlinie beeinträchtigt wird. In Verbindung mit dem angeschrägten Heck ergibt sich leider eine schlechte Sicht nach hinten. Auf dem Fahrerplatz laden bequeme Ledersessel zum Verweilen ein, viele elektrische Einstellmöglichkeiten für Sitze und Lenkrad ermöglichen eine individuelle Anpassung.

Viel Elektronik an Bord
Apropos Elektro-Gimmicks: Eine Menge automatischer Helferlein und die großen Cupholder zeigen, dass die RX-Reihe auf den US-Geschmack ausgerichtet ist. Allerdings gilt dies nur bedingt für die Materialien: Im Vergleich zum Vorgänger haben sich Optik und Haptik stark verbessert. Einen prominenten Platz im übersichtlichen Armaturenbrett nimmt der Navi-Bildschirm ein. Die Steuerung des Infotainment-Systems und der Klimatisierung erfolgt nun nicht mehr direkt per Touchscreen, sondern über einen Trackball auf der Mittelkonsole. Fährt der Mauszeiger über ein Icon, ist ein leichter Widerstand spürbar, die Bestätigung erfolgt per großer Enter-Taste. Ob dieses System eine Verbesserung darstellt, muss sich aber erst im Fahrbetrieb zeigen. Gut gefallen hat uns das optionale Head-Up-Display, das neben der Geschwindigkeit auch andere Informationen anzeigt.

Modifikationen unter dem Blech
Nicht nur die Optik zeigt sich verändert, auch unter dem Blech hat sich einiges getan. So sorgt eine geänderte Hinterachse für einen besser in der Breite nutzbaren Kofferraum. Dadurch steigt das Gesamtvolumen bei stehender Rückbank um 57 auf knapp 500 Liter. Praktisch: Die Rücklehnen klappen nach Zug an einem Hebel im Kofferraum selbsttätig um, zudem schließt die Heckklappe elektrisch. Einziges Manko ist die relativ hohe Ladekante, aber man darf nicht vergessen, dass der RX 450h auch 1,69 Meter hoch ist. Zurück zum Fahrwerk: Optional gibt es elektrisch gesteuerte aktive Stabilisatoren vorne und hinten, welche die Rollneigung unterdrücken sollen. Komfortorientierte RX-Kunden können hingegen zur aufpreispflichtigen vierstufigen Luftfederung greifen, mit deren Hilfe sich das Fahrzeug um bis zu 30 Millimeter hebt und senkt.

Sauberer verbrennen
Der Sechszylinder-Benziner in V-Form basiert auf dem Triebwerk des parallel weiter angebotenen RX 350. Das 3,5-Liter-Aggregat leistet 249 PS, das maximale Drehmoment beträgt 317 Newtonmeter bei 4.800 Umdrehungen. Die Arbeitsweise erfolgt nach dem so genannten Atkinson-Zyklus, bei dem die Einlassventile im Verdichtungstakt etwas später schließen. Dadurch soll der Kraftaufwand beim Verdichten reduziert werden und die Abgastemperatur sinken. Um letztere kümmern sich spezielle Systeme wie die wassergekühlte Abgasrückführung EGR und die Abgaswärmenutzung EHR.

Entscheidend ist, was hinten rauskommt
Das EGR-System kühlt die Abgastemperatur von maximal 700 Grad Celsius auf etwa 150 Grad herunter und führt das Abgas genau abgemessen in den Ansaugtrakt des Systems zurück. Durch die Beimischung sinkt die Verbrennungstemperatur weiter ab, zudem verringern sich die Drosselverluste im Ansaugsystem durch eine Reduzierung des Unterdrucks auf der Ansaugseite. Ziel ist eine Verbrauchssenkung, an der auch das EHR-System beteiligt ist. Es nutzt die Abgasrestwärme, um das Motorkühlmittel nach dem Kaltstart schneller zu erhitzen und somit die Betriebstemperatur früher zu erreichen. Laut Lexus soll sich so der Verbrauch im Winter um bis zu 23 Prozent verringern lassen.

Kraft durch Strom
Das Hauptargument für den Lexus RX 450h ist wie beim Vorgänger der Hybridantrieb, mit dem die Japaner im SUV-Segment eine fast unangefochtene Stellung inne haben. Lexus-Angaben zufolge entscheiden sich in Deutschland bislang über 90 Prozent der Kunden für einen Hybrid-RX. Zum Zuge kommen beim neuen Modell zwei Elektromotoren, von denen einer ausschließlich für die Hinterachse zuständig ist und bei Bedarf Allradantrieb ermöglicht. Das hintere Aggregat leistet 50 Kilowatt, beim vorderen E-Motor sind es 123 kW. Ab der ersten Umdrehung stellt die Maschine vorne 335 Newtonmeter bereit, hinten gibt es eine Zugkraft von 139 Newtonmeter. Bei den Akkus setzt Lexus nach wie vor auf Nickelmetallhydrid-Akkus mit einer Gesamtspannung von 288 Volt. Das Gewicht der unter der Rückbank positionierten Batterien beträgt knapp 69 Kilogramm. Der Verzicht auf leistungsfähigere Li-Ion-Speicher wird mit dem Kosten-Nutzen-Verhältnis begründet. Interessantes Detail am Rande: Die Zukunft plant Lexus ohne Dieselmotoren, um das Markenprofil zu schärfen.

Mehr Einfluss des Fahrers
Die Kraftübertragung erfolgt stufenlos mittels eines kompakten Planetengetriebes. Neu ist eine intelligente Schaltsteuerung, die erkennt, ob sich das Fahrzeug bergauf, bergab oder in der Ebene befindet. Als Folge wird die Getriebeübersetzung automatisch den Umständen angepasst. Außerdem kann der Fahrer jetzt über eine manuelle Schaltgasse festgelegte Übersetzungen wählen, etwa um die Motorbremse zur Energie-Rückgewinnung einzusetzen. Interessant ist die Wirtschaftlichkeitsanzeige anstelle des Drehzahlmessers. Dort ist abzulesen, ob man gerade Energie zurückgewinnt, sich im optimalen Bereich befindet oder mehr Leistung als nötig abruft.

Vorprogrammiertes Fahren
Ebenfalls neu sind drei verschiedene Fahrprogramme: Im ,Eco"-Modus werden die Gaspedalbewegungen so geregelt, dass ein gleichmäßiger, sparsamer Fahrstil gefördert wird. Die Technik berücksichtigt dabei auch der Leistungsbedarf der Klimaanlage. Aus dem Stillstand fährt der RX 450h rein elektrisch im ,EV"-Modus an. Soweit es der Ladezustand der Batterie erlaubt, kann man bis zu einem Tempo von 50 km/h lautlos fahren. Der ,Snow"-Modus unterstützt den Fahrer bei winterlichen Bedingungen. Ziel ist dabei, dass möglichst wenig Schlupf an den Rädern entsteht.

Verbrauch noch ungewiss
Die Kernfragen bei einem Hybridfahrzeug wie dem Lexus RX 450h sind natürlich die nach Verbrauch und Preis. Zu beiden Punkten wurden noch keine Angaben gemacht, erst zum Genfer Auto-Salon im März 2009 soll es nähere Infos geben. Einzig bezüglich des CO2-Ausstosses macht Lexus eine vage Andeutung, dass dieser sich im Bereich von 150 Gramm pro Kilometer bewegen könnte. Zum Vergleich: Der bisherige RX 400h emittiert bei einem Durchschnittsverbrauch von 8,1 Liter die Menge von 192 Gramm. Der Preis des RX 450h dürfte sich etwas über dem des alten Modells bewegen, wir rechnen mit ungefähr 55.000 Euro. Während der neue RX 350 schon Ende März 2009 zu den Händlern rollt, müssen sich die Hybrid-Fans noch bis Ende Mai 2009 gedulden.

Bildergalerie: Lexus: Sauber ins Gelände